Es gibt nur eine Erde – Aber unterschiedliche Welten

Es gibt nur eine Erde – Aber unterschiedliche Welten

McKinsey und der bittere Trugschluss

McKinsey & Company ist eine in über 65 Staaten vertretene Unternehmens- und Strategieberatung, die weltweit über 30.000 Angestellte beschäftigt.

McKinsey berät nach eigenen Angaben über zwei Drittel der 1.000 grössten amerikanischen und die Mehrzahl der im DAX vertretenen deutschen Unternehmen. Zu den Klienten gehören aber auch private und öffentliche Institutionen sowie Regierungsstellen. Im Bereich der Politikberatung ist McKinsey auch mehr oder weniger direkt tätig, wobei verschiedene Bundesministerien Aufträge erteilt haben, mit zum Teil nicht öffentlich ausgeschriebenen Beratungsleistungen in Höhe von mehreren Millionen Euro.

Kritiker haben die Vergabe als subjektiv und unwirtschaftlich bewertet und monierten einen Kompetenzabfluss bei den verantwortlichen Ministerien.

McKinsey veröffentlicht auf der Webseite regelmässig Beiträge zu wichtigen Themen und ich habe den neuesten Report mit dem Titel „There’s only one earth—here’s how to protect it“ (Es gibt nur eine Erde – so können Sie sie schützen‎) zum Anlass genommen, deren Erkenntnisse mit der „Beyond Growth“ (Jenseits des Wachstum) Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und der 2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung der UN, die sich mit den Ansätzen für wirtschaftliche Herausforderungen auf dem Weg zu einem neuen Wirtschaftskonzept, das ebenfalls nicht auf Wachstum ausgelegt ist, in Einklang zu bringen.

Dabei versuche ich gleichzeitig die Aspekte des Gemeinwohl-Ökonomie nach Christian Felber, welche ich bereits eingehend in meinem Blog-Beitrag vom 21. 01. 2022 behandelt habe, mit einzubinden, ebenso wie die Visionen der britischen Ökonomin Kate Raworth, die ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell der „Doughnut Economy“ (Donut Ökonomie) entwickelt hat, wo ein Perspektivenwechsel gefordert wird, der Wohlbefinden statt Wohlstand in den Vordergrund stellt.

McKinsey ist in seinem Report der Meinung, dass die Klimakrise einen Wettlauf darstellt, den die Welt verlieren wird.

„Wir leben in der einen Welt“, ist ein Satz, der einen Zustand beschreibt, welcher mit der Wirklichkeit nicht viel gemein hat. Wir leben auf einem Planeten namens Erde, mit endlichen Ressourcen und unterschiedlichen Welten, die unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse in ökonomischer, sozialer und umweltschutztechnischer Hinsicht verfolgen, die nicht identisch sind und zunehmend diametral auseinanderlaufen.

In den letzten Jahren haben sich, bedingt durch die multiplen Notlagen der Politik, die verbunden mit den Vorkommnisse rund um den Klimawandel, der Pandemie, dem Ukraine-Krieg, der Inflation und drohenden Nahrungsmittelknappheiten und Hungerkatastrophen, vollkommen neue globalen Gemengelagen ergeben, die zu politischen Blockbildungen führten und die Erde in drei Welten teilte.

Wir haben die wirtschaftlich führende erste Welt der OECD-Staaten mit ihren 38 Mitgliedern, die mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern ca.  24 Prozent der weltweit bewohnbaren Flächen besiedeln und ca. 17 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Manche Mitgliedstaaten besitzen weitere, von ihnen abhängige Aussengebiete. Dies sind zwar keine unabhängigen Staaten, haben aber eine gewisse wirtschaftliche und politische Autonomie. Mindestens teilweise treffen die geschlossenen Verträge der OECD auch auf sie zu.

Die zweite Welt wird durch die „Besorgnis erregenden Staaten“, die vormals Schurken,- Banditen- und auch Pariastaaten genannt wurden, weil sie den weltweiten Terrorismus unterstützen. Für mich zählen auch im Konsens des Klimawandels die Staaten dazu, welche die Zielsetzungen des IPCC (Weltklimarat) und der UN-Klimakonferenzen (COP) bezüglich verbindlicher Reduzierung von Treibhausgasen zur Begrenzung der Erderwärmung nicht oder nur ungenügend nachkommen und grosse Emittenten sind, wie die BRICS-Staaten China, Indien, Russland, Brasilien und Südafrika.

