Wenn Verständnis mit dem Verstand kollidiert

Wenn Verständnis mit dem Verstand kollidiert

Wahrnehmungen und Sinne

Die klassischen Sinne des Menschen sind Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten, welche unserer fundamentalen Wahrnehmung dienen. Mit ihnen nimmt man Eindrücke und Reize aus der Umwelt dar und sie sorgen im Zusammenspiel mit dafür, dass das Gehirn Eindrücke verarbeiten kann, mit denen wir uns eine Meinung bilden und Erfahrungen sammeln können.

Als Wahrnehmung bezeichnet man im Allgemeinen den Vorgang der bewussten Aufnahme von Informationen über seine Sinne. Damit kommt das Weltgeschehen in unseren Kopf, kann verarbeitet und daraus Erkenntnisse gezogen werden.

Dabei versuchen wir mit den Wahrnehmungen eine möglichst objektive Realität zu schaffen, an der sich unser Handeln orientiert und je präziser unsere Auffassungsgabe ist, desto besser ist die Basis für ein erfolgreiches Verhalten in der Gesellschaft.     

Die Qualität unserer Wahrnehmung hat entscheidenden Einfluss auf die Wertigkeit unseres Tuns, da eine unvollständige oder verzerrte Wahrnehmung fast zwangsläufig zu ungeeigneten Handlungsmustern führt und ein unsicheres Fundament für zu treffende Aussagen und Entscheidungen darstellt.

Wenn man etwas sehen, hören oder lesen kann, heisst das noch lange nicht, dass man das Wahrgenommene komplett erfasst bzw. vollinhaltlich versteht und mit den gewonnenen Informationen etwas anfangen kann, was für die Meinungs- und Weiterbildung hilfreich ist und man daraus einen Mehrwert erzielen kann.

Je nach Bildungsstand, Grad der ideologischen Voreingenommenheit und Parteilichkeit, kognitiver Denk- und Interpretationsfähigkeit, erfolgt die Bewertung unserer Wahrnehmungen in den unterschiedlichsten Schattierungen und führt demzufolge auch zu uneinheitlichen Konklusionen und gegensätzlichen Diskursen.

Das ist von besonderer Wichtigkeit, wenn man bei komplexen Prozessen zu wenig direkte Rückkopplungen erhält, um Fehleinschätzungen rasch erkennen und korrigieren zu können.

So besteht die latente Gefahr, dass man die reale Welt nicht objektiv wahrnimmt, was bereits Sokrates erkannt hat und feststellte,  dass die Wahrheit dem menschlichen Erkenntnisvermögen prinzipiell unzugänglich ist und allenfalls bei unmittelbar beobachtbaren Sachverhalten wir einigermassen zuverlässig feststellen, ob eine Aussage oder Ereignis wahr oder falsch ist. 

Diese Erkenntnisse führen automatisch zu der Frage, inwieweit der Mensch in der Lage ist, die zur Kenntnis genommenen Informationen objektiv zu verarbeiten, um daraus eine möglichst fundierte Meinung und Lebensart ableiten zu können, die den moralisch-ethischen Wertvorstellungen einer pluralistischen Gesellschaft gerecht wird und eine mehrheitliche Zustimmung generiert.

Erkenntnistheorie

Alle reden in der modernen Demokratie vom sozialen und gesellschaftlichen „WIR“ und von Solidarität. Leider zeigen die Handlungsweisen der Bürger und der Politiker zunehmend Diskrepanzen in der gedanklichen Klarheit auf, die einer von Vernunft gesteuerten Verständlichkeit im Wege steht und unsere demokratische Grundordnung und den sozialen Frieden infrage stellt.

Gegenteilig unvereinbare Ansichtsweisen und Überzeugungen prallen z. T. in einer geradezu pathologischen Unversöhnlichkeit aufeinander und vergiften die gesellschaftliche und politische Landschaft. Dies geschieht in einer Weise, die im Alltagskontext auf Dauer zu einer ausufernden und vor allem schmerzhaften Trostlosigkeit führt, die unser Dasein negativ beeinträchtigt und die Lebensfreude einschränkt.

Der Glaube an die Übereinstimmung zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft wird dabei von kritischen Geistern in Zweifel gezogen, weil sie augenscheinlich nicht der objektiv vorliegenden Wirklichkeit entspricht.

Gesinnungswahrnehmungen, die ein eigenidealisiertes Weltbild schaffen und zu irrealen Wirklichkeitskonstruktionen führen, spielen eine Hauptrolle, welche eine ökologisch-ökonomische Nützlichkeit und Ziel-Dienlichkeit in geopolitischer Hinsicht nahezu ausschliesst.

Für die fortschreitende ideologische Selbstbefriedigung, die lediglich zu einer Pseudo-Nachhaltigkeit führen kann, muss ein hoher Preis gezahlt werden, der in seiner Unverhältnismässigkeit andere, sehr wichtige, Sozialprojekte in den Hintergrund drängt.

Wir verfügen über keine verlässliche Orientierung mehr, unsere Wahrnehmungen und Bewertungen führen zu einem Handeln, das permanent zwischen Verständnislosigkeit und Zweifel am eigenen Verstand hin und her flippt.

