Mismatching – Chancenkiller für Neuzeit-Bedürftigkeit?

Mismatch ein mehrdeutiger Begriff
In einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen (FAZ), der sich mit der schwierigen Situation des deutschen Wohnungsmarktes beschäftigte, wurde u. a. von einem „Mismatch im Wohnungsmarkt“ gesprochen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln hätte neue Analysen erstellt, in der ermittelt wurde, dass jeder achte Deutsche in zu grossen oder zu kleinen Wohnungen lebt.
Da dem englischen Begriff „Mismatch“ unterschiedliche Bedeutungen wie, falsche Anpassung, Diskrepanz, Nichtübereinstimmung, Missverhältnis, Ungleichgleichgewicht etc., zugeordnet werden können und ich auf den ersten Blick nicht zweifelsfrei erkennen konnte, was dies für den Wohnungsmarkt aussagt, habe ich mich entschlossen mich näher mit dieser Materie zu beschäftigen.
Dabei konnte ich eruieren, dass wenn ein „mismatching“ zwischen zwei oder mehreren Dingen oder Personen vorliegt, diese in der Regel nicht gut zusammenpassen bzw. nicht füreinander geeignet sind.
Bei Diskrepanz zwischen von den Menschen angebotenen und von dem Markt benötigten Fähigkeiten und Bedürfnissen gilt es einen sinnvollen, möglichst frühzeitigen Konsens zu erreichen, dabei althergebrachte Verhaltensmuster zu ändern und sich möglichst konsequent den fortschrittlichen Anfragen und Anforderungen anzupassen.
Um der bestehenden „Mismatching-Wirtschaft“ Einhalt bieten zu können, muss eine moderne und bedarfsgerechte „Matching-Strategie“ entwickelt werden, die eine wirtschaftlich auch machbare Umsetzung der Politik und Industrie erlaubt.
Besonders in den Bereichen Wohnungs- und Arbeitsmarkt gibt es ausserordentlich grosse Baustellen, in den Sektoren Wohnungsnot, bezahlbare Mieten, finanzierbarer Wohnraum, Reduzierung der Arbeitslosenzahl und Bewältigung des Fachkräftemangels.
Deshalb habe ich mich entschieden, diese beiden grosskalibrigen Sachgebiete explizit unter die Lupe zu nehmen, die Gründe für die bestehenden Schwachstellen zu ermitteln und denkbare Perspektiven aufzuzeigen, wie man möglicherweise den mannigfaltigen Problemen Herr werden könnte.
Mismatch auf dem Wohnungsmarkt
Für die immensen Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt gibt es verschieden Gründe.
• Der Bund und die Länder sind nicht in der Lage genügend Sozialwohnungen zu bauen, haben die gesteckten Ziele weit verfehlt und werden diese auch in nächsten Jahren nicht einhalten können.
• Die Kosten für den Wohnungs- und Häuserbau sind wegen der hohen Inflationsrate, den permanent steigenden Zinsen, den teuren gesetzlichen Energiesparanforderungen bei Neubau und Sanierung, den hohen Baumaterialkosten, derer schwerer Verfügbarkeit und dem Mangel an Handwerkern, Hilfskräften, Facharbeitskräften und Nachwuchs, extrem gestiegen und der Baubranche brechen die Aufträge weg.
• Die Bauindustrie fordert eine verstärkte staatliche Wohnungsbauförderung, die nur schleppend vorangeht und durch die Ausweitung auf das Wohngeld auch nicht in der Form erfolgen wird, wie vorgesehen. Das gesamte Volumen für die Neubauförderung einschliesslich der neuen Eigentumsförderung für Familien liegt künftig bei mickrigen 1,1 Milliarden Euro und das Baugewerbe kritisierte das angekündigte Fördervolumen als einen „Tropfen auf den heissen Stein“.
