Teilen, ohne zu leiden? – „Sharing Economy“ nutzen ohne Eigentum
„Sharing Economy“ wird zunehmend in den Medien propagiert und viele Bürger wissen nicht genau was dieser Begriff bedeutet und was man damit anfangen soll.

Laut einem Gutachten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie werden in einer „Sharing Economy“ durch digitale Vermittlungsplattformen Güter, Flächen oder Dienstleistungen zur temporären alleinigen oder gemeinsamen Nutzung vermittelt. Bei manchen Plattformen stellt der Betreiber eigene Güter oder Dienstleistungen bereit, während viele Plattformen fremde Güter oder Dienstleistungen vermitteln. Die Güter und Dienstleistungen können sowohl von Unternehmen als auch von privaten Verbrauchern zum Gemeinschaftskonsum angeboten und nachgefragt werden.
Die Sharing Economy kann ursprünglich, neben der ursprünglichen Definition, auch in Bezug auf Teilen von Wissen und Informationen Anwendung finden.
Mit elektronischen Plattformen und sozialen Netzwerken erreicht man einen grossen Interessentenkreis, kann kurzfristig agieren und reagieren und eine optimale Nutzung und Auslastung erzielen.
Die digitalen Plattformen betreiben einen zweiseitigen Markt: Sie vermitteln zwischen Produzenten und Konsumenten, die sich davor nicht kennen müssen und nur über die Plattform miteinander in Kontakt treten. Sie suchen Gewinnmöglichkeiten in dem sie freie Kapazitäten von Gütern und Dienstleistungen anbieten, um diese effizient zu nutzen. Dafür müssen sie passende Partner für eine Transaktion finden und miteinander in Kontakt bringen. Um mögliche Unsicherheiten bezüglich der Vertragspartner zu überwinden, setzen die Plattformen Reputations- und Bewertungssysteme ein.
Der Ökonomie des Teilens entsprechend, will man als Nachfrager nichts zum Eigentum machen, sondern vorübergehend benutzen, bewohnen oder bewirtschaften. Vorrausetzung sollte beim Anbieter sein, dass er sein Eigentum zur Verfügung stellt. Die Güter wechseln den Besitzer, solange sie brauch- bzw. verfügbar sind. Die Instandsetzung ist i.d.R. Sache des Eigentümers.
Ihre Tätigkeiten bedrohen zunehmend etablierte Unternehmen, die dadurch mit zum Teil eklatanten Umsatzeinbussen zu kämpfen haben. Die Vermittlung von Fahrdienstleistungen (Uber) über eine App zwischen professionellen oder privaten Fahrern steht in Deutschland erst am Anfang, ist aber in vielen anderen Ländern bereits Standard und funktioniert einfach und sicher, sehr zum Leidwesen der Taxiunternehmen. Die Autovermietung zwischen Privatpersonen und/oder unter kommunaler Beteiligung wird vielerorts umgesetzt. Man muss nur für die eigentliche Zeit der Nutzung zahlen und danach wird das Auto wieder anderen überlassen, was die traditionellen Autovermietungsunternehmen mit Sorgen betrachtet, ebenso wie Automobilindustrie, da viele Leute immer weniger Wert darauf legen ein Auto zu kaufen.
Es sind auch Bestrebungen im Gange, dass Autofahrer nicht mehr Eigentümer eines Autos sind, sondern Zugang zu einem Mobilitätssystem haben, in dem man als Abonnent, ein E-Auto erhält und in Zukunft sogar in Kombination das Bahnnetz nutzen kann.
Das Hotelgewerbe ist ebenfalls betroffen, da einige Plattformen es Privatpersonen ermöglichen, ihre Wohnungen für kurzfristige Aufenthalte an andere Konsumenten zu vermitteln. Privatpersonen, die an einem Zusatzeinkommen interessiert sind, stellen ihre Arbeitskraft in einem zeitlich begrenzten Umfang über spezielle Plattformen zur Verfügung.
Die Vermittlung von privat genutzten Computern, die nicht ausgelastet und die Rechenleistungen einer anderen Person zur Verfügung stellen können, die Rechenkapazitäten benötigen befindet sich ebenfalls im Vormarsch.