Dabei wird das eigene Selbstbewusstsein untergraben, weil man das Gefühl hat, durch persönliche Aktion kaum zu einer Situationsverbesserung beitragen zu können und meint ein unbedeutendes Rad im gesellschaftlichen Getriebe zu sein.

Wer nicht über ein einigermassen ausgeprägtes Selbstwertgefühl und moralische Festigkeit verfügt, verfällt dem krankhaften Fatalismus, des resignierten Hinnehmen des Unabänderlichen, was letztendlich zu einer beklemmenden Agonie führt, die den dogmatischen Todeskampf der unbelehrbaren Polit-Besserwisser begleitet.

Dieses gedankliche Dahinsiechen der unzufriedenen Bürger, machen sich dem Radikalismus zugewandte Gruppierungen zunutze und fischen am rechten und linken Rand des politischen Spektrum nach Anhängern, die ihren queeren Verschwörungstheorien folgen, sich dem offenen Widerstand zuwenden und das Establishment bekämpfen.

Die Befürworter als auch die Kritiker und Gegner sind alle der Überzeugung, dass ihre Thesen und Argumente eine Stichhaltigkeit aufweisen, die nur schwer zu widerlegen ist, weil das doch „jeder weiss“ und „jedem klar sein müsste“ und uns das ja schon der gesunde Menschenverstand sagt.  

Der permanente Ruf nach Benutzung des gesunden Menschenverstandes wird von praktisch allen  Gesellschaftsgruppen als eine unabdingbare phraseologische Notwendigkeit angesehen und ich habe mich schon vor Jahren mit dieser unsinnigen Metapher auseinandergesetzt und meine Überlegungen zu Papier gebracht.

Der „gesunde“ Menschenverstand

Der gesunde Menschenverstand wird bemüht, wenn man etwas erklären möchte, ohne jedoch die richtigen Worte dafür zu finden. Das mag im Einzelfall zutreffen. Allerdings stellt sich dann die Frage, aus welcher Quelle das, was man erklären möchte, sich speist. Warum nicht einfach sagen, ich kann das zwar jetzt nicht richtig erklären, aber ich bin der Überzeugung, dass das so richtig ist wie ich meine? Warum muss man dann die eigene Meinung dadurch überhöhen, dass man sie als etwas „Gesundes“ verkauft, statt als etwas Eigenes, von dem man überzeugt ist.

Wer damit argumentiert, bedient sich in Wirklichkeit nur einer Scheinargumentation. Denn die Irrenden sind immer die anderen.

Jeder ist mehr oder weniger davon überzeugt, er verfüge über diesen gesunden Verstand und dann müssen ja zwingend die Andersdenkenden geistig krank oder zumindest behindert sein. Wer für sich den gesunden Menschenverstand heranzieht, spricht die Wahrheit. Basta. Das macht den Begriff so sexy, aber auch so gefährlich, falls er auf fruchtbaren Boden fällt.

Einige der monströsesten Verbrechen wurden mit „gesundem Menschenverstand“ begründet, siehe die Reden von Rudolf Hess während des III. Reiches.

Der „gesunde Menschenverstand“ ist der Zwillingsbruder des „gesunden Volksempfindens“, der es sogar einst bis ins Strafgesetzbuch geschafft hatte. 1935 lautete § 2 StGB auf einmal: „Bestraft wird, wer eine Tat begeht, die das Gesetz für strafbar erklärt oder die nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes und nach gesundem Volksempfinden Bestrafung verdient.“ Die Interpretation dessen, was das auf dem gesundem Menschenverstand beruhende gesunde Volksempfinden ableitete, wurde zu einer Unrechtsjustiz, die im Namen des Führers mit gutem Gewissen, „freudig und pflichtgetreu“, in grauenerregender Weise, Unrecht sprachen.

Natürlich wird ein Wort nicht deshalb zum Unwort, weil es von den Nazis missbraucht wurde. Gewiss gibt es den Begriff seit dem 18. Jahrhundert und selbstverständlich darf jeder ihn mag, auch verwenden.

Diese Formulierung wird von allen möglichen Menschen benutzt, müsste aber, wenn man sich näher mit den daraus resultierenden Widersprüchen beschäftigt, wirklich nicht sein.

Wer keine besseren Argumente für eine Behauptung als den gesunden Menschenverstand hat, kann nicht unbedingt als kompetenter Problemlöser angesehen werden. Ohne zusätzliche substanzielle Argumente, ist das eher eine Scheinargumentation und Propagandamittel und nicht etwas, was Bedeutung hätte und nichts anderes als einen verbalen Geschmacksverstärker darstellt.

Menschen, die glauben, dass „meiner Meinung nach“, „nach meinem Gefühl, meinem Geschmack, meiner Ansicht nach“ zu schwach und profan klingt und dabei nicht über wahres Wissen verfügen, folgen bei ihren Rechtfertigungen mehr einem animalischen Instinkt als einer profunden Begründungslinie.

Um einer Weitblick fehlenden,  kleingeistigen Engstirnigkeit entgegenzuwirken, macht es absolut Sinn sich mit dem reflektiven Verstand vertraut zu machen, in welchem die wahre intellektuelle Vernunft liegt und was ein rational erkennendes Denken erforderlich macht.