• In Ballungsräumen und stark wachsenden Grossstädten, wo man meist vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum sucht, liegt der Stand von leerstehenden Wohnungen bei unter ein Prozent. Die Flächenländer mit dem höchsten Leerstand liegen im Osten der Republik, wo bis zu fünfzehn Prozent der Wohnungen unbewohnt sind. Am wenigstens Leerstand gibt es in Baden-Württemberg , Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen, wo die Quoten bei c.a. drei bis fünf Prozent liegen.
Ungefähr 6,5 Prozent der Haushalte in deutschen Grossstädten leben in zu kleinen Wohnung, was bedeutet, dass weniger Räume als Bewohner zur Verfügung stehen. Zu dieser Erkenntnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), das eine entsprechende Studie veröffentlichte.
Besonders betroffen sind zudem Menschen mit Migrationshintergrund, wo ein Fünftel ebenfalls beengt wohnt. Diese unbefriedigende Situation wird durch den hohen Zuzug von Flüchtlingen aus der Ukraine noch weiter verschärft.
Fast ebenso viele Haushalte, 6,2 Prozent, haben dagegen viel Platz und um grosszügige Wohnverhältnisse handelt es sich, wenn die Zahl der Räume die der Bewohnenden um drei übertrifft, also wenn z.B. ein Single in einer Vier-Zimmer-Wohnung lebt.
Durchschnittlich sind die 43,1 Millionen Wohnungen in Deutschland 92 Quadratmeter gross und verteilen sich auf 4,4 Wohnräume. Jeder Deutsche kommt so auf 41 Quadratmeter Wohnfläche und wer 81 Quadratmeter zur Verfügung hat, gehört zu den oberen zehn Prozent.
Diese Durchschnittswerte klingen durchaus üppig, doch es gibt das Problem, dass die Wohnungsgrössen sehr ungleich verteilt sind, viele leben auf grossen Fuss und deshalb für andere Bürger die Enge überproportional zunimmt.
Diese Konstellation bezeichnet das IW als einen „Mismatch im Wohnungsmarkt“.
Um den Platzmangel zu lindern, versuchte man Wohntauschbörsen einzurichten, welche sehr wenig genutzt werden, da die meisten Tauschbemühungen scheiterten.
Es zeigt sich, dass potenzielle Lösungen dieser Misere nur bedingt durch Gesetze oder andere politische Impulse zu lösen sind und nur durch eine solidarische Freiwilligkeit erreicht werden könnten.
Die Hoffnung wäre, dass mehr Menschen im Hinblick auf das Wohnen ein ökologisches sowie soziales Gewissen entwickeln und sagen, wenn ich auf weniger Fläche wohne, tue ich nicht nur etwas positives gegen den Klimawandel, sondern helfe auch Familien.
In grosszügigen Wohnungen wohnen demnach vor allem ältere Bestandsmieter, die häufig Verträge mit noch sehr günstigen Quadratmetermieten haben und die angesichts der gestiegenen Neuvertragsmieten trotz weniger Platz nicht unbedingt weniger zahlen würden, zudem die meisten im vertrauten Umfeld bleiben wollen.
Rentner wollen nach dem Auszug der Kinder und dem Tod des Partners meist in der grossen Familienwohnung oder dem Haus bleiben, was ebenso für gut verdienende Singles, die sich Arbeits- und Gästezimmer leisten können, zutrifft und die der Meinung sind, dass der Sozialneid dazu führt, dass man ihnen nicht eine grosse Wohnung zu gönne.
Ein weiterer Aspekt ist, dass die Menschen, die in Grossstädten und Ballungsgebieten leben und arbeiten, nicht in ländliche Regionen ziehen wollen, auch weil sie sich einen kompletten Umzug nicht leisten können und wollen.
Ihnen ist ausserdem das Angebot von Waren, städtischen Vergnügungsmöglichkeiten und Kinderbetreuungseinrichtungen zu gering und die zusätzlich meist schlechten ÖPNV-Anbindungen machen eine obligatorische PKW-Nutzung notwendig, welche zusätzlich höhere Ausgaben verursacht.
