KI-gesteuerte Chatbots Euphorie

KI im kollektiven Widerstreit
Wie ich bereits in vorherigen Blog-Beiträgen darlegte, ist die künstliche Intelligenz (KI) auf dem besten Weg eine digitale Revolution auszulösen und versucht sukzessive unser Kommunikationsverhalten, die Sozialisationsprozesse und neuerdings auch verstärkt die Sprachkultur zu beeinflussen, indem menschliches Lernen und Denken auf den Computer übertragen wird, um ihm virtuelle Intelligenz zu verleihen.
Statt für jeden Zweck programmiert werden zu müssen, kann eine KI eigenständig Antworten finden und selbstständig Probleme lösen.
Ihr Anwendungsbereich und die unterschiedlichsten Entwicklungspotenziale gehören zu den bevorzugten Trends, um die offene Zukunftsfragen zu beantworten und die Art zu verändern, wie wir arbeiten, kommunizieren und leben.
Die KI eröffnet gigantische Möglichkeiten für Fortschritt und Effizienz, aber es muss bei aller Euphorie von den Entwicklern und der Wissenschaft auch sichergestellt werden, das ihre schier unerschöpflichen Möglichkeiten keinen Missbrauch erfahren und die Nutzung von personenbezogenen Daten ethisch verantwortungsvoll erfolgt
Sie darf uns Anwendern nicht zu willenlosen Sklaven einer Technologie machen, die durch ihren selbstlernenden, aber nicht selbsterklärenden Automatismus zu Unbeherrschbarkeiten diskriminierender, krimineller und beleidigender Art führen kann.
Es ist deswegen unabdingbar, sich mit den beabsichtigten und möglicherweise unbeabsichtigten Auswirkungen und Nebenerscheinungen der digitalen Technik eindringlich auseinanderzusetzen.
Es müssen die Potenziale, Optionen und vor allem Grenzen richtig evaluiert werden, damit die daraus resultierenden Innovationen zum Wohl der Gesellschaft entsprechend sinnvoll umgesetzt werden können.
Was die bisherigen Entwicklungsstufen anbelangt, gab es positive, aber auch negative Erkenntnisse und Überraschungen, die einer vernunftgesteuerten Interpretation bedürfen.
Wenn man zurückdenkt und sich vergegenwärtig, dass im Jahr 1982 der PC zur „Maschine des Jahres“ erkoren wurde und in welchem unglaublichen Umfeld der digitalen Innovation wir uns heute befinden, dann haben die Rechner, die Software und Kommunikationsnetze einen wahren „Quantensprung“ entfesselt, der wie keine andere Technologie zuvor unser zukünftiges Leben bestimmen und beeinträchtigen wird.
Es ist vollkommen klar, dass die digitale Technologie mit ihrer Software und Hardware noch eine geraume Zeit für eine optimale Weiterentwicklung benötigt, doch zeichnen sich bereits schon heute Tendenzen ab, die ich nicht als umfassend segensreich ansehe und die für mich persönliche Befindlichkeiten und Denkmuster in einer doppelgesichtigen Art beeinflussen können.
Der Computer hat schreiben gelernt und dies auf einem Niveau, das bisher undenkbar war. Was ein derartig unglaublicher Fortschritt bedeutet und welche Auswirkungen er auf unser Bildungssystem und das individuelle menschliche Wissen haben könnte, ist Thema dieses Blog-Beitrages.
Dabei fällt es schwer, ein Gefühl der leichten Ehrfurcht zu unterdrücken, wenn man sich zum ersten Mal intensiver mit dieser komplexen Materie beschäftigt.
KI versus natürlicher Intelligenz
In der letzten Zeit sehen sich praktisch alle weltweit operierenden Internet-Suchdienste aufgefordert diverse Sprach- und Kommunikationssysteme auf dem Markt zu bringen, die es erlauben, mittels sogenannter KI-Chatbots in natürlicher Sprache zu reden und deren Textversionen angenehm zu lesen sind.
Sie sind in der Lage vollkommen selbstständig schriftliche Arbeiten für Beruf, Lehr- und Schulwesen, in Form von Aufsätzen, Dokumenten, Publikationen etc. zu erstellen, auch wenn diese naturgemäss noch gewisse Schwächen und sachliche Fehler aufweisen können.
Die auf bestimmte Algorithmen und Daten trainierte und auf Maschinen übertragene KI ist dabei durchaus in der Lage durch Simulation intelligentes Verhalten an den Tag zu legen und dabei langsam, aber sicher, ihren Blackbox-Charakter zu verlieren und eine echte Konkurrenz zur natürlichen Intelligenz zu werden.
Speziell Nutzer, die über relativ wenig natürliche Intelligenz verfügen, ihre eigenen Gedanken nicht entwickeln, oder in verständliche Worte fassen können, dürfen nun hoffen, dass sie nach aussen hin ihre Mitmenschen pseudo-intellektuell beeindrucken können und dies mit bester Grammatik und ausgeprägter Schein-Professionalität, nach der beliebten Copy & Paste (Kopieren und Einfügen) Methode.
Sie bekommen die Möglichkeit auch komplexe Schriftstücke und Kommentare zu verfassen, die ihnen ohne das Dialogsystem niemals gelingen würden, was ihnen vermutlich am lange Ende wenig helfen wird, wenn direkte Antworten und Reaktionen sowie wirkliches Wissen gefordert werden, das ein kognitives Denkvermögen abverlangt.
Das sich mit “fremden Federn“ schmücken wollen, kann sich ohne weiteres zu einer Blamage entwickeln, wenn sich in den künstlich hergestellten Elaboraten Textpassagen verstecken, die falsch wiedergegeben wurden, zu irrigen Schlussfolgerungen führten, oder aus dem Zusammenhang herausgerissen erscheinen.
Deshalb sollte bei Nutzung immer bedacht werden, dass es sich um ein künstliches Werkzeug handelt, das als Ersatz für die nicht gottgegebene Intelligenz nur bedingt geeignet ist und dies besonders dann, wenn es sich um Belange des schulischen Wesens, des Berufslebens und den Umgang mit öffentlichen Einrichtungen handelt, die eine verbindliche, ehrliche und sachgerechte Kommunikation verlangen.