Reflektierender Verstand und kognitive Flexibilität

Wer sich eines reflektierenden Verstandes und Informationsverarbeitung bedient, sorgt für eine der Situation angebrachte gedankliche Entschleunigung und lässt polemische und propagandistische Überlegungen aussen vor.

Durch Lebenserfahrung gewonnene Klugheit und taktisch geschickt eingesetzte Cleverness, wird die notwendige Souveränität bei der Formulierung von zielführenden Argumentationsketten gewährleistet und die Basis für eine moralisch vertretbare Meinungsbildung geschaffen.

Wann und wie der reflektive Verstand aktiv wird, hängt mit mehreren Persönlichkeitsmerkmalen zusammen, etwa ob jemand dogmatisch, flexibel, aufgeschlossen oder gewissenhaft ist und ob er mit Mehrdeutigkeiten umgehen kann.

Die erworbenen Fähigkeiten und Wissensbestände verschaffen einen notwendigen interdisziplinären Überblick und die damit verknüpfte Intelligenz sorgt weiterhin dafür, den emotionalen Abstand zum Widerpart zu wahren.

Dadurch kann man die situativen Gegebenheiten im notwendigen Kontext realistisch einschätzen und man wird in die Lage versetzt, eine entsprechend fundierte Bewertung abzugeben, welche eine vernunftbezogene, konsenstaugliche Diskussionsgrundlage bildet.  

So ist man fähig, die Schritte in die Wege zu leiten, die eine zweckdienliche Zielführung ermöglichen, gleichzeitig das inhaltsleere schwabulieren der irrgeleiteten Gesinnungstäter enttarnt und ad absurdum führt.

Trotzdem kann es sein, dass man trotz hinreichender Intelligenz, nicht in der Lage ist rational zu handeln und der kanadische Professor für angewandte Psychologe, Keith Stanovich hat für diese Unfähigkeit den Begriff “Dysrationalität“ kreiert.

Er ist davon überzeugt ist, dass Intelligenz allein kein Garant für sachbezogenes Verhalten ist, was im Umkehrschluss bedeutet, dass man ein rationaler Denker sein kann, ohne über eine besondere Intelligenz zu verfügen.

Deshalb sollte reflektive Intelligenz zu einer praktischen Auffassungsgabe führen, die mit einer gewissen kognitiven Flexibilität einher gehen, welche das Denken, Verstehen oder Wissen kombiniert und entsprechend berücksichtigt.

Die kognitive Flexibilität ist die Fähigkeit des Gehirns, das Verhalten und Gedanken an neue, sich verändernde oder unerwartete Ereignisse anzupassen. Sie beschreibt die Fähigkeit, zu erkennen, dass eine Handlungsstrategie nicht funktioniert und kann entsprechende Veränderungen vornehmen, um sich an die Situation anzugleichen.

Eine gut ausgebildete kognitive Flexibilität baut sich aus dem Arbeitsgedächtnis auf und ermöglicht es, sich auf neue Anforderungen schnell einstellen zu können.

Diese geistige Flexibilität ist die Fähigkeit, unvoreingenommen zu bleiben und den Ideen und Anmerkungen anderer zuzuhören, auch wenn sie verwirrend und anfänglich erschreckend sein sollten und/oder nicht der eigenen Denkweise entsprechen. Es tut immer gut, mentale Elastizität zu üben und sich über die Dinge, die man bereits weiss, hinweg zu beugen.

Dazu gehört positives Denken und auf die bedeutungsmässige Vernunft zu vertrauen. Das heisst die Sprache zu nutzen, um klar strukturiertes Denken, frei von allen nicht hinreichend fundierten Behauptungen und Einflüssen, zu unterstützen.

Es ist wichtig, sich dabei nicht auf die Zuverlässigkeit der Zeit und auf ein falsches Erinnerungsvermögen zu verlassen und deshalb sollte man alle wichtigen Überlegungen und Vereinbarungen schriftlich festhalten, damit man sich im Bedarfsfall darauf zurückgreifen kann.

Plausibilität und logisches Denken

Die Debatten um den Klimawandel, die Pandemie, die Energiekrise und den Krieg haben unter anderen dazu geführt, dass wir in den Medien mit Informationen unterschiedlichster Qualität überflutet werden, die unser Bewusstsein und die Aufmerksamkeit überfordern und nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit zulässt.

Dies alles wird durch das Internet, welches durch die Entwicklung der interaktiven Dimensionen im „World-Wide-Web“, zu einem einfachen und fast jedermann zugänglichen Massenmedium geworden ist, das sich in einer Art und Weise ausgeweitet, die erschreckende Züge angenommen hat.  

Die exorbitant angestiegenen Informationsmengen und deren Vielfalt bewirken einen erhöhten Selektionsdruck beim Empfänger, für den es unmöglich ist, gegenüber den Inhalten der Informationen neutral und unvoreingenommen zu reagieren.

Für viele Nutzer führt das unüberschaubare Nachrichten- und Warenangebot zu Orientierungsschwierigkeiten, die eine vernünftige autoritative Selektion im digitalen Dschungel der schrillen und polarisierenden Darstellung, nur schwer möglich macht und besonders die seriösen kulturellen und politischen Kommunikationsbereiche negativ beeinträchtigt.