Für das geplante und wahrlich nicht unumstrittene 49-Euro-Ticket, das nun zum 01. Mai 2023 starten soll, fehlt zwar noch die Zustimmung der EU-Kommission, doch es hilft den Pendlern in vielen ländlichen Regionen nur sehr eingeschränkt, oder auch gar nicht weiter, was die benötigte flexible Mobilität anbelangt.
Die Idee, diejenigen, die viel Platz haben und in kleinere Wohnungen umzuziehen sollen, darf niemals unter behördlichem Zwang realisiert werden und dabei noch verstärkt die Rentner ins Blickfeld zu nehmen, wäre mehr als unanständig.
Sie haben hart für ihren meist bescheidenen Wohlstand gearbeitet, fordern deshalb verständlicherweise eine Bestandssicherung und eine Verpflichtung zum Wohnungstausch, womöglich noch mit Mitzahlungen verbunden, käme einer unzumutbaren Altersdiskriminierung gleich.
Deshalb darf die Lösung der Wohnungsnot nicht durch staatliche Umverteilung und Zwangsumsiedlung erfolgen, sondern kann nur durch Erhöhung des Angebotes erzielt werden, um einem drohenden sozialen Unfrieden entgegenzuwirken.
Auch wäre es mehr als dringlich, die Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften und Flüchtlingen am vorhandenen Wohnungsangebot auszurichten, wenn die immense Zuwanderung weiter anhalten sollte.
Viele Kommunen sind nicht mehr in der Lage für ansässige Familien einen adäquaten Wohnraum zu finden, u. a., weil die Anzahl und Verteilung der zugewiesenen Flüchtlinge ihre Handlungsspielraum ausgeschöpft hat, sie keine Unterbringungsmöglichkeiten mehr anbieten können und ihnen die Rechnungen für „staatlich angeordnete Humanität“ über den Kopf gewachsen sind.
Für sie sind die Grenzen der Solidarität überschritten und der Ruf nach bedarfsgerechter Anpassung bestimmt die öffentliche Diskussion, ebenso wie die Forderung nach Schaffung von neuem Wohnraum.
Die Bauministerin hat zwar stolz vermeldet, dass von Januar bis November 2022 immerhin 321.575 neue Wohnungen genehmigt worden seien, doch dabei vergessen, dass man in Baugenehmigungen nicht wohnen kann und viele geplante Projekte nicht realisiert wurden, weil die Baubedingungen sich eklatant verschlechterten und sich die Bauherren die Finanzierungen nicht mehr leisten können.
Deshalb ist die Baubranche in heller Aufregung, da durch den einbrechenden Wohnungsmarkt die Auftrage entweder storniert werden oder ausbleiben und die Bundesregierung ihre Ziele nicht einmal ansatzweise erreichen wird.
Der Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) warnt vor einer zehn Jahre anhaltenden Krise auf dem Wohnungsmarkt, welche eine dramatische Wohnungsnot in Deutschland zur Folge haben wird, weil es unmöglich ist aus dem Stand heraus einfach 400.000 neue Wohnungen pro Jahr zu bauen.
Als weitere Katastrophe kann angesehen werden, dass der grösste deutsche Immobilienkonzern Vonovia aus NRW alle für das Jahr 2023 geplanten Neubauprojekte aussetzte, da die zur Kostendeckung nötigen Mietpreise in weiten Teilen Deutschlands unrealistisch wären.
Durch die immensen Verteuerungen würden die Kaltmieten sich in Richtung 20 Euro pro Quadratmeter bewegen und um den bundesdeutschen Bedarf von 700.000 Wohnungen zu decken, seien Mieten von acht oder neun Euro erforderlich.
Der Bund müsse dringend eingreifen, klare Förderrichtlinien liefern, damit mit Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen der Neubau von Häusern und Wohnungen unterstützt werden kann.
Für jede einzelne Wohnung die nicht gebaut wird und auf dem Markt fehlt, erhöht sich der Druck auf die Mieten und der Bund wir nicht umhin kommen seine Ausrichtung zu ändern.