Mit der Frage, wie Intelligenz definiert wird, beschäftigt sich die Wissenschaft seit Langem, aber eine einzige, allgemeingültige Antwort darauf gibt es immer noch nicht.
Der Begriff stammt vom lateinischen Wort „intellegere“ ab und heisst so viel wie einsehen, verstehen oder begreifen.
Intelligenz umschreibt die Fähigkeit, sich in neuen Situationen zurechtzufinden, Aufgaben durch Denken zu lösen, was Vorgänge hinsichtlich der geistigen Wahrnehmung und der Denkprozesse in ihrer vielschichtigen Gesamtheit erfordert.
Sie spielt in Schule und Beruf zweifellos eine sehr wichtige Rolle, doch hängt die gedankliche Leistungsfähigkeit eines Menschen nicht nur von seinem Intelligenzquotienten (IQ) ab und es bedingt vieler anderer Faktoren ab.
Hierzu zählen vordergründig
• Die Wahrnehmung unserer Umgebung über unsere Sinne
• Das Fokussieren der Aufmerksamkeit auf Objekte und Ereignisse
• Das Abspeichern von Informationen im Gedächtnis
• Das Verarbeiten von Informationen im Gehirn
• Die Verarbeitung der Sprache und das Sprachverständnis
Neben der Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Ausdauer, Impulsivität und Begeisterungsfähigkeit, die in einer praktischen, kollektiven und geschäftlichen Auffassungsgabe verankert sind, ist die sogenannte emotionale Intelligenz eines Menschen, die Eignung Gemütsbewegungen anderer zu erkennen, darauf zu reagieren und interpretierend zwischen den Zeilen lesen zu können, von essenzieller Bedeutung.
Wie viele neue Technologien, schürt auch die KI Ängste, die zu realen Handlungen führen. Es gibt Studien, die befürchten, dass durch Automatisierung ca. 50 Prozent aller Arbeitsstellen in Gefahr seien und sie die Arbeitskraft vom Menschen übernehmen werden.
Allerdings muss dabei beachtet werden, dass es sich bei den meisten Beschäftigungen, wo keine Menschen mehr notwendig sind, um Aufgabenstellungen mit einem geringen Spass-Faktor handelt, die ihrer Art nach monoton und sich permanent wiederholend sind.
In vielen Gebieten wird die KI auf absehbare Zeit hinaus eher eine Assistentenrolle übernehmen, um Spezialisten beim Finden von richtigen Schlüssen zu unterstützen, die Bestandteil einer Arbeitskette sind, wo Teilaufgaben autonom oder teilautonom übernommen werden, während andere Aufgaben weiterhin die Menschen ausführen.
Gleichzeitig werden sicherlich auch neue Jobs entstehen, die durch die innovativen KI-Geschäftsmodelle getragen werden. Menschen haben dann mehr Zeit, ihre Arbeitskraft für neue Aufgaben einzusetzen, weil sie gut koordiniert mit der KI zusammenarbeiten.
Es wäre aber verhängnisvoll, wenn bei allen Bemühungen vergessen würde, dass es in der KI auch eine natürliche Dummheit geben kann, wenn die ausgewählten Daten nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen, fehlerhaft oder nicht ausreichend genug repräsentativ sind.
Die KI ist ohne weiteres in der Lage, Daten besser, genauer und schneller als Menschen zu verarbeiten, kann diese aber nicht verstehen und ist deswegen auch nicht gegen eine Potenzierung von Fehlern gefeit, wenn eine falsche Grundannahme und Beurteilung der programmierenden Personen vorliegt.
Neue Wunderwaffe Chatbots
Auslöser für meine Recherchen und der damit einhergehenden Aufmerksamkeit für die Wunderwelt der digitalen „Helferlein“, war der Werbefeldzug des eloquenten Chatbots namens ChatGPT, dessen Software Ende November 2022 von dem US-Start-up-Unternehmen OpenAI , das mit einem weiteres Milliarden-Investment von Microsoft unterstützt wurde und mit viel Marketing-Tam-Tam auf dem Markt der elektronischen PC-Dienstleistungen vorgestellt und entsprechend promotet wurde.
GPT steht für „Generative Pre-trained Transformer“, was in deutscher Sprache so viel bedeutet wie „Vortrainierter/eintrainierter generativer Transformator“.
Ein Chatbot ist eine Anwendung, die KI verwendet, um sich mit Menschen in natürlicher Sprache unterhalten zu können, wobei Nutzer Fragen stellen, auf welche das System in passender Sprache als Text- oder Audioeingabe antwortet.
Diese Technologien unterstützen als virtueller Assistent und Konversationsagent tendenziell einfachere Unterhaltungen und individuellere Aufgabenstellungen, indem sie maschinelles Lernen nutzen, um aus Interaktionen die daraus resultierenden Empfehlungen und Antworten zu verbessern.
Man verspricht sich bei OpenAI von dieser Innovation einen grossen Vorteil gegenüber Google, das mit dem eigenen Sprachsystem LAMDA aufwarten will und dem Facebook-Konzern Meta, der ebenfalls eine eigene Version namens OPT im Testlauf hat.
Es ist ein regelrechtes Wettrennen um die Führung bei der künstlichen Intelligenz Euphorie ausgebrochen und in dem Versuche sich möglichst früh ordentliche Marktanteile sichern zu können.
Durch Automatisierung von Routinetätigkeiten, Verarbeitung von grossen Datenmengen und personalisierte Inhalte, will man eine schnellere und gründlichere Erarbeitung von Berichten und Stellungnahmen für jedermann anbieten, wobei aber die Gefahr von Fehlinformationen, unethischen Entscheidungen und strafbaren Handlungen nicht ausgeschlossen werden kann.
Informationen, die bereits verfügbar und evaluiert sind, werden die Systeme bald schneller zusammenschreiben können als Menschen es jemals tun können.
Es ist ein maschinelles Lernmodell, auf Basis eines textbasierten Dialogsystems, welches in künstlichen, selbständig lernenden Netzen mit einem gigantischen Quantum von Internetdaten trainiert wird, um jegliche Arten von Texten erzeugen zu können.