Das liegt insbesondere daran, dass eine Vielzahl von Websites und Newsfeeds sich darauf spezialisiert haben, Informationen und Meinungen nur aus ganz bestimmten Perspektiven zu sammeln und wiederzugeben. Durch eine solche subjektive Bündelung wird ein bestimmtes Publikum angezogen, das sich das eigene Zusammensuchen solcher Informationen spart und das auf die Begegnung mit anderen Standpunkten keinen besonderen Wert legt.

Diese Attitüden führen zwangsläufig zu einer Meinungsbildung der Gegensätzlichkeit und gehen mit einer Verschärfung der Polarisierung im politischen Diskurs einher, welche einen entscheidenden Einfluss auf die politische Willensbildung haben kann. In diesem Segment spielen auch die sozialen Medien eine grosse Rolle, wo kostenlose Instant-Messaging-Dienste zur Nutzung auf Smartphones, Tablets, Smartwatches und PCs, für den Austausch von Textnachrichten, Sprachnachrichten, Fotos, Videos und Dokumenten sowie Sprach- und Videotelefonie, genutzt werden können.

Dabei spielen kritisch eingestufte Dienste, wie z. B. Telegram eine unrühmliche Rolle, welche speziell von extremen politischen Randgruppen und Verschwörungstheoretikern für Propagandazwecke genutzt werden, wo sie ihre kriminellen Fantasien ausleben und zum zivilen Ungehorsam aufrufen können.

Durch intensives Posten kann so übertriebene Unterstützung für bestimmte Positionen simuliert werden und durch Manipulation können ausgewählte Hashtags (#-Schlüsselwörter) erhöhte Aufmerksamkeit erlangen.

So wird es für den Nutzer immer schwieriger seriöse Nachrichten von sogenannten Fake News (Falschmeldungen) zu unterscheiden. Dabei tragen Fake News zwei Elemente in sich, einmal die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Quellen und einmal die Frage nach Fälschungen, Lügen und Gerüchten, die über die Kommunikation im weltweiten Netz eine neue gesellschaftliche Dynamik erhält.

Für den Laien, der sich nur peripher mit Politik, Wirtschaft und Kultur auseinandersetzt, ist es fast unmöglich geworden, die Falschmeldungen auf den ersten Blick zu erkennen und geht oft diesen manipulierenden Rattenfängern auf den Leim und trägt ungewollt zu einer Verbreitung bei.  

Es gibt zwar zur Verifizierung Fake-Filter im Web, doch kann ein aufmerksamer Leser, einiges selbst für die Verifizierung tun, wenn man die Nachrichten auf ihre Plausibilität überprüft und bei Zweifeln weitergehende Recherchen anstellt.

Plausibilität ist ein Beurteilungskriterium für Aussagen, wobei eine Aussage als plausibel beurteilt wird, wenn sie einleuchtend, verständlich und begreiflich erscheint.

Plausibilität bedeutet so viel wie Schlüssigkeit oder Stimmigkeit. Eine Aussage wird dann stimmig, richtig oder glaubhaft, wenn sie logisch nachvollziehbar ist und das gemessene oder errechnete Ergebnis mit einem geschätzten Ergebnis in Einklang steht. Es geht um die Richtigkeit einer Aussage oder eines Wertes, ohne dass alle Informationen im Detail überprüft oder nachgerechnet werden.

Bei einer logischen Urteilsanalyse sollte die reine Vernunft (Verstand oder die Ratio) die praktische Vernunft (den Willen) und die Zweckhaftigkeit als Beurteilungsgrundlagen berücksichtigt werden, wobei Vernunft höher angesiedelt sein kann als der Verstand.

Als plausibel geltende Aussagen stellen stets eine potenziell mehrheitsfähige Alternative von der üblichen (offenkundigen) Auffassung dar. Setzt sich eine Auffassung als gültige Erklärung durch, wird sie evident: „Evidenz ist verstärkte Plausibilität. Sie ist gegeben, wenn auch der Ausschluss von Alternativen mit einleuchtet.“

Ein weiteres Hilfsmittel zur Glaubhaftmachung ist das logische Denken und es stellt auch ein kognitive Fähigkeit dar. Es erlaubt uns Zusammenhänge zu erschließen, Muster zu erkennen und von etwas Bekanntem auf etwas Unbekanntem zu schließen. Unter logischem Denken versteht man ein folgerichtiges und schlüssiges Denken, das zu einleuchtenden und richtigen Aussagen und Schlussfolgerungen führt, damit Probleme einfach und effizient gelöst werden können.

Das logische oder auch schlussfolgernde Denken unterteilt sich in zwei Hauptformen, und zwar der Ab- oder Herleitung oder der Herbeiführung.

Bei der Ab- oder Herleitung steht eine logische Regel im Vordergrund, mit einer bereits bestehenden logischen Gültigkeit von etwas Gegebenem und einer oder mehrerer Bedingungen, damit eine zwingende Schlussfolgerung auf die logische Konsequenz gezogen werden kann. Sie liegt dann vor, wenn Gültigkeiten auch gültig bleiben: Was einmal bewiesen wurde, bleibt in einer monotonen Logik immer gültig, auch dann, wenn man zu einem späteren Zeitpunkt über neue Informationen verfügt.