Es wird auch moniert, dass die Bundesregierung viel zu wenig tue, um ihr eigens gestecktes Wohnungsziel zu erreichen und der Bund, die Länder und Kommunen gefordert sind hart dagegen zu steuern, alle bebaubaren Grundstücke zur Verfügung zu stellen und dafür sorgen, dass die Digitalisierung der Bauanträge voranschreitet.
Es muss vermieden werden, dass das Wohnen zum Armutsrisiko wird, denn schon heute müssen knapp 11 Prozent der Haushalte in Deutschland mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben. Die Verteilung des knappen Wohnraums wird zu weiterer Verdrängung von armen Menschen aus den Städten führen und droht zu einem sozialen Sprengstoff zu werden.
Die von der Bundesregierung geforderten baulichen Massnahmen und Standards zur Energieeinsparung bei Neubauten und der Sanierung von Altbauten treiben die Kosten immer weiter nach oben, machen eine Eigentumsbildung für die Bürger nahezu unmöglich und zusammen mit den unzureichenden Förderungsmassnahmen wird weiterhin die zwingend gebotene Investitionssicherheit verhindert.
Die neue bundesweite Grundsteuerreform, die für die Mieter und Hauseigentümer als „gerecht“ angekündigt wurde, scheint sich zu einer Mogelpackung erster Ordnung zu entwickeln und sorgt für höchste Irritationen bei den Bürgern
Die Reform läuft Gefahr, dass durch unterschiedliche Regelungen und Bewertungen der Länder sogar die Verfassungsmässigkeit in Zweifel gezogen wird und immense Einspruchs- und Klagewellen auf die Finanzämter und Gerichte zukommen werden.
Dabei hat nicht zur das Chaos bei der verpflichtend elektronischen Datenerfassung und die für viele zu kurzen Abgabenfrist, welche selbst von den Kommunen nicht eingehalten werden konnten, dazu beigetragen, dass dieses Projekt als eine Art Offenbarungseid der Regierung angesehen wird und es augenscheinlich nur dazu dient immer höhere Belastungen auf die Bürger abzuwälzen.
Um einen für das Jahr 2023 geforderten „Bau Booster“ zu erlangen, sind vor allem Konzepte notwendig, welche eine gezielte Abkehr von den unzähligen Normen, Vorschriften, energetischen Anforderungen und Kostenstrukturen notwendig machen, die keinen echten Mehrwert für das Klima bedeuten und das Wohnen sukzessive unerschwinglich machen.
Bei den Sozialwohnungen wird eine Reform des Mietrechts unumgänglich und der Justizminister muss vermeiden, dass vom Staat geförderte Wohnungen nach wenigen Jahren wieder auf den freien Markt kommen und den Investoren Spitzengewinne bescheren, weil keine obligatorische Mietpreisbindung als Grundlage für stabile Wohnungskosten gegeben sind.
Fast jeder zweite Mieter hält jetzt schon seine Miete für zu hoch und jeder siebte gibt an, dass er im vergangenen Jahr seine Miete nicht pünktlich bezahlen konnte.
Wenn es nicht gelingt diesen Teufelskreis möglichst rasch zu durchbrechen, werden die Pläne für bezahlbaren Wohnraum konterkariert und ebenso der geplante Zuzug zur Beseitigung des Fachkräftemangels auf dem Baumarkt wird nachhaltig gestört.
Mismatch auf dem Arbeitsmarkt
Mismatch am Arbeitsmarkt ist ein Phänomen, das unterschiedliche Ursachen aufweist und somit vielfältige Folgen in ökonomischer und gesellschaftlicher Hinsicht nach sich ziehen kann, deren Gründe substanziell auf verschiedenen Ebenen verwurzelt sind.