ChatGPT wurde entwickelt, um als Generator für maschinell geschriebene Texte verwendet zu werden, es kann aber keine beliebigen Eingabetexte lesen und eine sinnvolle Ausgabe produzieren. Es ist darauf ausgelegt, realistisch anspruchsvolle Sätze zu generieren, die in Stil, Tonfall und Thema dem menschlichen Schreiben ähnlich sind.
Es hat je einen Bereich zur Textein- und Ausgabe, über die sich in natürlicher Sprache mit dem dahinterstehenden digitalisierten Steuerungsmodulen klar strukturiert kommunizieren lässt.
Es benötigt nur ein kleine Menge an Eingabetext, um eine unglaubliche Fülle an relevanten und recht niveauvollen, maschinell generierten Texten, z.B. Blog-Beiträge, Kommentare, Anzeigen, E-Mails etc., für bestimmte Themenkreise zu erzeugen.
Menschen können damit kreativer und produktiver gemacht und bei ihren kommunikativen und wissenstechnischen Aufgabenstellungen unterstützt werden, ohne sie dabei komplett überflüssig zu machen, weil am Ende die KI immer Grenzen haben wird, die ein Eingreifen erforderlich macht.
Generative KI auf dem Vormarsch
Als „Generative KI“ bezeichnen Experten die Sprachmodelle wie ChatGPT, welche versuchen Intelligenz massentauglich zu machen und dabei unabhängig von Machteinflüssen zu bleiben.
Intelligenz ist von Haus aus nicht mehrheitsfähig und es ist auffällig, wenn man in den Printmedien Kommentare von Lesern zu Artikelaussagen über politische und gesellschaftliche Lebensbereiche wahrnimmt, dass es anscheinend vielen Menschen schwer fällt relativ einfache Texte in ihrer Gesamtheit zu verstehen, sie kontextbezogen zu interpretieren und entsprechend schriftlich zu bewerten.
Es hat den Anschein, dass das Gros, im Gegensatz zum bestehenden technisch-kulturellen Fortschritt, oft nur noch über eine einfache Lese- und Ausdrucksfähigkeiten verfügt, wie sie vornehmlich in den sozialen Netzwerken und Medien wie WhatsApp, Signal, Telegram etc., praktiziert werden.
Sie tun häufig ihre Zustimmung oder Ablehnung über unzählig unterschiedlichste Bildschriftzeichen (Emojis, Smileys) kund, die zu Verwirrungen und Missverständnissen Anlass geben können, da sie verschiedenartige Bedeutungen haben und in anderen Ländern zum Teil eine ganz andere Symbolik.
Das kann sich als recht gefährlich erweisen, wenn diese Unfähigkeit zu einer gedanklichen Manipulation führt, die sich vor allem extremistische Gruppierungen zu eigen machen und damit ihre antidemokratische Ziele verfolgen.
Solche bewusste Falschinformationen und polemischen Beeinflussungen, könnten sich mithilfe von generativer KI zigfach personalisiert erstellen lassen und nicht wenige Experten sehen sogar die freiheitliche Staatsform in Gefahr, wenn beispielweise Menschen mit fragwürdigen politischen Vorlieben gezielt eine entsprechende Software manipulieren.
Es darf sich nicht durchsetzen, dass totalitär anmutende Strukturen dafür sorgen, dass der natürlichen Intelligenz und dem rationalen Verstand die Irrationalität der Emotion im Weg steht und diese zu apodiktischen Glaubengrundsätzen führt, wie sie in der Politik zuhauf durch fragwürdige Ideologien praktiziert werden.
Es ist bekannt, dass diese Sprachmodelle nur so gut sind wie das Material mit dem sie „gefüttert“ wurden und entsprechend rassistische sowie sexistische Entgleisungen von Chatrobotern gab es deshalb in der jüngeren Vergangenheit schon öfters.
Deshalb müssen die Chatbot Programmierer alle Anwendungsfälle sehr sorgfältig bewerten, der Nutzer muss einer Universal-App, der er allzeit vertraut, mit einem gesunden Misstrauen entgegentreten und ist schlecht beraten, wenn er seinen Verstand an ein KI-Dialog-System ausgelagert, dessen Recherchen-Ergebnisse er ohne Überprüfung auf Plausibilität übernimmt und blauäugig weiterverbreitet.
Einflussnahmen und Auswirkungen
Anwendungen wie ChatGPT könnten zwar zufriedenstellende Antworten auf allgemeine Fragen formulieren, teilweise mathematische Aufgaben lösen oder von einer Programmiersprache in eine andere übersetzen.
Das stösst jedoch schnell an Grenzen, sobald es um Informationen geht, die rechtssicher, fachlich korrekt und aktuell sein müssen und nicht nur täuschend ähnlich nachgeahmt werden können.
So liefert der Chatbot meistens Antworten, die zwar plausibel erscheinen, aber nicht immer richtig sind und Lerneffekte, die normalerweise bei den Recherchen von Bloggern oder Journalisten entstehen, bleiben aber aus und es besteht die Gefahr, dass Kompetenzen verloren gehen, die wichtig sind, um neue Ideen und Meinungen zu entwickeln.
Deshalb sollte es die Aufgabe des Menschen sein, zu klären welche Aufgabe er und welche die Maschine übernimmt, denn ein optimales Arbeitsergebnis muss effektiv sein, aber auch dem Bildungsstand des Verfassers entsprechen.
Beim Schreiben, besonders im Kontext der Bildung, geht es um weit mehr als um Sprachrichtigkeit, sondern um das komplexe Zusammenspiel von Sprache und Inhalt.
Sprache und eigenes Schreiben sind Arbeit am Gedanken, was mehr ist als eine Aneinanderreihung von Schlagworten und einfachen Leitsätzen ist. Sie wurden bisher als unverfälschte menschliche Arbeit verstanden und haben mit den Chatbots einen mächtigen Konkurrenten erhalten.
So könnten die Romanschreibemaschinen für die Unterschicht, die George Orwell bereits in seinem Buch „1984“ ersann, schnell zur Realität werden und für eine Scheingesellschaft des gedanklichen Einheitsbreis sorgen, da jegliche eigenständige Identifikation und Abgrenzung abhandengekommen ist.