Mit diesen diversifizierten Aktivitäten werden neuartige Geschäftsmodelle geschaffen oder auch bestehende ergänzt oder ersetzt.
Von manchen Wirtschaftsexperten wird das Potential der Sharing Economy als sehr gross bezeichnet und als Alternative zur Marktwirtschaft angesehen, wobei es zumindest heute noch keine empirischen Anzeichen dafür gibt. Sie wird der sog. Plattformkapitalismus Teile der Wirtschaft verändern, doch wollen auch die teilenden und vermittelnden Akteure Geld verdienen und machen dies nicht aus altruistischen Gründen. Diese Veränderung hat aber sicherlich Einfluss auf die Teilhaberschaft an Ressourcen, auf das Wachstum, die Organisation des Marktes und die Rolle des Konsumenten.
Das bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass der Ressourcenverbrauch und -bedarf zurückgeht. Es wird dazu führen, dass insgesamt weniger Ressourcen für eine bestimmte Nachfrage benötigt werden, jedoch kann die Sharing Economy auch anderweitig Angebot und Nachfrage beeinflussen.
Auf der Nachfragseite können Konsumentengruppen Güter auf dem Markt nutzen, auf die sie bisher keinen Zugang hatten. Für Leute, für die es bisher unerschwinglich war, ein Auto zu besitzen, können über das Car-Sharing zu moderaten Kosten Fahrdienstleistungen in Anspruch nehmen.
Andererseits können auf digitalen Vermittlungsplattformen Konsumenten nicht nur Produkte oder Dienstleistungen nachfragen, sondern können, in einem Umfang, den sie selbst bestimmen, auch selbst anbieten. Die technische Entwicklung ermöglicht es den Plattformen, diese Grenze so weit abzusenken, dass die Rollen zwischen Anbieter und Konsument verschwimmen.
Kollaborative Praktiken des Teilens und Tauschens und des Organisieren in Netzwerken sind so alt wie die Menschheit selbst, wesentlich älter als der Kapitalismus. Doch zu Beginn dieses Jahrhunderts konnten diese, dank neuer Technologien viel grössere Reichweiten erlangen, die vorher unvorstellbar gewesen wären. Die Digitalisierung und Systematisierung von immensen Datenmengen, die Ausweitung der Smartphones, die Geolokalisierung, die sozialen Netzwerke und die Möglichkeiten der sofortigen Nachrichtenübermittlung, verbesserten das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage aller Arten von Gütern und Dienstleistungen mithilfe von digitalen Plattformen.
Während der Finanzkrise im Jahr 2008 in den USA und in Europa, wurde zwangsläufig die Idee einer maximalen Ressourcen- und Spareffizienz wiederentdeckt, die auf Nachhaltigkeit und guten menschlichen Beziehungen basierte. In Zeiten, wo es den Staaten und Menschen schlechter ging, war die Neigung zum Teilen stärker ausgeprägt und Tausch- und Teilkreise haben enormen Aufschwung erhalten.
Dabei hat sich die Sharing Economy so diversifiziert, dass man kaum noch von einer einzigen Bewegung sprechen kann und man benutzt deshalb Economy als Economies im Plural, um die grundsätzliche Denkweise der Vielfalt zum Ausdruck zu bringen. Dabei geht es im Wesentlichen um die Rezirkulierung von Gütern, intensivere Nutzung von langlebigen Gebrauchsgütern, dem Austausch von Diensten und dem Teilen von Besitz.
Ein Nachteil ist, dass durch die virtuellen und zunehmend internationaler werdende Dimensionen der Plattformen deren Transparenz erschwert wird, was die tatsächlichen Wirkmechanismen und den Verbleib der Gewinne aus den Transaktionen anbelangt.
Die Historikerin Luise Tremmel von der Stiftung Zukunftsfähigkeit, stellt allerdings zunehmend fest, dass einige Plattformen nicht wirklich teilen, sondern ihre Wohnungen und Automobile kapitalisieren, damit Leute, die ohnehin schon gute Zugangschancen zu Gütern haben, diese mieten können. Die Bemerkung, dass der heilige Sankt Martin geteilt hat und er auch nicht seinen Mantel, als er ihn nicht brauchte, stundenweise vermietet hat, fügte sie noch als Schmunzelbeitrag hinzu.