Leider gehören zu dieser Kategorie auch Staaten der OECD dazu, wie USA und mit Abstrichen Australien, welche bewusst und vorsätzlich auch weiterhin fossile Energieträger nutzen wollen und Handel damit treiben.

Die dritte der Welten wird durch die Entwicklungsländer der sog. Dritten Welt vertreten, deren Lebensstandard, Einkommen, wirtschaftliche und industrielle Entwicklung mehr oder weniger stark hinter dem Durchschnitt zurückbleibt. Es zählen auch die sogenannten Schwellenländer hinzu, die aufgrund ihrer hohen wirtschaftlichen Eigendynamik (hohe Wachstumsraten, besonders in der Industrie) beachtliche Industrialisierungsfortschritte erzielen konnten und in ihrem Entwicklungsstand gegenüber den Industriestaaten deutlich aufgeholt haben, wie es z.B. bei den asiatischen Tigerstaaten der Fall ist.  

In den dazu zählenden Ländern leben heute rund 3,2 Milliarden Menschen, welche mit ca. 40 Prozent den beträchtlichsten Anteil an der Weltbevölkerung ausmachen. Sie umfassen Mittel- und Südamerika, ganz Afrika, fast alle Länder Asiens und zahlreiche weitere Inselstaaten.

Dabei zeigt es sich eindeutig, dass die Befürworter der uneingeschränkten „Eine Erde-Globalisierung“, die sich besonders lautstark bei den Veranstaltungen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos zu Wort meldeten und den „Great Reset“ (Grosser Umbruch oder auch grosse Neuordnung) propagierten, diesen als die alleinselig machende Weltwirtschaftsordnung darstellten, die den Kapitalismus „grüner“ und gerechter gestalten wird, sich als geopolitische Illusionen erweisen, deren Umsetzung in ihrer geforderten Konsequenz niemals erfüllbar sein werden.   

Sie gehen, ebenso wie die Expertengruppe der OECD davon aus, dass die Herausforderungen für eine nachhaltige ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung mittels eines globalen Aktionsplans nur bewältigt werden könnte, wenn alle Staaten der Welt an einem Strang ziehen.

Dieser fromme Wunsch wird niemals realisierbar werden, da sich die Nationen der drei genannten Welten noch zusätzlich in demokratischen und autoritären Blöcken wiederfinden und zum Teil sehr konträre Ansichten vertreten werden, die in Teilbereichen auch Anklang in der EU finden. 

OECD – Theorie jenseits des Wachstums

Der für die OECED geschriebene Bericht einer Expertengruppe mit dem Titel „Jenseits des Wachstums: Auf dem Weg zu einem neuen ökonomischen Ansatz“, beinhaltet Reformvorschläge für eine moderne Wirtschaftspolitik und wurde bei uns von der Heinrich-Böll-Stiftung im Jahr 2021 vorgestellt.

Der Kerngedanke dieser sehr umfangreichen Ausarbeitung ist das wirtschaftliche Wachstum nicht als Selbstzweck zu begreifen, sondern als Mittel zum Erreichen gesellschaftlicher Ziele wie ökologische Nachhaltigkeit, Chancengleichheit sowie individuelles und globales Wohlergehen.

Die Welt von heute steht vor tiefgreifenden wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Herausforderungen, da viele der bisher eingeführte Massnahmen die ökonomischen und gemeinnützigen Gegebenheiten nicht mehr so verbessern können, wie sie es einst versprachen. Es kommen verschiedene Trends zusammen, die Änderungen dringend notwendig machen.

Davon ist der sich beschleunigende Klimawandel sicherlich das drängendste Problem. Der schnelle technologische Wandel verändert viele Aspekte unserer Volkswirtschaften, da sich die Zahl der Arbeitsplätze und die Beschäftigungsformen ändern und neu organisiert werden müssen. Die marktbeherrschende Stellung der multinationale Konzerne und der digitalen Plattformen nehmen in einem Masse zu, wie es sie in der Neuzeit noch nie gegeben hat und es entstehen neue Globalisierungsmuster.