Damit die Nutzer nicht vom technischen Fortschritt überrollt werden, dürfte sich ein lebenslanges Lernen durch provokative Aufgabenstellungen und der regelmässigen Reflektion der eigenen Leistung als elementar erweisen, denn intelligente Maschinen sollten die Intelligenz des Menschen heraufordern, anstatt diese noch weiter verkümmern zu lassen.
Seine schöpferischen Aufgaben überwiegend nur noch von smarten Assistenten erledigen zu lassen, birgt zudem das Risiko, in seiner persönlichen Bildungsentwicklung stehenzubleiben und an Gestaltungskreativität zu verlieren.
Menschen, die kreativ arbeiten und eigenständig Inhalte produzieren, sind durch die angestrebte „Künstliche allgemeine Intelligenz“ besonders in ihrer beruflichen Entfaltung gefährdet und es müssen dringend Regelungen und international gültige Gesetze zur Justierung von Algorithmen beim Umgang mit verantwortungsvoller, generativer KI geschaffen werden.
Davon sind wir noch einiges entfernt, es gibt für die Problematik lediglich vereinzelte Absichtserklärungen und es droht nach wie vor, dass die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge, richtig und falsch auf der Strecke bleiben könnte, weil die Maschinen keinerlei Verständnis für die gelebte Welt aufbringen.
So kann es durchaus sein, dass hanebüchen falsche Textpassagen kreiert werden, wenn die Daten für den gewünschten Themenkreis keine ausreichend konkreten Informationen hergeben und das Programm dann einfach das ergänzt, was es am wahrscheinlichsten ansieht und die KI-Forscher dies als „Halluzinieren“ bezeichnen.
Das gelingt allerdings auch heute schon Menschen und hier vor allem Politikern, die der Meinung sind das Talent zu besitzen, uns bei dem Versuch überzeugend zu wirken, aus dem Stehgreif vollquatschen zu können, auch wenn sie kompletten Unfug reden.
Unser Digital- und Verkehrsminister Wissing hat sich als Vertreter dieser Gilde jüngst gegen eine zu strenge Regulierung von Systemen mit KI ausgesprochen. „Wir sollten dabei nicht prohibitiv denken, sondern transparent und innovationsfreundlich sein“, weil sie sich sehr schnell im Alltag der Menschen etablieren und die Welt verändern werde.
Wenn sich die Welt verändert, dann meint er weiter ist das gut, wenn Europa mitredet und nicht nur zuschaut auch, denn Deutschland ist beim Thema KI natürlich und wie könnte es auch anders sein, ein führender Standort auf der Welt.
Die Digitalisierung könne zudem der Schlüssel dazu sein, aktuellen Knappheiten bei Fachkräften, Energien und Rohstoffen entgegenzuwirken, Lieferketten besser zu vernetzen und dadurch transparenter und widerstandsfähiger zu machen.
Der Minister erinnerte in diesem Zusammenhang an die vorbildliche Digitalstrategie der Bundesregierung, wo es nun gelte die Realisierung und sachgerechte Umsetzung rasch selbstbewusster voranzutreiben, damit die Vorteile auch im eigenen Land genutzt werden können.
Mein Gott Volker, du König der schwurbelnden Regierungsphantasten, denn Fakt ist, innerhalb der Bundesregierung fand das Thema bislang wenig Aufmerksamkeit, während auf EU-Ebene seit langem um einen AI Act, also eine KI-Gesetzgebung, gerungen wird, fühlt sich kein Minister bei uns dafür richtig zuständig sodass die europäische Debatte darüber weitgehend ohne deutsche Beteiligung stattfindet.
Denn anders als der Name vermuten lässt, ist das Digitalministerium nicht verantwortlich für diesen Bereich. Die Tatsache, dass bei uns drei Häuser an dem Thema beteiligt sind, zeigt schon, dass schnelle Lösungen bei dem Zukunftsthema nicht zu erwarten sind,
Es sieht so aus, dass sich Deutschland auf Europa verlassen würde, wo schon lange über eine Regulierungspraxis diskutiert wird, während die USA und China einfach machen und dies bestimmt nicht zu unserem Wohl.
Wir laufen wieder einmal dem internationalen Musikgeschehen hinterher, drücken uns vor verbindlichen Aussagen, verstecken uns hinter unseren Partnern und hoffen, dass schlussendlich Kompromisse gefunden werden, für die wir nicht verantwortlich gemacht werden können, wenn sie scheitern sollten.
Es ist lediglich bekannt, dass angeblich eine KI-Verordnung, die derzeit zwischen der Europäischen Kommission, dem Europäischem Parlament und dem Rat der Europäischen Union verhandelt wird, voraussichtlich 2024 in Kraft tritt und dies vermutlich mit wenig Einfluss von deutschem Gedankengut
Auswirkungen auf Wissensarbeit
Wer sich intensiver mit den Chatbots beschäftigt, stellt sich unwillkürlich die Frage, welche Auswirkungen die Module auf die schulische und akademische Ausbildung sowie auf die Wissensarbeit im Allgemeinen haben werden und welche ethischen und rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben.
Es ist unstrittig, dass diese neue Dialog-Systematik in den genannten Segmenten eine subtile Herausforderung darstellt, welche angepasste Strategien im Umgang mit Kommunikation der divergierten Art erfordert und es in dieser Hinsicht einer neuen Ausrichtung bedarf.
Das wird zum Teil davon abhängen, wie man den evolutionären Charakter einschätzt, die einem diese neuen Sprachmodelle beim Chatten bieten und welche leistungsorientierten Verschiebungen beim Gebrauch hervorgerufen werden, die ohne weiteres ein falsches Bild über den tatsächlichen Wissensstand abgeben können.
Das ist besonders im schulischen und ausbildungstechnischen Bereich für eine Leistungsbeurteilung und die Notengebung von besonderer Relevanz, wenn es für den Lehrkörper und die Ausbilder darum geht gestellte Hausaufgaben zu bewerten.
Ein Lehrer, der auch am Institut für Computerlinguistik an der Uni Tübingen arbeitet, war überrascht wie gut ChatGPT versteht, was er meint und wie gut und stimmig die generierte Sprache ist.
Er sieht ein gigantische Potenzial und geht davon aus, dass Lehrkräfte künftig „hybride Teams“ mit KI-Maschinen bilden, um den Unterricht zu verbessern, Menschen von „repetitiven Aufgaben“ zu entlasten sowie Schüler individuell zu fördern, obwohl man noch alle Entwicklungsmöglichkeiten noch gar nicht kenne.