Der amerikanische Vorzeigesoziologe Jeremy Rifkin, der auch die EU-Kommission berät, ist überzeugt, dass die neue Ökonomie des Tauschens und Teilens ihren Siegeszug über das bisherige Wirtschaftssystem antreten und sogar zum Niedergang des Kapitalismus führen wird. Er ist der Meinung, dass wir in einer neuen, „sozialeren Weltgemeinschaft“ leben werden, in der wir Dinge gemeinsam besitzen, statt von grossen Profiten zu träumen.
Er räumt aber gleichzeitig auch ein, dass die dritte industrielle Revolution der Digitalisierung zwar das Potenzial hat, um uns in ein demokratischeres und nachhaltigeres Zeitalter zu führen, doch eine Garantie, dass es funktionieren wird, gibt es nicht. Es wird sehr viele politische Auseinandersetzungen geben, die Fragen des Datenschutzes werden eine besondere Bewandtnis haben, wenn alle und alles miteinander vernetzt ist.
Die Bedrohungen durch das DarkNet und der Cyberkriminalität sowie durch terroristische Aktivitäten werden uns dabei ständig begleiten und eine enorme Gefahr darstellen. Kriminelle Hacker Elemente werden in der Lage sein, ganze Wirtschaftszweige in kurzer Zeit lahmzulegen, um die betroffenen Einrichtungen erpressen zu können oder sie von Netzaktivitäten fernzuhalten. Wohl kann es einem bei diesen Worst-Case-Szenarien wahrlich nicht sein.
Deshalb ist die Eigenverantwortung der Anbieter und Nutzer gefragt und man muss wach bleiben und prüfen, welche Angebote wir nutzen. Wenn multinationale Konzerne und Monopolisten, wie z.B. die Online-Mitfahrerzentrale und der Busbetreiber BlaBlaCar, Zensuren bei Profilangaben und bei Nachrichten durchführen, kann dies nicht in unserem Sinn sein. Mit ihrem Gebührenmodell setzen sie zig-Millionen um, sie verstossen damit gegen die ursprüngliche Idee der Sharing Economy Mitfahrplattformen und beuten die Telefonnutzer im eigentlichen Sinne aus.
Somit wird auf vielen Plattformen nicht geteilt, sondern vermietet und dies zur Erzielung von Gewinnen. Wer darin eine Revolution sieht, ist meiner Meinung nach falsch gepolt, sondern es werden nur neue Marktfelder geschaffen, die sich aus der zunehmenden Digitalisierung und der damit verbundenen Vernetzung ergeben.
Die Sharing Economy wird in Zukunft nicht nur Geschäftsmodelle betreffen, sondern es wird auch, bedingt durch die Massnahmen-Initiativen zum Klimawandel, Einfluss auf bestimmte Lebensstile der „kleinen Leute“, die vorwiegend über einen geringeren Eigentumswohlstand verfügen, genommen. Die Wiederverwendung und das Teilen von Gegenständen des täglichen Gebrauchs, wie Kleidung, Werkzeug, Bücher, Schmuck etc. etc., und die Nachbarschaftshilfe steht hier im Fokus, wo das soziale Zwischenmenschliche zu einer wertvollen Erfahrung gemacht werden soll.
In Kommunen und Städten bilden sich Initiativen, die Grünanlagen anlegen, anstatt den knappen Raum mit Autostellplätzen zu vergeuden. Sie verpflichten sich zum Car-Sharing, um die Umwelt zu schonen. In manchen, auch sehr grossen Städten haben Bewohner Strassen weiter bepflanzt, haben Sitzplätze angelegt und veranstalten regelmässig Strassenfeste oder bauen Begegnungsstätten. Somit teilen sie nicht nur den Wohnort, sondern auch ihre Freizeit.
Auf der Webseite www.netzwerk-nachbarschaft.net, sind unzählige Beispiele und Ideen für Leute zu finden, die sich für nachbarschaftliche Aktionen für die Aufwertung ihres Wohnumfeldes interessieren und aktiv daran teilhaben wollen. Wer digital mehr nachbarschaftliches Engagement initiieren und mehr Kontakt zur Nachbarn und Viertelbewohnern haben will, kann sich verschiedener Apps, wie z. B. nebenan.de und WirNachbarn bedienen und sich registrieren lassen.