Bei der Herbeiführung, der verallgemeinernden Denkweise, wird anhand mehrerer Beobachtungen und Bedingungen auf eine allgemeine Regel geschlossen. Damit können zwar neue Erkenntnisse und neues Wissen gewonnen werden, jedoch ist das Ergebnis nicht immer sicher.

Die Herbeiführung bezieht sich auf vorläufige Schlussfolgerungen, die zu einem späteren Zeitpunkt revidiert werden können und müssen z. B. weil neue Informationen und Erkenntnisse hinzukommen, die Sache in ein neues Licht stellen und sich ggf. ein Widerspruch ergibt.

Sehr hilfreich kann auch sein, wenn man gedanklich in der Lage ist, ein Ereignis oder Handlungsziels durch vorstellungsmässige Vorwegnahme zu erwarten, was die Annahme zulässt, dass ein Geschehnis eintritt, was  in der Psychologie und Soziologie als Antizipation bezeichnet wird.

Gedankliche Antizipation ist auch ein Prozess der Kognition und spielt bei der Entscheidungsfindung und Handlung von zu erwartenden Situationen eine wesentliche Rolle.

Sie dient in erste Linie dazu, einen handlungsbedingten Schaden zu vermeiden, indem man alles so in die Wege leitet, dass durch die beabsichtigte Aktion kein wesentlicher Fehler generiert wird.

Plausibilität, logisches Denken und Antizipation sind in der Regel keine in die Wiege gelegten Grundtugenden und man kann diese durch Training ohne weiteres erlangen, wenn man Willens ist reale und fiktive Planspiele durchzuführen, die Möglichkeiten einer Lösung mehrdimensional durchzudenken und die Resultate entsprechend gegeneinander abzuwägen.

Das soll aber nicht heissen, dass man dadurch immer zu richtigen Ergebnissen kommen wird und es wird auch viele Themen geben, bei denen man keine schlüssige Antwort findet, man nein sagen und sich fremder Hilfe bedienen muss. Wichtig ist zu wissen, wo man das findet, was man schlussendlich wirklich wissen muss und man willig ist, sich möglichst viel Erfahrung und Wissen anzueignen.

Fazit zum Verstehen, Verständnis und Verstand

Viele Menschen gehen davon aus, dass Verstehen und Verständnis das gleiche ist und wenn man sich aber näher mit dieser Ansichtsweise beschäftigt, wird man merken, dass oft der Verstand ein Hindernis darstellt und sich weigert eine andere Denkart in ihrer Endgültigkeit zu akzeptieren und Verständnis dafür aufzubringen.

Aussagen wie, „Kannst du mich nicht verstehen?“ oder „Warum hast du dafür kein Verständnis?“ hören wir öfters und merken, das Jemanden zu verstehen nicht automatisch bedeutet, dass ich sein Verhalten oder seine Meinung gut finden muss und obligatorisch Verständnis dafür aufbringe.

Rein sachlich gesehen, ist Verstehen das inhaltliche Begreifen von Sachverhalten durch Beobachtung und kommunikativer Kenntnisnahme sowie mentaler Erfassung eines Kontextes, in dem der Sachverhalt steht.

Nur wenn ich weiss, wie mein Gegenüber wirklich denkt und tickt, was er wirklich will und wie er es kommuniziert, kann ich versuchen ihn zu verstehen und entscheiden, ob ich das gewünschte Verständnis aufbringen kann.

Dies entscheidet über die Realität des Einzelnen, da einerseits das Gehirn unbewusst Eindrücke als Irrelevant wegfiltert und andererseits Botschaften kognitiv mit vorhandenen, eigenen „Wirklichkeiten“ vermischt. Verstehen verändert damit die Realität und führt zur Konstruktion oder Erweiterung der eigenen Wirklichkeit.

Wer versteht, kann in seinem Wirklichkeitsempfinden folglich mit den Dingen einverstanden oder nicht einverstanden sein und hat damit eine, wofür auch immer benötigte, Entscheidungsgrundlage. Nur was mit dem eigenen Verstand korreliert, kann als akzeptabel angesehen werden, auch wenn keine vollständige Übereinstimmung vorhanden sein sollte.

Wenn man bereit ist, alle Argumente des Gegenüber offen und unvoreingenommen zu bewerten, kann man Zustimmung oder Ablehnung generieren bzw. eine Kompromissbereitschaft zeigen. Dabei kann es auch durchaus passieren, dass man versteht, dass der Diskutant zu Recht eine andere Meinung hat und man eine irrige Auffassung vertritt.

Man muss akzeptieren können, dass für den Anderen Aspekte wichtig sind, die für einem selbst keine besonderen Stellenwert haben und muss im Gegensatz respektieren, dass der Gegenpart für mich wichtige Dinge als relativ belanglos ansieht.   

Wenn man diese wechselseitige Bereitschaft aufbringt, kann man Missverständnisse und das Entstehen von zwischenmenschlichen Konflikten weitgehend ausschliessen und Gefühle wie Zorn und Verachtung vermeiden.

So gesehen, werden dann Äusserungen wie „Wenn du kein Verständnis dafür hast, bist du zu dumm, es zu verstehen“ entbehrlich und man beweist, dass man den Verstand benutzt hat um einen Konsens zu finden, oder eine Ablehnung zu begründen.

Die Begriffe von Verstehen, Verständnis und innerem Einverständnis bauen in der Regel aufeinander auf und sie folgen sequenziell.   