Es werde eine Kreativität erweckt und die Gestaltung einfacher Texte für Workshop-Beschreibungen oder Einleitungen zu bestimmten Themen genannt , aber auch erste Versionen von Mails an Kollegen oder Eltern.
Natürlich gebe es Risiken und das Betrugspotenzial sei nur eines von mehreren. Es wurden seitens der Schüler Versuche unternommen, den Lehrern KI-generierte Text als eigene Leistung unterzujubeln, doch die Ausarbeitung fiel auf, weil sie viel zu gut war und erstaunlich starke Referate von eigentlich schwächeren Schülern machten die Runde.
Richtig spannend wird es bei Kommunikationsprüfungen werden und wichtige Texte wird man wohl künftig im Unterricht unter Aufsicht schreiben lassen müssen.
Betrogen wurde schon immer, die KI macht es einfacher und die Ergebnisse besser und das Risiko, dass mehr abgeschrieben wird, ist da und wird vermutlich grösser werden.
So stellt sich die Frage, ob die bisherigen Formen von Hausaufgaben eigentlich die Problemlösefähigkeiten vermittelten, die Schüler wirklich bräuchten.
Bei Fremdsprachen bleibt Vokabeln- und Grammatik-Lernen nach wie vor wichtig und als Hausaufgabe Texte übersetzen zu lassen, sei jetzt schon eine mehr als fragwürdige Methode.
Auf KI bezogen, gehe es für Schulen um ganz neue Dimensionen von Medienkompetenz, um Einschätzungs- und Kritikfähigkeiten. Denn „ChatGPT“ verbreitet bisweilen mit überraschender Selbstverständlichkeit Unsinn, was Schüler kontrollieren und entlarven können müssen und eine Gratwanderung darstellt.
Denn um sich diese Kompetenz zu erarbeiten, müssten Schüler, ebenfalls wie alle anderen Nutzer, unzählig mühsame Lernschritte tun, denn, „Wer nichts weiss, muss alles glauben.“
ChatGPT hat auf die Frage, welche Probleme durch seinen Gebrauch an Schulen entstehen können, durchaus „selbstkritisch“ mitgeteilt:
• Schüler und Studenten könnten ChatGPT nutzen, um Aufgaben und Arbeiten abzufassen, was zu einem Plagiat führen würde.
• Wenn Schüler und Studenten sich auf ChatGPT verlassen, um ihre Aufgaben zu erledigen, könnten sie ihre Fähigkeiten im kritischen Denken und Problemlösen verlieren.
• ChatGPT kann Schülern und Studenten beim Schreiben helfen, aber es könnte auch dazu führen, dass sie ihre eigenen Schreibfähigkeiten nicht verbessern, da sie sich auf die Unterstützung von ChatGPT verlassen.
• Schüler und Studenten könnten sich zu sehr auf ChatGPT verlassen, anstatt ihre eigenen Fähigkeiten zu nutzen, was zu einer Abhängigkeit führen könnte.
Es wäre weiterhin wichtig zu beachten, dass ChatGPT ein Werkzeug ist und die Verwendung in einem verantwortungsbewussten und kontrollierten Umfeld gewährleistet sein sollte.
Wesentlich komplexer stellt sich die Situation für Studierende, Forschende und Verfassern von wissenschaftlichen Schriften, Doktor- und Diplomarbeiten, sowie Fach- und Sachbüchern dar, wo die richtigen Angaben von Zitaten, Urheberquellen und Literaturverzeichnissen als integraler Bestandteil sein müssen, damit fremdes Gedankengut identifiziert werden kann.
Darüber sind die Diskussionen noch in vollem Gange und es gibt einige wissenschaftliche Einrichtungen, die den Einsatz von Chatbots als Co-Autorschaft stark eingeschränkt und diesen auch abgelehnt haben.
Als Begründung wurde genannt, dass ein Sprachmodell wie Chat GPT keine Verantwortung für die Arbeit übernehmen kann, was die Voraussetzung für eine Autorenschaft ist und somit ein KI-generierter Text ein Plagiat sei und man den Urheber nicht verklagen kann.
Sollte sich aber die Methode der Angabe von Sprachmodellen doch durchsetzen sollen, werden Autoren zu Editoren.
In diesem Bereich gibt es noch eine Menge an Aufarbeitung zu leisten, bevor klare und allgemein verbindliche Regelungen getroffen werden können, die verpflichtender Art sind und keine Vertrauensprobleme auslösen.
Weiterhin gilt es zu beachten, dass momentan der Wissensstand von ChatGPT Ende 2021 endet und aufwendig weiter trainiert werden muss. Sie können also keine aktuellen Eilmeldung liefern, aber solide Hintergrundtexte.
Ob es jemals Echtzeit-Systeme geben wird ist nicht abschätzbar, doch es gibt Tricks, wie man aktuelle Artikel bearbeiten muss, damit diese als zeitnahe Informationen verarbeitet werden können. Es kann dabei aber der Fall auftreten, dass Quellen erfunden werden und diese lügen oder wie bereits erläutert „halluzinieren“.
Mögliche praktische Entwicklung
Seit die amerikanische Forschungsfirma OpenAI mit ChatGPT das grösste trainierte, dialogbasierte Sprachmodell, welches je in der Geschichte der KI produziert wurde, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, wird dieses tief lernende Multitalent glorifiziert, gleichermassen gefürchtet und teilweise sogar gehasst.
Selten beherrscht ein Chatbot so konstant die Schlagzeilen und viele sehen in ihr die Zukunft, der vom Computer entfachten Sprach-KI und andere den Untergang des bisherigen Bildungssystems und der althergebrachten Textverarbeitung und Berichterstattung.
Apokalyptische Mahner warnen, dass unbegrenzte KI für jedermann die Menschheit gefährden könnte und selbst der OpenAI-Chef Sam Altman scheint diese Angst grundsätzlich zu teilen.
Er sehe einen Virus-Ausbruch, nuklearen Krieg oder eine aggressiv werdende KI als wahrscheinlichste Varianten für das Ende der Menschheit an und drängt darauf, dass die Chatbot Entwickler die Gefahren der KI bändigen müssen.