So kann mich sich gegenseitige Hilfe bei der Baby- und Kinderbetreuung und beim Einkaufen anbieten, Dinge schenken, die man nicht wegwerfen möchte, Hofflohmärkte und Feste organisieren oder sich einfach nur auf eine Tasse Kaffee oder einen gemeinsamen Dämmerschoppen verabreden.
Mit Blick auf die Benutzer werden nur diejenige, die Nutzer der virtuellen Welt über PC und App sind, Zugang zur Sharing Economy erhalten und davon partizipieren. Somit besteht ein Graben zwischen der analogen und der digitalisierten Welt, was eine gewisse Ungerechtigkeit mit sich bringt, die dem raschen technologischen Fortschritt geschuldet ist.
Um den Bedürfnissen der ungeübten und nicht vernetzten Interessenten gerecht zu werden, sind auch Offline-Nachbarschaftsinitiativen möglich. Dabei kann man Aufkleber an Haustüren platzieren oder Flugzettel verteilen, wo man Hilfe anbietet, wenn Handwerkerutensilien, Aushilfe und Gerätschaften o. ä. benötigt werden sollten.
Mit diesen Initiativen wird in erster Linie beabsichtigt, dass Menschen nicht nur nebeneinander wohnen, sondern auch miteinander reden und sich gegenseitig aushelfen. An festen Tauschorten können Pakete und Sendungen abgegeben werden, falls man bei der Zustellung nicht zu Hause sein kann, Kleidung und Gebrauchsgegenstände getauscht, oder bei Bedarf nur getratscht werden.
Gemeinnützige Vereine können dafür sorgen, dass mehr Parkanlagen und Grünflächen geschaffen werden, die mit Obst- und Gemüsepflanzen bestückt und wo Stadtbewohner zugegen sind, die pflanzen, jäten, ernten und geniessen können, weil sie keinen eigenen Garten haben.
Das alles hört sich wahrlich nach einer heilen Welt an, in der sozialer Reichtum geschaffen und das gute Teilen gefördert wird. Bei all dieser fast schon unwirklich erscheinenden Euphorie, muss man aber auch anführen, dass die Sharing Economy auch seine Schattenseiten hat, die vielfach wenig sozial und gerecht sind.
Im Prinzip werden durch das Tauschen von Gütern und Dienstleistungen mehr Jobs vernichtet als entstehen, was für das Handwerk und den örtlichen Einzelhandel eine ernstzunehmende Gefahr bedeutet, da überlebenswichtige Umsätze fehlen werden. Wenn das Tauschen und Dienen langfristig funktionieren soll, wird ein Umbau der Gesellschaft durch Anpassung an Rahmenbedingungen notwendig. Wenn irgendetwas geteilt wird, fällt immer direkt oder indirekt potenzielle Arbeit weg, egal ob ich Wände streiche oder mein Auto anbiete. Dem Staat entgehen wichtige Steuereinnahmen durch eigentliche Schwarzarbeit und unser Besitzwohlstand wird deutlich verringert.
Es muss auch bedacht werden, dass beim Tauschen von Dienstleistungen, auch wenn keine monetäre Gewinnerzielung erfolgt, ein paritätischer Ausgleich angestrebt werden sollte, in dem man Gegenwerte schafft und diese ohne Hilfe anderer aushandelt. „Manus manum lavat“, eine Hand wäscht die andere, bedeutet so viel, wenn du nehmen willst, so gib auch wenn man sich gegenseitige Gefälligkeiten leistet.
In der heutigen Zeit hat sich die Sharing Economy im täglichen Gebrauch zu einem Begriff entwickelt, der zu einer Abgrenzung nicht mehr tauglich ist. Alles was irgendwie über das Internet oder Apps vermittelt wird, gegen Bezahlung, ohne Bezahlung, als Kauf, Leihe oder Dienstleistung, wird unter dem Totschlag-Terminus Sharing Economy auf das Podest der besonderen Aufmerksamkeit bestellt.