Die Veränderungen des wirtschaftlichen Gerüstes, der daran angeknüpfte veränderte Bedarf von Unternehmen an die Profile von Arbeitskräften, deren regionaler Verteilung sowie die wirtschaftliche Gesamtlage, wie z. B. Inflation, Rezession und Aufschwung, spielen bei den strukturellen Problemen und deren Lösung dabei die Hauptrolle.
Weiterhin ist die Flexibilität und Qualität des Bildungssystems von grossem Belang als auch die regionale Starrheit der Lohnstruktur und den damit verbundenen kollektiv- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen.
Zunehmend sind auch die proaktiven wie reaktiven arbeitsmarktpolitischen Eingriffe der Politik und deren verwaltungspraktische Umsetzung, inklusive Zielsetzungen, Ausstattung und Qualität der Massnahmen zu einem wesentlichen Faktor geworden.
Der nach wie vor überbordende verwaltungstechnische Bürokratismus macht es meist unmöglich, dass auf das Geplante auch allgemein akzeptierte wirkungsvolle Taten folgen und so versiegen viele, von im Wesen sinnvoller Bestimmungen, im Sand der politischen Regulierungswüste und stellen nur noch dürftige Alibifunktionen und Tätigkeitsnachweise dar.
Bei all genannten Kritikpunkten muss aber bedacht werden, dass eine volle gesellschaftliche Teilhabe und Anerkennung nur durch Erwerbsarbeit nicht möglich ist, da sie auf einer wechselseitigen Beziehung von Gesellschaft, Staat und Individuum sowie auf Leistung und Gegenleistung beruhen müsste und es deshalb einen „idealen Arbeitsmarkt“ niemals geben kann.
Von dem Mismatch der generellen Arbeitslosigkeit, die sich in Deutschland noch in erträglichen Grenzen bewegt, besteht zunehmend das grosse Problem, dass die Profile der Arbeitsplatzanforderungen von den im Inland verfügbaren Arbeitsplatzbewerbern nicht ausreichend erfüllt werden können, welche die Grundlage von dauerhafter Beschäftigungsverhältnisse sein müssten.
Daraus erschliesst sich ein Dilemma der Arbeitsmarktpolitik, das speziell in den letzten Jahren immer wieder unterschiedliche Antworten und Zielsetzungen zur Folge hatte, die unter dem Begriff des Fachkräftemangels, sehr kontrovers diskutiert wurden bzw. immer noch werden.
Es gelingt dabei nur schwer praktikable Annäherungen zu finden, welche es erlauben, möglichst viele neue und auch nachhaltige Arbeitsplätze entstehen zu lassen und dies vor allem in allen erforderlichen Geschäftsfeldern und Branchen.
Ein wesentlicher Faktor, der auf das Gelingen eines Matchings Einfluss nimmt, ist die Veränderung und Anpassung der Ansprüche von Unternehmen und Arbeitssuchenden.
Obwohl die Unternehmen in Sachen Qualifikation, Flexibilität und Persönlichkeit hochgesteckte Erwartungen bei möglichst moderatem Lohn haben, zeigten Befragungen einen Trend, dass bei Arbeitskräfteengpässen viele eher ausländische Arbeitskräfte bevorzugt würden, statt eine kontinuierliche Integration von Älteren und Frauen zu forcieren, was auch im handwerklich-technischen Bereich zutreffend ist.
Das ist insbesondere erstaunlich, da der tatsächlich nur geringe Zuzug von mittel- und hochqualifizierten Arbeitskräften aus dem In- und Ausland gegen diese Strategie spricht und diese Art von Diskriminierung der Beschaffung von qualifizierten Mitarbeitern im Weg steht.
Hinsichtlich der inländischen Arbeitssuchenden steht in der Regel die Höhe der Lohnansprüche zusammen mit dem Bezug von vielfältigen Lohnersatzleistungen weit oben im Ranking, wobei die Bereitschaft, unliebsame Arbeitskonditionen wie weite Anfahrtswege, ungünstige Arbeitszeiten oder Überstunden zu akzeptieren, wenig vorhanden ist.