Wenn ich all das hier gesagte weitgehend beherzige und mir die momentane politische Landschaft und ihre ideologisierten Protagonisten vor Augen führe, muss ich erkennen, dass meine ureigenste Wahrnehmung eine Realität schafft, welche mir ein Verstehen und ein inneres Verständnis, für die beabsichtigten und bereits getroffenen Massnahmen zur Krisenbewältigung des inhomogenen Staatsapparates, nahezu unmöglich macht.

Parteipolitik geht vor Verstand und fachlicher Qualifikation, wo einer der Quote und dem Proporz geschuldete Koalitionsklüngelei die notwendige Eignung der verantwortlichen Akteure ignoriert und in den Führungsriegen der Parteien nur das Kontingent der Studienabbrecher eine verlässliche Konstante mit steigernder Tendenz darstellt und die Kraft des gebrochenen Wortes zu einem Volkssport geworden ist. 

Es wird viel geredet, weil angeblich die offene und vielfältige Sprache in der Politik das eigentliche Handeln ist, wo leider das Abwägen und die Selbstreflektion auf der Strecke bleiben, wenn auch unser Wirtschaftsminister Habeck dies in seinen belletristischen Verlautbarungen, vom „Wer wir sein könnten“ nicht so sieht. Er präferiert eine normative Festlegung, die mehr einer märchenhaften Fiktion nahe kommt als der gelebten Wirklichkeit.

Für ihn sind die Elemente der sprachlichen Offenheit, dass man den Gegenüber, also den Bürger, sieht und ernst nimmt, auf seine Gegenargumente ohne Denkverbote eingeht, Fragen nicht gleich mit Antworten zudröhnt, wo anscheinend sein schnippischer Chef besonders gut zugehört hat, auf Widersprüche eingeht, auf Phrasen verzichtet und eigene Zweifel und Ängste thematisiert, das Credo und Teil seiner idealisierten Glaubensphilosophie.

Wenn das alles tatsächlich so wäre, hätte ich sicherlich keine Schwierigkeiten mit dem mehr Verstehen, könnte mehr Verständnis für die Politik aufbringen und mein Verstand würde nicht permanent vom Zweifel durchdrungen sein und dauerrebellieren.

Leider verschwimmen bei seiner Kommunikation und der seiner Kollegen zusehends die Grenzen zwischen der vorgegebenen Verbindlichkeit und des realen Handelns und es wird mehr von Dingen gesprochen, die wir nicht haben, wobei gleichzeitig alternativlos abgelehnt wird, über Änderungen und Verbesserungen nachzudenken und zu reden, die uns wahrhaftig weiterhelfen würden.

Was der bedürftige Bürger braucht, sind akut wirkende und dringend notwendige Entlastungen und Erleichterungen, die nicht nur eine Alibifunktion erfüllen, zusätzlich noch den Bürokratismus fördern und zu landesweiten Frustrationen führen.

Wer im politischen Glashaus sitzt, sollte auf permanente Schuldzuweisungen und mit dem Finger auf andere zeigen, verzichten, weil dem schuldhaften Tun der Vorgänger, ein schuldhaftes Unterlassen und Vermeiden der Opposition gegenübersteht und viele der reklamierten „falschen“ Entscheidungen opportunistisch klaglos akzeptiert wurden und man sich davon wahltaktische Vorteile versprach, was ja auch funktioniert hat.

Auch wenn wir unsere Republik noch in einem vermeintlich komfortablen Zustand sehen, ist es an der höchsten Zeit, dass die politisch Verantwortlichen sich von den unerfüllbaren Öko-Schwärmereien verabschieden und die ökonomisch machbaren Projekte mit Nachdruck in Angriff nehmen. 

Wie repräsentative Befragungen zeigten, sehen die Bürger in den folgenden Bereichen den grössten Handlungsbedarf und fordern entsprechend effiziente Massnahmen. Dabei handelt es sich der Dringlichkeit nach um die Bekämpfung der Inflation, Begrenzung des Anstiegs der Energiepreise, Sicherung der Rente, Beschaffung von bezahlbaren Wohnraum, Bekämpfung des Pflegenotstands, Bekämpfung des Klimawandels, Bekämpfung der Corona-Pandemie, finanzielle Stärkung der Bundeswehr, militärische Unterstützung der Ukraine und last but not least Einhaltung der Schuldenbremse.

Alles Problemfelder, die einen extrem hohen Finanzierungsbedarf haben und trotzdem sieht man die Einhaltung der Schuldenbremse als nicht besonders wichtig an, zeigt ein gewisses Verständnis für die „Giesskannen-Bazooka“ und hat anscheinend wenige Skrupel den nachwachsenden Generationen einen Schuldenberg aufzubürden, der durch die kommende Zinserhöhung der EZB noch weiter immens ansteigen wird.

Wer ständig versucht, die eigentlichen planwirtschaftlichen Interessen und öko-sozialen Strukturzusammenhänge zu tarnen, um gegenüber dem Bürger einen Herrschaftsanspruch zu legitimieren, wird auf Dauer die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern und diese selbstherrliche Identitätspolitik wird der Sargnagel der klassischen Volksherrschaft und der Souveränität der Bürger sein.