Die Idee der gemeinsamen Ressourcennutzung ist so alt wie die Menschheit selbst. Geld, Gerätschaft oder Arbeitskraft einem anderen zugänglich zu machen, heisst seit jeher Nachbarschaftshilfe. Inwieweit diese durch digitale Hilfsmittel neu- oder umgestaltet werden kann, wird sich zeigen, wenn der von den Klimamoralisten angestrebte und anbahnende gesellschaftliche Wandel realisiert werden sollte und wir in einer staatlich dirigierten Planwirtschaft unser Seelenheil finden müssen.
Für Bürger, die unter Kontaktmangel leiden, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, alleinstehend und/oder eine Behinderung haben und eine Ausgrenzung in die Anonymität befürchten, werden die neuen Formen der kreativen Nachbarschaft und sozialer Nähe mit Sicherheit begrüssen und daran teilhaben wollen, falls es Angebote dazu geben sollte.
Für Menschen, wie ich, die es von Anfang an gewohnt waren, für sich selbst und die Familie zu sorgen und sich durch besonderen Fleiss einen kleinen Wohlstand erarbeitet haben, ist diese Art von wechselseitigem Umgang mit der Nachbarschaft kein erstrebenswertes Ziel. Ich bin mit meiner Lebensqualität zufrieden und habe mir mit der Familie und Freunden zusammen ein persönliches Umfeld geschaffen, das ich unter keinen Unterständen mit nachbarschaftlichen Beeinflussungen belasten will. Für mich bedeutet Eigentum Unabhängigkeit von anderen und ungehinderte, exklusive Nutzung, wann und wo ich es will.
Vor Zeitgenossen, die ein Albert Schweizer und/oder ein Mutter Teresa Gen in ihrer DNA haben und sich befugt sehen, sich ihren Nächsten, in welcher Form auch immer anzunehmen, habe ich hohen Respekt und kann ihren gesellschaftlichen Wert durchaus erkennen, ohne dabei selbst einen Grund zu sehen, es gleichzutun.
Mein soziales Gewissen hat sich im Laufe der Jahre erschöpft, da ich feststellen musste, dass meine dem Allgemeinwohl dienenden, freiwilligen Aktivitäten, was Wertschätzung und Gegenliebe anbelangte, sich meist zu einer Einbahnstrassentätigkeit entwickelte und ich keinen Sinn mehr sah, meine kostbare Zeit für diese einseitige, wenig wertschätzende Sharing Economy zu opfern.
Wer sich aber als altruistischer Sozialromantiker zu Höherem berufen fühlt, hat Betätigungsfelder ohne Ende und kann sich als Wohltäter in vielen Bereichen auszeichnen.
Der guten Ordnung halber, sollte noch erwähnt, dass Sharing Economy in Form von Nutzung von Allmenden im ländlichen Raum schon früher eine recht grosse Rolle gespielt haben und vielleicht im Zuge des gesellschaftlichen Wandels wieder mehr Bedeutung erlangen könnte. Bei einer Allmende handelt es sich um Flächen, Güter und Ressourcen, die im Besitz einer Gemeinschaft oder der Allgemeinheit stehen. Da es keinen festen Besitzer gibt, bestimmen alle gleichermassen über die Allmende, oder nur Bürger, die eine spezielle Berechtigung hatten.
Eine Allmende stand ursprünglich allen Bewohnern zur Verfügung. Später wurde die Nutzung nach Zeiten aufgeteilt oder von einem Bürgermeister organisiert. So wurde zum Beispiel der Teich abgefischt und der Ertrag später unter den Bewohnern aufgeteilt. Hier bestand allerdings die Gefahr der Überfischung und man sprach von der „Tragik der Allmende“. So mussten Fangquoten begrenzt werden, was dann aber oft an der nicht vorhandenen Disziplin der Nutzer scheiterte.
Ab dem Zeitalter der Industrialisierung musste immer mehr Wohnraum geschaffen werden. Die Allmenden wurden immer mehr bebaut und verloren an Bedeutung. Heutzutage sind die meisten ehemaligen Allmenden in Privatbesitz oder gehören den Gemeinden, wie es bei vielen Sportstätten der Fall sein kann.
Während es kaum noch klassische Allmenden gibt, lebt der Begriff weiter. Vor allem Sammlungen von Wissen wie zum Beispiel Wikipedia und Open-Source Anwendungen, wie Open Office und Linux gelten als Allmende, da sie für jedermann uneingeschränkt zugänglich sind.