Knapp vier von zehn Beschäftigten in Deutschland können sich einer repräsentativen FORSA Umfrage zufolge vorstellen, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Mit dem Gedanken spielen vor allem die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen, gefolgt von den 30- bis 39-Jährigen und die über 50-Jährigen zeigten sich naturgemäss weniger offen dafür den Arbeitgeber zu wechseln als die agileren nachrückenden Generationen.
Der Grossteil der Befragten ist sich sicher, dass ihr Marktwert durch den Fachkräftemangel erhöht wird und formulieren Ansprüche, die in ihrer Höhe für die Unternehmen nur schwer erfüllbar sind, weil sie den Rahmen der sonst üblichen tariflichen Vereinbarungen sprengen und dies zu innerbetrieblichen Unfrieden führen könnte.
Durch diese recht eingeschränkte Konzessionsbereitschaft bleibt das Klima auf dem Arbeitsmarkt weiterhin noch deutlich frostig und es bedarf unbedingt einer neuen Austarierung bei den Einkommenssicherungsfunktionen und Aktivierungsstratetgien, um eine anreizkompatible Beschäftigungsförderung erhalten zu können.
Hauptsorgenkind Fachkräftemangel
Was den permanent reklamierten Fachkräftemangel in Deutschland anbelangt, der vermutlich in den kommenden Jahren noch ansteigen wird, hofft die Politik diese Defizite mit mehr Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Umschulungen, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, flexible Übergänge in die Rente und erleichterte Einwanderung, auszugleichen.
Der Fachkräftemangel nimmt in allen Berufen weiter zu und laut dem KOFA (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung) Fachkräftereport September 2022 erreichte die Zahl der offenen Stellen für Qualifizierte fast 1,3 Millionen.
Bis 2026 erwartet die Bundesregierung eine Fachkräftelücke von rund 240.000 Menschen und bis 2035 sollen sogar mehr als sieben Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen.
Warum es so wenig Fachkräfte geben wird, ist dem Umstand zuzuschreiben, dass die besonders geburtenstarke Jahrgänge ab Mitte der 1950er-Jahre nach und nach aus dem Berufsleben ausscheiden und die sog. Babyboomer langsam in Rente gehen.
Das wirkt sich nach Einschätzung der Bundesregierung sogar doppelt auf die Fachkräftesituation aus, da die frei werdenden Arbeitsplätze nicht mit ausreichend vielen einheimischen Nachwuchskräften nachbesetzt werden können.
Aufgrund der älter und pflegebedürftiger werdenden Gesellschaft braucht es zudem zusätzliche Fachkräfte, zum Beispiel in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Soziales.
Neben der spürbaren Alterung der Gesellschaft sind mit der Digitalisierung und der Energiewende zwei weitere gesellschaftliche Grosstrends zu verzeichnen, die neue Kompetenzen und besonders qualifiziertes Personal erfordern.
Um die der Demographie, Digitalisierung und Dekarbonisierung geschuldeten Lücken auf dem Arbeitsmarkt schliessen zu können, hat die Bundesregierung eine Fachkräftestrategie, in Form eines 39-Seiten-Papiers entwickelt, das die Rahmenbedingungen für Unternehmen, Betriebe und öffentlichen Verwaltungen verbessern soll.
Da die Fachkräfte-Nachfrage nicht einmal ansatzweise durch inländisches verfügbares Personal gedeckt werden kann, präferiert man eine erleichterte Einwanderung von qualifizierten Personen aus Nicht-EU-Staaten, wobei bei der Erteilung von Arbeitsvisen die Berufserfahrung stärker berücksichtigt werden soll.
Für Ausländer, die mindestens einen zweijährigen Berufsabschluss auf ihrer Arbeitssuche nachweisen können, soll eine sogenannte Chancenkarte auf Basis eines Punktesystems eingeführt werden, zu deren Auswahl- und Qualifikationskriterien Sprachkenntnisse, Berufserfahrung, Alter und Deutschlandbezug gehören.