Es ist daher nur eine Frage der Zeit, dass die geopolitische Schwerkraft die ideologischen Überflieger erfasst, sie auf den Boden der unbequemen Tatsachen herunterholt und sie sich von der Vision, dass am Ende des Regenbogens ein Schatz auf uns wartet, der die Brücke zu einer anderen besseren Welt verkörpert, verabschieden und diese feuchten Öko-Träume in der Science-Fiktion-Schublade einmotten.

Vielleicht wäre es auch sinnvoll ein Institut für Ideologiefolgenforschung ins Leben zu rufen, welches sich unabhängig von Politik und NGOs mit dem möglichen Schädigungspotenzial beschäftigt, das durch eine Politik, die in einem weltanschaulichen Ideengebäude der Kollektivität, jenseits von Klasse und Schicht, den Individualismus auf Dauer abschaffen will und ein trügerisches Gemeinwohl-Paradies, welches an der Armutsgrenze angesiedelt sein wird, anpreist und mit falschen Prioritäten krampfhaft versucht, ihre Scheinwelt aufrechtzuerhalten.  

Ideologie verhindert Verständnis

Um allen Missverständnissen beim Begriff und der Definition der Ideologie vorzubeugen, für die es keine angemessene, allgemein zutreffende Abgrenzung gibt und die im politischen Alltagsgebrauch aufgrund ihrer grossen Spannbreite eine fast schon inflationäre Anwendung erfährt, habe ich präzisiert, was meiner Auffassung nach die Eckpunkte dieser öko-sozialen Links-Dogmatik darstellen.

So sind für mich folgenden Indikatoren für die negative Beurteilung der momentanen “ampelanischen“ Gesinnungshaltung ausschlaggebend:

Die Propagierung ihrer universalisierenden Werte und Überzeugungen als selbstverständlich anzusehen und selbst nicht danach zu leben

• Die Verunglimpfung von konkurrierenden Meinungen und Überzeugungen

• Der ultimative Ausschluss von gegensätzlichen Denkansätzen bzw. deren Indizierung und Verbot

• Die Verschleierung der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit, um von der eigenen, in die Irre führende, Befangenheit und Unfähigkeit abzulenken            

Die Globalisierung der kapitalistischen Wirtschaft und ihrer Auswüchse als Teufelswerk anzusehen ist eine Sache, doch unsere Zivilgesellschaft in ein, durch Gleichmachung und Umverteilung verstümmeltes, Konstrukt der Kollektivarmut zu transformieren, bedeutet für mich ein Verbrechen am Individuum und erinnert an vergangene dunkle Zeiten in unseren Jungbundesländern.

Vorwärts wir gehen digitalisiert zurück, ist für mich eine Horror-Vision, weil so die Verunsicherung der von Erwerbsarbeit abhängigen Menschen hinsichtlich einer rationalen Lebensplanung, bei drohender Arbeitslosigkeit und fortschreitender Deklassierung zunimmt und die Beschneidung der sozialstaatlichen Absicherung zu einer gemeinschaftlichen Risikosituation führt, die für den sozialen Frieden Gift sein würde.

Wenn ich zusätzlich sehe, wie die von der Regierung versprochenen digitalen Fortschritte krachend gescheitert sind und unser Kanzler aus dem Röhrenfernseher-Zeitalter die Koordinierung der Digitalpolitik betreibt, dann wird es noch lange dauern, bis wenigstens die Mindestanforderungen der notwendigen digitalen Realität verwirklicht sind.   

Wie bemerkte bereits Hegel, dass Verschiebungen im ideologischen Bewusstsein vom kritisch-rationalen zum mythischen, sprich märchenhaft-vagen Denken, eine Rückentwicklung bewirkt und dies besonders dann, wenn die historischen Errungenschaften des vernunftgeleiteten Denkens ausser Acht gelassen werden.

Die komplexen Bestimmungen der angestrebten ökologischen Totalität werden, ohne ausreichender Berücksichtigung einer kapitalistischen Dynamik, niemals ein Rationalitätskonzept erreichen, bei welchem die Maximierung des Nutzens und die Minimierung der Kosten als optimale Grundlage dient.    

Bei Nichtberücksichtigung, können ohne weiteres willkürhaft Zusammenhänge zwischen verschiedenen abhängigen und unabhängigen Variablen konstruiert werden und es ist möglich Korrelationen und computeranimierte Prognosen über jedes beliebige Kriterium aufzustellen.

Es können dabei sogar wissenschaftliche Thesen begründet oder auch missbraucht werden, vor allem wenn man umgekehrte Rückschlüsse zieht und ein stark regulierender und einseitig eingreifender Staat die absolute Herrschaftshoheit innehat.

Das permanente Propagieren von düsteren Weltuntergangsszenarien und schrankenlose Forderungen nach einer konsumfeindlichen, anti-industriellen Wirtschaftskultur des Verzichts, frei von Hedonismus, wird zum Zusammenbruch der Konsumgüterindustrie führen und subversive Einstellungen in der Zivilgesellschaft erzeugen, welche die Legitimation des Staates in Frage stellen.  

Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass nach Ende des ersten Kalten Krieges noch nie so viel Ideologie im politischen Spiel zu verzeichnen war, die Einfluss auf unsere alltägliche Lebensführung nimmt und dabei für jeden etwas anbieten will.