Er pendele permanent zwischen Angstgefühlen und optimistischer Euphorie hin und her, ist sich darüber bewusst, dass die kommende digitale Revolution unausweichlich und unaufhaltbar ist und sich dadurch die Welt verändern wird.
Eine Möglichkeit für Normalsterbliche ChatGPT sinnvoll zu nutzen, kann darin bestehen, es als ein weiteres Werkzeug in dem ständig wachsenden App-Werkzeugkasten zu betrachten, dem kreativ Schaffende und Lernende beim Verfassen von Sprach- und Text-Arbeiten zur Verfügung steht.
Man könnte es zum Beispiel als Suchmaschine einsetzen, die Fragen direkt beantwortet, anstatt nur auf Quellen verweist, in denen man selbst nach den Antworten suchen muss.
Wer sich vor einer leeren Seite fürchtet, kann ChatGPT auch für einen ersten Entwurf eines neuen Textes einsetzen und man muss sich nur eine gute Aufforderung ausdenken, was selbst für jemanden, der unter einer Schreibblockade leidet, machbar sein sollte.
Als nächstes könnte man sich vorstellen, den Chatbot als Gesprächspartner für eine Art Brainstorming zu engagieren, was aber auch erhebliche Einschränkungen mit sich bringen kann.
Er gibt manchmal falsche Antworten, kann übermässig empfindlich auf willkürliche Unterschiede in der Formulierung von Aufforderungen reagieren, kann langatmig und nicht in der Lage sein , zweideutige Aufforderungen systematisch zu klären, was seinen Nutzen für bestimmte Themenkreise einschränken kann.
Als positives Beispiel für die Kreativität und Leistungsfähigkeit von ChatGPT, habe ich die Erkenntnis eines Autors des Institutes für Ethik an der Dublin City Universität in Irland ausgewählt.
Er hat ChatGPT darum gebeten, eine Kolumne über das heutige Griechenland und seine ambivalente Beziehung zu seiner glorreichen antiken Vergangenheit, im Stil des bekannten Journalisten und Pulitzer Preis Gewinners Thomas Friedman von der New York Times, zu verfassen.
Schon nach ein paar Sekunden begann der Chatbot: „Während ich durch die Strassen des modernen Athens wandere, kann ich nicht anders als ein Gefühl der Ambivalenz über die Beziehung der Stadt zu ihrer antiken Vergangenheit …“ und es geht weiter mit einem gut gestalteten Schriftstück, dessen Sprache natürlich fliessend und angenehm zu lesen ist.
Danach hat der Autor die Aufforderung gegeben, diesen Text in ein Shakespeare-Sonett umzuwandeln und ChatGPT schrieb: „Inmitten der alten Ruinen, die hier verstreut zu finden sind, fühle ich ein Gefühl der Zwiespältigkeit in mir …“
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir als nicht ganz unbedarften Blog-Schreiberling es niemals in den Sinn gekommen wäre, meinen Beitrag in dieser poetischen Wortkunst zu beginnen und noch zusätzlich in eine Shakespeare Gedicht Form umzuwandeln.
Da ich aber keinerlei Intentionen habe, mich zu einem stromlinienmässig zwangsangepassten Meinungsknecht degradieren zu lassen, der widerstandslos vorgefertigte Bildungskost konsumiert, die ihn seiner individuellen Persönlichkeitsstruktur beraubt, regt sich in mir ein innerer Widerstand diese Art von KI-Nutzung zu präferieren.
Ich, für meine Person, will es auf jeden Fall vermeiden, nur durch intellektuelle Kompetenz „von der digitalen Stange“ zukünftig aufwarten zu können und möchte meinen eigenen Schreibstil nicht verleugnen.
So gesehen hat KI hat das Potenzial zu einer nicht unerheblichen Schwächung unseres Bildungssystems, indem sie uns aufzeigt, dass gute Prüfungsergebnisse und damit auch bessere Zukunftschancen häufig an jene vergeben werden, die auswendig gelerntes gut reproduzieren können.
Das tatsächlich nachhaltige Verstehen und die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen werden keine besondere Bewandtnis mehr haben, in den Hintergrund der gestalterischen Reflexionen rücken und ebenso wie die Gedanken des eigenen Zweifels verkümmern.
Viele Politiker nutzen diese Methode auch schon heute und lassen sich einfach auf das rhetorische Glatteis führen, wenn bei Debatten von gelernten, aber nicht wirklich verstandenen, Themen-Komplexen abgewichen wird, wie sich das nachdrücklich bei der TV-Insolvenzdebatte unseres Wirtschaftsministers zeigte und diese zu einer viel belächelten Blamage ausartete.
Es ist daher nicht nur für ihn angebracht und betrifft im Prinzip alle Lernende und derer, die einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, dass sie mehr darüber nachdenken und diskutieren sollten, was „Verstehen“ und Kenntnis für ihre Karriere, ihre weitere Entwicklung und einer entsprechende Weitervermittlung von wirklichem Wissen, bedeutet.
Da nehme ich lieber das Risiko in Kauf, mich mit meiner persönlichen Ansichtsweise irren, oder falsch liegen zu können und habe keine Scheu, mich von anderen Meinungen auch überzeugen zu lassen, wenn deren Ansichtsweisen sich mir nach entsprechender Überlegung schlüssig erweisen.
Das soll aber nicht bedeuten, dass man sich obligatorisch der KI und den Chatbots verschliesst und es durchaus angebracht ist, sich mit dieser Thematik intensiv zu beschäftigen und auszuloten, welche Bausteine sinnvoll genutzt werden können, um sich zeitraubende und unproduktive Lern- und Recherchen-Arbeit zu ersparen.
Da mit dem Start-up Aleph Alpha seit 2019 in Heidelberg ein KI-Forschungs- und Anwendungsunternehmen sesshaft ist, das in grossem Umfang generalisierende KI-Modelle für Text, Bild und Strategie erforscht, entwickelt und operationalisiert, um die digitale Souveränität für Partner aus dem öffentlichen und privaten Sektor zu gewährleisten, werde ich mich bei passender Gelegenheit mit deren Chatbots LUMINOUS und MAGMA auseinandersetzen.