Ein anderes Nutzungsmodell für Geräte und Automobile ist das Leasing, wobei es sich im zivilrechtlichen Sinn um einen Nutzungsüberlassungsvertrag handelt, bei dem das Leasingobjekt vom Leasinggeber beschafft und finanziert und dem Leasingnehmer zu einem vereinbarten Leasingentgelt zur Nutzung überlassen wird. Leasing spielt im gewerblichen Bereich eine zunehmende Rolle, wird aber bei Privatleuten weniger stark in Anspruch genommen. Leasing ist populär, weil die psychologische Hemmschwelle beim Abschluss eines Vertrages niedriger ist als bei der Stellung eines Kreditantrages bei einer Bank.
Im Prinzip kann man den neuen Trend der Sharing Economy gut finden, aber das im eigentlichen Sinn nur so lange, wie sie antikapitalistisch betrieben wird.
Die Wirtschaft des Teilens, Schenkens und Leihens wird hoch aktuell, wenn ein ökonomisch und ökologisch notwendiger Handlungszwang, der durch einen überzogenen Ressourcen- und Klimaschutz verursacht wird, Schule machen sollte. Die wirtschaftlich schlechter gestellten Bürger dürften dann keinen anderen Ausweg sehen, als sich vom Besitzstand zu verabschieden und durch Teilen Kosten vermeiden, wo im Idealfall Geld gespart werden kann.
Teile Zeit, teile Wissen, teile, was du nicht isst, teile was du nicht vermisst und teile Deine Energie, kann sich dann zu einem Lebensmotto entwickeln, das die Gemeinschaft und das Gemeinwohl stärkt und trotzdem noch eine gewisse persönliche Freiheit erlaubt.
Wenn sich die Metapher „Wir sind schlau, wir sind flexibel, wir sind bankrott“ aber zum Glaubensbekenntnis des deutschen Durchschnitts-Opportunisten entwickeln sollte, wird es bald aus sein mit der Herrlichkeit der Sharing Economy und der Ideologie der wechselseitigen Nachbarschaftshilfe, da bestehende Gefahrenlagen weiter auf andere Personen verschoben werden könnten. So würde das St. Florians-Prinzip mit „Verschon mein Haus, zünd andre an“ eine neue Bedeutung gewinnen und die gutgemeinten Bemühungen des Gesellschaftswandel-Samaritertums konterkarieren.
Das würde bedeuten, dass unser überwiegend lineares Wirtschaftssystem weiterhin Bestand haben und die Kreislaufwirtschaft nicht weiter ausgebaut werden könnte, oder dass einige der neu geplanten Geschäftsmodelle des Teilen und des Nutzens Schiffbruch erleiden werden. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass am Egoismus Vieler, bei denen Solidarität ein unbekannter Begriff oder unverständliche Fremdwort ist, mit viel Enthusiasmus ins Leben gerufene Projekte scheitern würden.
Willkommen in der Welt der chronisch Unbelehrbaren und der Wohlstandschmarotzer, deren Virus alle anderen in den Schatten stellen wird, wenn wir unseren persönlichen Besitzstand weiterhin fahrlässig zum Allgemeingut werden lassen und sich Fleiss und Arbeit nicht mehr lohnt.
So wird die Motivation der Verbraucher zur Teilnahme an kollaborativen Konsumformen geschmälert und dem geschmähten Turbo-Kapitalismus weiterhin das Lied gesungen.
Nach mir die Sintflut wird dann zum neuen Geschäftsmodell werden, welches aber niemand wirklich will, weil die Grundsätze der Energie-Intelligenz und der Wirtschafts-Intelligenz nicht Hand-in-Hand gehen und sich gegenseitig behindern.
Bevor wir die Ressourcen und das Klima schützen, scheint es angebracht zu sein, dass wir uns zuerst vor denen schützen müssen, die unsere Grundbedürfnisse mit den Füssen treten und dabei ist es egal ob es sich um verblendete Politiker oder Bürger handelt.
„Wenn Ihr Eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet Ihr Sie brauchen, um zu weinen.“
Jean Paul Sartre
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