Dabei muss die Anerkennung des im Herkunftsland erworbenen Abschlusses nicht zwingend vor der Einreise erfolgen und es ist vorgesehen, dass anerkannte ausländische Fachkräfte künftig auch in Berufen arbeiten können, die mit ihrer Ausbildung nichts oder wenig zu tun haben.
Wie in dem Punktesystem wer welche Punkte für das Sprachniveau bekommt, ist nicht geklärt und wird auch schwierig werden, da der Grossteil der im Verwaltungswesen beschäftigten Sachbearbeiter nicht über ausreichende Fremdsprachenkenntnisse verfügen.
Die Bundesministerin für Bildung und Forschung der FDP, spricht sich deshalb für Englisch als zweite Amtssprache aus, um ausländischen Fachkräften den Behördengang zu erleichtern
Da wurde aber stande pete vom deutschen Beamtenbund abgelehnt, weil es einen signifikanten verwaltungstechnischen Mehraufwand bedeuten würde.
Ausserdem ist man der Meinung, dass wenn es um Gesetze und Verordnungen geht, hierzulande schon aus Gründen der Rechtssicherheit die Amtssprache Deutsch bleiben muss und man erst wenn die Digitalisierung der Verwaltung soweit fortgeschritten ist, dass man mit ausreichend gut funktionierenden Übersetzungshilfen und -programmen für Erleichterungen sorgen kann.
Wenn diese Voraussetzungen dann so geschaffen sein sollten, dass eine weitgehend problemlose Bearbeitung und Hantierung gewährsleistet ist, würde dies für den angedachten Zweck vollkommen ausreichen und weitergehende Schritte könnten ohne weiteres Entfallen.
Fazit der Mangelwirtschaft
Durch die hohen Kostenstrukturen und den frustrierenden Bürokratismus, steht sich Deutschland selbst im Weg und die Zuwanderung wirklich qualifizierter Arbeitskräfte zu uns wird zunehmend unattraktiv.
Die Arbeitssuchenden bevorzugen Länder, die mit geringeren Hürden aufwarten, bessere Perspektiven für einen höheren Lebensstandard versprechen, welche zum Bleiben Anlass geben und die Doppelmoral einer scheinheiligen Willkommenskultur ausschliesst, da niemand sich auf Dauer entschuldigen will, dass er zu uns gekommen ist.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass die innovative Fortentwicklung in der deutschen Ingenieurkunst und im Handwerk ins Stocken geraten ist, da durch ein schädlich permanente Abwanderung von hochqualifizierten Fachkräften und Akademikern in innovativere Länder, es illusorisch ist zu glauben, dass europäische Kriegsflüchtlinge und die Armutsmigranten aus den Drittländern diese qualitativen und quantitativen Veränderungen am deutschen Arbeitsmarkt, zumindest kurzfristig, ausgleichen und ungeschehen machen kann.
Im Kern unserer Volkswirtschaft, wo Arbeit und Kapital in ausgeglichener Art und Weise miteinander reagieren sollen, kommt es zur allmählich fortschreitenden sozialen Erosion. Die alten Geschäftsmodelle funktionieren immer schlechter, neue zeitgerechte Geschäftsmodelle sind noch nicht gefunden und dies womöglich auch deshalb, weil niemand wirklich danach gesucht hat.
Die Politiker planen nicht die Zukunft, sondern lieber die nächsten Entlastungspakete, welche eine elitäre nostalgische Fürsorglichkeit präferieren, mit der lieber eine toxische Kreditzufuhr und Schuldenkultur als eine vorausschauende Reformbereitschaft ausgelöst wird.
Dadurch werden auch die Entwicklungen im niedrigqualifizierten Bereich hochdramatisch, da hier in vielen Branchen und Berufsgruppen durch den krisenbedingten Strukturwandel viele Jobs für angelernte Kräfte und im Hilfsarbeiterbereich weggefallen sind, worunter das Dienstleitungsgewerbe besonders leidet.