Ich werde schauen wie ich mein „digitales Schicksal“ selbst in die Hände nehmen kann, trotzdem dabei nicht meine persönliche Souveränität verliere, um vordergründig nicht mit einem schlechten Gewissen als „digitaler Papagei“ mein zukünftiges Blogger-Schicksal fristen zu müssen.
Zukunft
Die Zukunft für die Chatbot Systeme ist heute noch relativ schwer vorherzusagen, aber es darf als sicher angesehen werden, dass die neuen intelligenten KI-Sprachmodelle für viele Veränderungen bei der Text- und Bildgestaltung sorgen werden.
Jeder, der eine Nutzung in Erwägung zieht, muss sich aber zuerst hinterfragen, wie intensiv er davon beeinflusst werden will, ob dies alles für ihn auch wirklich Sinn macht und er damit keine kontraproduktive Nebenkriegsschauplätze schafft, die ihn in seiner Entwicklung mehr hemmen als nützen könnten.
Bei dem internationalen Chatbot-Wettkampf geht es nicht nur um Infrastrukturgewinn, sondern in verstärktem Masse um Unmengen von Daten, mit denen verantwortungsvoll umgegangen werden muss.
Dabei spielt der Datenschutz eine gewichtige Rolle und es besteht die Gefahr, dass dieser in China und in den Schwellenländern deutlich grosszügiger ausgelegt wird als in Europa und den USA und für Staaten der westlichen Hemisphäre und deren Anwender deswegen höhere Sicherheitsrisiken bestehen könnten.
Der chinesische Internetriese Baidu entwickelt ebenfalls einen KI-Chatbot und die Testphase für die auf KI basierende Software mit dem Namen „Ernie Bot“ wird im März abgeschlossen sein
Grosse Transformationen werden immer verwirrend beginnen und erst mit der Zeit werden sich die Nebel der zweifelnden Unverständnis lichten und sich die schwarzen von den weissen Schafen abgrenzen.
Tätigkeitsprofile und Jobs werden sich verändern und neu evaluiert werden müssen. Es wird Menschen und Einrichtungen geben, deren Qualifikationen nicht mehr gebraucht werden und man sollte rechtzeitig sicherstellen, dass dieser Übergang möglichst wenig schmerzhaft verläuft.
Wahrscheinlich wird die Entwicklungskurve bei der generativen KI ähnlich verlaufen wie bei den meisten anderen grossen Innovationen, etwa dem mobilen Internet oder der Elektromobilität. Auf eine stürmische Ära des Hypes folgt eine Phase der Ernüchterung, weil die Marktdurchdringung länger andauern wird als ursprünglich prognostiziert.
So werden sich am Ende vermutlich die Vorzüge und Pluspunkte um ein Vielfaches grösser und erfolgreicher erweisen wie es die anfangs erwartet wurde.
Eines dürfte aber abzusehen sein, ChatGPT wird die Gesellschaft mit sich selbst konfrontieren und bestehende Risse in der individuellen Anschauung und Betrachtungsweise verstärken, falls die KI-Ethik zur Un- oder Doppelmoral tendieren sollte und die Autonomiefähigkeit der Individuen unterminiert, was zu gefährlichen Konsequenzen führen könnte.
Wenn man aber die ethischen Grundsatzfragen nicht aus dem Blick verliert, kann man gut gerüstet und mit gesundem Optimismus in die Zukunft blicken und sich ohne befremdliche Verteufelungsszenarien durchaus auf die Weiterentwicklung der Chatbots und ihrer Ableger freuen.
Wer aber hofft, dass sie uns das kognitive Denken abnehmen, irrt sich gewaltig und wird dem gewünschten Fortschritt immer hinterher hinken.
Zweifel und Vorurteile werden sich, egal wie, niemals vollständig eliminieren lassen, weil sie Ausdruck von unterschiedlichen Lebenseinstellungen und notwendig für kritische Beurteilungen sind und das gut so ist.
In einem Artikel des Magazins „Der Spiegel“, war in einem Gastbeitrag zu lesen, dass Hans-Georg Gadamer, der grosse Philosoph der Text-Verstehenslehre und Interpretation, fast so weit ging, der Skepsis und den Vorurteilen eine konstitutive Bedeutung für das Menschsein zuzuerkennen.
Er wusste, Vorurteile müssen immer neu überprüft werden, ob und wie sie mit grundlegenden Normen wie Menschenwürde und Menschenrechten, aber auch mit Diversität vereinbar sind und deshalb Stigmatisierung und Diskriminierungen nicht legitimierbar macht und man sie fördern dürfe.
Die sinnverstehende Auslegung von Reden, schriftlichen Texten, aber auch Bildern und anderen Kunstwerken aus Geschichte und Gegenwart sollte immer bei den Schaffenden eine Bewandtnis haben und perspektivisch in ihre gestalterischen Überlegungen mit einfliessen.
So kann vermeiden werden, dass man sich von technologischen Kunstformen menschlich manipulieren und versklaven lässt und seine persönliche und selbstbewusste Individualität beibehält, die stets ein hohes Gut für die Bewahrung der freiheitlichen Meinung in einer gelebten Demokratie verkörpern sollte.
Ungleichheiten verhindern zu können ist bereits die halbe Miete, um in dem Schutzraum einer funktionierenden staatlichen Ordnung ein auskömmliches Dasein gestalten zu können und keinen permanenten Existenzängsten ausgesetzt zu sein.
KI zu nutzen dürfte aber auf jeden Fall besser sein als die natürliche Dummheit zu pflegen, doch stellt sich die Frage, ob die davon betroffenen dann auch die neue Technologie zufriedenstellend anwenden und entsprechend behutsam damit umgehen können.
Das schlimmste was uns passieren könnte ist, die KI als alternativlos anzusehen und die komplette Verdrängung der natürlichen Individualität zu gestatten und nur noch der Computer über Wohl und Wehe der Gesellschaft entscheidet, den Menschen auf ein Sammelsurium von Algorithmen reduziert und ihn lediglich als eine andere Maschine mit geringer Kapazität ansieht.