Die Investitionen und der Handel verlagern sich in den Süden und Osten der Welt und grosse transnationale Konzerne bauen komplexe Produktionsnetzwerke und Lieferketten auf, die zu Abhängigkeiten führen.

Durch die signifikante Alterung der Bevölkerungen stellt sich die Frage, ob die Menschen im arbeitsfähigen Alter die nichtarbeitende und nicht mehr erwerbsfähige Bevölkerung überhaupt noch unterstützen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ungleichheiten zwischen den Generationen, die schon bestehenden Einkommens-, Vermögens-, Geschlechter- und andere soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sich stetig verschlimmern.

Die Experten wünschen sich in „neues wirtschaftliches Narrativ“, welches aus drei Elementen bestehen sollte:

Tieferes Verständnis für die Beziehung zwischen Wachstum, menschlichem Wohlergehen, ökologischer Nachhaltigkeit und der Reduzierung von Ungleichheiten als Basis für die Gestaltung der Wirtschaftspolitik und ihrer Strategien für wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt.

Eine neue Struktur für Wirtschaftstheorie und -analyse als Basis für Einsichten und Nachweise, wie Volkswirtschaften funktionieren und zur Entwicklung neuer politischer Strategien.

• Neue Ansätze für die Wirtschaftspolitik mit einem umfassenden Paket an politischen und institutionellen Reformen zur Erreichung der genannten sozialen und wirtschaftlichen Ziele.

Untermauert wird dies alles mit der Einräumung der vier vorrangigen Ziele:

Ökologische Nachhaltigkeit zur schnellen Reduzierung von Treibhausgasen.

•Steigern des Wohlbefindens als höheres Mass an Lebenszufriedenheit der einzelnen Menschen, damit sich die Lebensqualität und der Zustand der Gesellschaft als Ganzes verbessert.

• Weniger Ungleichheit, verstanden als Verkleinerung der Kluft zwischen den Einkommen bzw. dem Vermögen der reichsten und der ärmsten Bevölkerungsgruppen der Gesellschaft.

• Verbesserung der Widerstandsfähigkeit des politischen Systems, damit die Volkswirtschaft finanziellen, ökologischen oder anderen Schocks ohne katastrophale und systemweite Auswirkungen standhalten kann.

Man ist davon überzeugt, dass ein „Weiter-wie-bisher“ keine Option ist. Wenn ein Erreichen der genannten Ziele angestrebt und Wachstum nicht als vorrangiges Bestreben angesehen wird, ist eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Ausgewogenheit möglich, mit besseren Ergebnissen für heutige und zukünftige Generationen.

Die OECD ist der Meinung, dass es eines tiefgreifenden Wechsels von Denkmustern bedarf und ein Wandel notwendig ist, der über schrittweise Veränderungen hinausgeht. Man ist sich der Schwere dieses Vorhabens bewusst und ist sich im Klaren darüber, dass die genannten Ziele in Gänze nicht umgesetzt werden können.

Man will die Mitgliedsstaaten ermutigen diese neuen Ansätze zu diskutieren, weiterzuentwickeln und ihre Umsetzung zu unterstützen. Dabei handelt es sich meiner Meinung nach um einen gutgemeinten Apell der theoretischen Machart, der aufgrund der weltweiten wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen kaum eine besondere Beachtung finden wird.

Inflation, Energie- und Nahrungsmittelkrise, Pandemie-Spätfolgen, der Krieg in der Ukraine und die mögliche Auseinandersetzung zwischen China und Taiwan lähmen die unterschiedlichen Reformvorhaben der OECD Mitgliedsstaaten und man ist nur noch darauf bedacht, die nächsten Jahre ohne grössere Kollateralschäden zu überstehen und nehmen billigend in Kauf, dass die ökologische Nachhaltigkeit dabei nicht wie geplant gewährleistet werden kann. Man ist in erster Linie darauf bedacht, die nationale Energieversorgung zu sichern, wobei fossile und nukleare Energieträger weiter berücksichtigt werden und man sich den Vorgehensweisen der beiden anderen Welten annähert und sich selbst der Nächste ist bzw. sein muss.