Das Geschäftsmodell Weltuntergang funktioniert in allen Facetten des politischen und wirtschaftlichen Lebens in ungeahnt erfolgreicher Art und Weise und hat Hochkonjunktur. Die daraus entstehende Orientierungslosigkeit wird einen Verlust des bisher erreichten  Zivilisationsniveaus auslösen und die Voraussetzungen für ökonomische Prosperität und Bewahrung der inneren und äusseren Sicherheit signifikant verschlechtern.  

Wegen ihres neudeutschen Irrationalismus wird die Ampel-Koalition bald keine verwertbaren Gesinnungs-Rest-Räume mehr haben, um die Leib- und Dateneigenen der Gesellschaft bei Laune halten zu können, weil die bisherigen Taschengeldzuweisungen und Schein-Belohnungen sich als Mogelpackungen der Schwätzer mit Befehlsgewalt herausgestellt haben.

Wenn es nicht schnellsten gelingt ein Umdenken in Gang zu setzen, um eine  vernunftbezogene Energiewende zu realisieren, wird dies zu einem ziemlich katastrophalen Energieende führen, was unser Dasein auf Jahre hinaus negativ beeinflussen wird und der Begriff „lebenswert“ zum Unwort des künftigen Jahrzehnts werden lässt.

Das grosse Bibbern und Zähneklappern wird schneller Wirklichkeit werden, wie es sich die Mehrheit der antipolitischen Bürgerschaft, die all das von der Obrigkeit Vorgesetzte fast klaglos hinnimmt, vorstellen kann.

Aufgrund der genannten Befindlichkeiten sollte die gesinnungstechnische Verblendung als allgemeine Bewusstseinsauffassung möglichst schnell eine Ende finden und keine Utopie sein. Es muss verhindert werden, dass die Individualisierung abgeschafft wird, doch sollte in der Menükarte des täglichen Konsum das Überangebot selektiv gestrafft und qualitativ verbessert werden, sodass weniger von allem Billigen auch mehr bedeuten kann.

Es muss klar aufgezeigt werden, dass eine nachhaltige, allgemein zufriedenstellende Lebensführung nicht nur durch einseitigen Verzicht und staatliche Verbote erreicht werden kann und es nicht notwendig ist, das gesellschaftliche Leben komplett umzukrempeln, wie das die selbsternannten Retter der Welt permanent herumposaunen.

Wirksame Veränderungen zu erzielen, die ausserhalb der persönlichen Komfortzone liegen, fällt in der Regel jedem irgendwie schwer, doch wir müssen trotzdem rasch lernen, ein dem Lebens- und Gestaltungsraum angepasstes Konsumverhalten zu praktizieren.

Dabei spielt der sinnvolle Umgang mit den noch zu Verfügung stehen Ressourcen die Hauptrolle sowie die Bereitschaft eine Kreislaufwirtschaft zu akzeptieren, die dem momentanen Raubbau, auch von wichtigen Rohstoffen, entgegenwirkt.    

Wir müssen uns allerdings auch darüber im Klaren werden, dass alle wesentlichen Technologien und Materialien, die für den beschleunigten Ausbau der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz benötigt werden, die (Über)Lebensgrundlagen unseres Planeten fast unwiederbringlich schmälern und deren überproportionale Ausbeutung zukünftig nicht nur einige Dilemmata, sondern „Mulitlemmata“ mit sich bringen wird.

So gesehen betreiben wir eine fortwährende, aktive Sterbehilfe und sägen uns sinnbildlich gesehen, den Ast ab, auf dem unsere Nachfolgegenerationen eigentlich sitzen wollten.

Wir haben keine Chance und müssen unsere palliative Therapie entsprechend anpassen, um Symptome oder sonstige nachhaltige Folgen zu lindern oder hinauszuzögern.

Wenn wir allerdings anstreben sollten, mit dem höchsten technischen Standard aller Zeiten, in die ewigen Jagdgründe eingehen zu wollen, haben wir die besten Chancen dazu und jeder einzelne ist mit schuld daran.

Die Hoffnung, dass uns die Algorithmen der künstlichen Intelligenz Lösungen und technische Abhilfemassnahmen bieten werden, welche die Menschheit rettet und den Weltuntergang verhindert, sind zu optimistischer und eigentlich auch fahrlässiger Natur.

Das „Werkzeug KI“ kann und muss man durchaus für den Schutz von Umwelt und Klima einsetzen, doch es als die „Universalwaffe“ anzusehen, erscheint mir als spekulative Fiktion noch viel zu utopisch zu sein, trotz aller Prognosen für ein Quanten-Computing, welches Problemlösungen bieten soll, die nach dem derzeitigen Stand der Technologie als unlösbar gelten.

Am Schluss wird Paragraf drei des Köllschen Grundgesetzes, „et kütt wie et kütt“, was bedeutet, man muss den Tatsachen ins Auge blicken, sich dem Unabwendbaren fügen, ohne dabei wirklich etwas am Lauf der Dinge ändern zu können, sich als eine unwiderlegbare Lebensweisheit darstellen, die weit über den rheinischen Lebensraum hinaus Gültigkeit haben wird.

„Du musst nicht alles verstehen, was du nicht begreifst, aber alles begreifen, was du verstehen kannst“

Monika Kühn-Görg

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