Dass Stellen lange unbesetzt bleiben, liegt aber nicht nur an zu wenig verfügbaren oder nicht den Anforderungen der Firmen entsprechenden Arbeitskräften, sondern daran, dass viele Forderungen nach Fachkräften durch Personen, die formal qualifiziert sein könnten, aber nicht die geforderte Berufserfahrung besitzen, ausreichend berücksichtig werden.
Sinnvolle Weiterbildungen, Umschulungen, oder auch ein gänzlicher Berufswechsel können die Chancen auf Beschäftigung erhöhen, doch muss hier genau abgewägt werden, dass bei diesen Kandidaten auch eine grundsätzliche Eignung gegeben ist und unnötig kostbare Zeit und Geld für nicht zielführende Massnahmen verschwendet wird.
Denn selbst wenn ein Beruf generell am Arbeitsmarkt gefragt ist, müssen die Modalitäten für eine sinnvolle Berufsveränderung in eine Kosten-Nutzen-Rechnung einfliessen, damit die Umschulungseinrichtungen nicht zu einem Arbeitsmarkt-Casinos werden, in denen Beschäftigten-Roulette mit geringsten Erfolgsquoten zelebriert wird.
In diesem Bereich können Job-Center und sonstigen Arbeitsvermittelagenturen eine qualitativ wertvolle Unterstützung leisten und den Suchenden die notwendigen praxisbezogenen Hilfestellungen bieten, die eine rasche Entscheidungsfindung von der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite, bei hoher Chancenverwertung möglich macht.
Durch die Integration ukrainischer Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt sind die unterfinanzierten Job-Center schon längst an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen, da Geflüchtete aus der Ukraine nach dem Durchlaufen der Integrations- und Berufssprachkurse in Massnahmen zur Eingliederung in Arbeit wechseln.
Im Januar 2023 befinden sich schätzungsweise 20.000 ukrainische Flüchtlinge in geförderten Job-Massnahmen und für viele weitere würden im Laufe des Jahres Angebote benötigt, da in den Sprach- und Integrationskursen rund 150.000 ukrainische Geflüchtete vorübergehend tätig sind und danach möglichst eine Beschäftigung aufnehmen wollen.
Dem Mismatch am Wohnungs- und Arbeitsmarkt beizukommen, ist eine Mammutaufgabe, die eine stetige Modifikation und Zusammenarbeit der unterschiedlichen fachübergreifender Ressorts, speziell auf der politischen und industriellen Schnittstellenebene, verlangt.
Es muss ein nachhaltig wirkender Kontext erzielt werden, indem an den systemrelevanten Stellschrauben permanent Justierungen vorgenommen werden, die einen maximal angepassten Erfolg bei der Bewältigung der unterschiedlichen Krisen konstant erlauben und zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden können.
„Es ist sonderbar, aber Eltern sind auch Menschen, und sie sind, was die Herstellung und Aufzucht von Nachwuchs betrifft, so was wie ungelernte Arbeiter“
Loriot
Das ist ein absoluter Spitzen-Artikel. Du hast gut recherchiert und alles topp neutral dargestellt. Fünf Sterne von mir. Und keine Änderung oder Ergänzung meinerseits. Darf ich Teile Deines Textes in einem Artikel für die Straßenzeitung verwenden (Wohnungsmarkt), wo ich ja im Redaktionsteam mitarbeite??
Danke für den positiven Kommentar. Bei den Recherchen für diesen Blog bin ich teilweise schon recht ins Grübeln gekommen als ich gesehen habe, wie speziell der Wohnungsmarkt in Deutschland auf den Hund gekommen ist. Die Misere hat natürlich nur zum Teil die Politik mitzuverantworten, doch das darf aber nicht heissen, dass man sich ampelmässig so dilettantisch dieser komplexen Gemengelage annimmt und die verantwortlichen Ressorts eher gegen sich als miteinander arbeiten. Was die teilweise Weiterverwendung meines Textes anbelangt, hast Du alle Freiheiten und kannst dies gerne ohne Quellenbezug tun.