Die Investitionen für die Massnahmen zur Gewährleistung der inneren und äusseren Sicherheit sowie der Energie- und Nahrungsmittelversorgung steigen ins Unermessliche und führen dazu, dass für die Umsetzung vieler sozialer Ziele keine ausreichenden monetären Mittel zur Verfügung stehen und diese nur unzureichend oder gar nicht erfüllt werden können. 

Die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung der UN

Diese 2030-Agenda, die am 25. September 2015 beim UNO Nachhaltigkeitsgipfel der Staats- und Regierungschefs verabschiedet worden ist, soll einen Meilenstein der internationalen Zusammenarbeit darstellen.

Zielsetzung ist es, die globale Entwicklung sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig zu gestalten und somit die längst überfällige Transformation der Volkswirtschaften hin zu einer deutlich nachhaltigeren und inklusiveren Entwicklung kräftig voranzutreiben. Klimawandel, Verlust von Biodiversität, Armut, Hunger und häufig mit hohem Ressourcenverbrauch verbundenes Wirtschaften zeigen, dass weltweit umgesteuert werden muss.

Die 2030-Agenda folgt hierbei dem Grundsatz, auch die Schwächsten und Verwundbarsten der Welt mitzunehmen und hat den Anspruch, auch kommenden Generationen die Chance auf ein erfülltes Leben zu sichern.

Es werden darin fünf Kernbotschaften zur Handlungsorientierung benannt

Menschen (People) – Armut und Hunger in allen ihren Formen und Dimensionen soll ein Ende gesetzt werden, damit alle Menschen ihr Potential in Würde und Gleichheit und in einer gesunden Umwelt voll entfalten können.

•Planet (Erde) – Diesen vor Schädigung zu schützen, u. a. durch nachhaltigen Konsum, Produktion und Bewirtschaftung seiner natürlichen Ressourcen sowie Durchführung umgehender Massahmen gegen den Klimawandel, zur Deckung der Bedürfnisse heutiger und kommender Generationen.

•Wohlstand (Prosperity) – Sorge zu tragen, dass alle Menschen ein von Wohlstand geprägtes und erfülltes Leben geniessen können und sich der wirtschaftliche, soziale und technische Fortschritt in Harmonie mit der Natur vollzieht.

•Frieden (Peace) – Förderung von friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften, die frei von Furcht und Gewalt sind. Ohne Frieden kann es keine nachhaltige Entwicklung geben und ohne nachhaltige Entwicklung keinen Frieden.

•Partnerschaft (Partnership) – Die Mobilisierung der benötigten Mittel, für die Umsetzung dieser Agenda durch eine mit neuem Leben erfüllte Globale Partnerschaft der nachhaltigen Entwicklung und Solidarität. Die Beteiligung soll durch alle Länder, alle Interessenträger und alle Menschen erfolgen und auf die die Bedürfnisse der Ärmsten und Schwächsten ausgerichtet sein.

Mit 17 Nachhaltigkeitszielen, den Sustainable Development Goals (SDGs), hat sich die Weltgemeinschaft erstmals auf einen universalen und alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen einschliessenden Katalog von festen Zeitzielen geeinigt, der die internationale Zusammenarbeit in zentralen Politikbereichen in den nächsten Jahrzehnten massgeblich prägen wird.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele sind:

OECD und UNO im Gleichschritt

Dieses politische UN-Manifest und der OECD Bericht „Jenseits des Wachstum“, kommt einer gebetsmühlenartigen Beschwörung zum Kampf gegen den Klimawandel und der überfälligen Modernisierung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gleich.

Die umweltgerechte und nachhaltige Transformation wird als überfällig und unverzichtbar angesehen und die Solidarität und persönliche Einschränkung wird in den Vordergrund gestellt.

Die sieben Energie- und Landnutzungssysteme, die für die globalen Emissionen verantwortlich sind, Energie, Industrie, Mobilität, Gebäude, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Landnutzung sowie Abfall, müssen alle transformiert werden, um Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

Zu den wirksamen Massnahmen zur Beschleunigung der Dekarbonisierung gehört die Verlagerung des Energiemixes weg von fossilen Brennstoffen sowie die Steigerung der Energieeffizienz und Steuerung der Energienachfrage durch geringeren Verbrauch von weniger emissionsintensive Gütern.