Wenn dies tatsächlich geschehen sollte, werden wir ein fundamentales Problem bekommen, das befreit von philosophischen und öko-sozialen Debatten, grundlegende Auswirkungen auf die Zukunft des Menschen und seiner Gesellschaft zur Folge haben wird.
Wir werden uns von hirnlosen Computern zu weitgehend willenlosen Werkzeugen und Marionetten im digitalen Kosmos degradieren lassen, die ihre menschlichen Entscheidungsfindungen auf die statistische Auswertungen des vorhandenen Datenmaterials stützen, dessen Rahmenbedingungen von der entsprechenden Programmierung abhängen und niemals wirklich neutral sein können.
Alles menschliche Tun wird nur noch auf den Präferenzen der stillschweigenden oder ausdrücklich verfolgten Ideologien und Manipulationen der Programmierer basieren und den Nutzern nur noch eingedampfte Multiple-Choice-Beurteilungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.
Je mehr ich mir diese dystopischen Science-Fiction-Szenarien vor das geistige Auge führe, kommen mir Denkmuster aus dem Werk „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche in den Sinn, wo er den nach einem persischen Religionsstifter benannten Einsiedler Zarathustra von seinem Berg zu den Menschen herabsteigen und seine Lehren verkünden liess.
Dies tat er mit der klaren Aufforderung „Glaube nicht einfach, denke selbst, finde deinen eigenen Weg, folge mir nicht nach“, tat.
Im Zentrum der Lehre steht die Idee des Übermenschen, an dem sich jeder orientieren kann, in dem Bestreben die Durchschnittlichkeit, falsche Gläubigkeit und billige Moral überwinden zu können.
Der schaffende, kreative Mensch sei es, der auf dem richtigen Weg sei, weil er sich selbst überwinde, dabei über sich selbst hinauswachsen könne, um neue Werte, oder sogar eine neue Welt schaffen zu können.
Dabei treibe ihn der „Wille zur Macht“ an, was für Zarathustra nicht Raffgier oder Bereicherung im politischen oder wirtschaftlichen Sinn bedeute, sondern der Wille zur Erkenntnis.
Um diesen „Übermenschen“ erschaffen zu können, müsste alles Bestehende untergehen, Glück, Vernunft und Tugend seien zu überwinden, ebenso wie die Genügsamkeit, welche ein Zeichen des Mittelmasses ist.
Auch der Glaube an etwas Göttliches, also etwas, das jenseits des Irdischen liegt, sei ein Irrweg und damit das „Alte“ überwunden wird, soll Gott als Ziel des menschlichen Strebens abgeschafft werden und er hat ihn für tot erklärt.
Anstelle soll der Gedanke der „ewigen Wiederkehr“ die menschliche Gesellschaft beeinflussen und ihr Halt geben wird.
Grosse Teile der Zarathustra-Philosophie stehen im kompletten Gegensatz zur angestrebten Systematik der generativen KI und es hat den Anschein, dass diese nun die Tätigkeitsbereiche des „Übermenschen“ imaginär übernehmen und damit eine neue gottgleiche Institution geschaffen wird, die jenseits des menschlichen Fassungsvermögens Entscheidungen trifft.
Ob dieser neue Computer-Gott uns das Paradies auf Erden bringen oder aber den Untergang der Menschheit einläuten wird, ist noch völlig offen und es gibt keinen endgültigen Antworten darauf.
Ich hoffe, dass sich die momentane Sichtweise der Experten bewahrheitet, dass künstliche Maschinenintelligenz niemals mit dem menschlichen Denken vergleichbar ist und sie lediglich gut darin ist, Muster zu erkennen und Wahrscheinlichkeiten auszurechen und dies aber wesentlich schneller als ein Mensch.
Wenn in Zukunft Algorithmen dabei helfen sollen, Aufgaben der Justiz oder der Exekutive zu koordinieren, oder Bewerbungen für Aufträge und Jobs auszuwerten, dann werden es weiterhin Menschen sein, welche die Regeln dafür aufstellen und die Verantwortung tragen müssen, wenn Fehlfunktionen auftreten.
Es darf nicht vergessen werden, dass Algorithmen auf menschlichen Erfahrungen beruhen und ob es sich dabei um unverzichtbare Helfer oder digitale „Gefährder“ handelt, liegt in erster Linie daran wie die Schnittstelle Maschine-Mensch kommuniziert.
Dabei können fehlerhafte Berechnungen erfolgen und deshalb muss es noch lange nicht richtig sein, was der Computer vermeldet.
In allen Bereichen des täglichen Lebens werden Fehlentscheidungen getroffen, die oft dramatische Auswirkungen haben können, wo objektive Algorithmen theoretisch gegensteuern könnten.
Die Krux ist nur, dass gerade selbstlernende Programme Vorurteile und Ungerechtigkeiten der Gesellschaft reproduzieren und Widersprüche bei der Digitalisierung unvermeidlich sind, ebenso wie im traditionellen Rechtssystem.
Mit welcher Art von Fehlern man bereit ist zu leben, ist eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss, wenn er nicht zur willenlosen Verfügungsmasse der ideologischen Alternativlosigkeit werden will.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wo uns die Debatten um diese hoch komplexe Thematik noch hinführen werden und kriegerische Cyber-Auseinandersetzungen, welche durch das Wettrüsten im virtuellen Raum ausgelöst werden, nicht unser zukünftiges Tagesgeschäft bestimmen und eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln bewirkt.
„Maschinen sind lediglich neutrale Werkzeuge, zu Waffen oder Heilmitteln werden sie von uns Menschen gemacht.“
Holger Volland
Das gibt schon wieder fünf Sterne von mir. Hast Du Deinen Vendetta-Weg gegen die Ampel ed.al. verlassen? Bitte BLEIB DABEI, denn das kommt unbedingt der Qualität Deiner Blogs zugute. Also: allerhöchstes Lob !!!
Danke für die gütige Kommentierung des Blog Beitrags, der nach alter Väter Recherche und ohne Chatbot Hilfestellung geschrieben wurde. Ich folge keinem Vendetta Kreuzzug gegen die Ampel, sondern widme mich lediglich den Tagesaktualitäten und da gibt es einfach in letzter Zeit jede Menge Material für konstruktive Kritik, zu der ich auch vollinhaltlich stehe und sicherlich nicht die schlechtesten Begründungen liefere.