Die Anpassung der industriellen und landwirtschaftlichen Verfahren durch Nutzung der Kreislaufwirtschaft zur Rohstoffeinsparung durch Recycling und Abfallverminderung sind flankierende technologische Eingriffe, mit denen Emissionen jeglicher Art signifikant reduziert und vermieden werden können.      

Dieses auf Freiwilligkeit aufgebaute Szenario hat durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg ein vollkommen neues Drehbuch bekommen und es besteht die Gefahr, dass ein Grossteil der Kernbotschaften, Narrative und Nachhaltigkeitsziele zu einer der Realität geschuldeten Makulatur verkommen und wie Seifenblasen zerplatzen werden.

Wir müssen erkennen, dass zum ersten Mal seit Beendigung des zweiten Weltkrieges, unsere Politik dem Bürger keine bessere Zukunft mit steigendem Wohlstand in Aussicht stellen kann, wenn sie sich nicht von ihren ideologischen Scheuklappen befreit und das notwendige Realitätsbewusstein an den Tag legt.

Deshalb benötigen die anstehenden Generationenprojekte handlungsstarke Akteure, um bisherige Fehleinschätzungen und Fehlausrichtungen noch rechtzeitig korrigieren zu können. Die Projekte sind im Kern von erstrebenswerter Wichtigkeit, wenn sie in allen relevanten Bereichen eine redundante, vielfältige und eigenständige energetische Autarkie sicherstellen könnten, was nachweislich nicht der Fall zu sein scheint.

Die offensichtlich epochal gefährdete Energieversorgung Deutschlands darf sich nicht zu einem aussen-, wirtschafts- sowie energiepolitisches Verhängnis entwickeln und uns in eine Sackgasse manövrieren, aus der es kein akzeptables Entkommen gibt.

Entgegen vielen politischen Verlautbarungen ist eines sicher, ohne tageszeitlich beliebig, quantitativ hinreichend und gesichert verfügbare Elektroenergie treten alle anderen dringlichen Vorhaben in den Hintergrund. Das Generationenprojekt Energiewende braucht Fantasie, Wissenschaft, Technik und auch Utopisten, aber keine von Ideologien fehlgeleitete Energieexperten.

Alle Länder der Erde, egal in welchen Welten, sind dem gleichen Dilemma ausgesetzt und auch die „reichen“ OECD Länder befinden sich in einem energetischen Zwangskorsett, welches die geforderte Nachhaltigkeit in einigen Punkten nicht erfüllen kann und man viele Abstriche in Kauf nehmen muss.

Aus relativem Überfluss ist ungewohnter Mangel geworden und die Abschwächung des BIP-Wirtschaftswachstums und eine Beschleunigung der Inflation ist raue Wirklichkeit geworden

Die besorgniserregenden Länder der zweiten Welt, denen die demokratischen Prinzipien unbekannt sind, haben keine Probleme damit und verfolgen ihre autokratischen Ziele ohne irgendwelche Rücksichtnahme. Anstatt die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, werden weiter Kraftwerke mit fossilen und nuklearen Energieträgern installiert und auch der unkontrollierte Raubbau an Natur und Umwelt wird unvermindert weiterbetrieben.

Das Ökosystem wird dabei so belastet, dass die Menschheit rein rechnerisch bald die Kapazität von bis zu zwei Erden benötigen wird.

Wirtschaftsmodell der Donut-Ökonomie

Die Britin Kate Raworth stellte im März 2018 mit der Donut-Ökonomie ein von ihr entwickeltes Wirtschaftsmodell vor, das die Probleme der aktuell von Wachstum und Kapitalismus geprägten Systeme lösen soll.

Als Modellgrundsatz dient der Donut (kleiner runder Ring-Kuchen mit süsser Füllung, auch Doughnut genannt) als Metapher und das leere Loch in der Mitte symbolisiert unsere ökologischen Grenzen der endlichen Ressourcen, des Klimawandels und der Umweltverschmutzung.

Diese Grenzen gilt es nicht zu überschreiten, wobei man gleichzeitig die Bedürfnisse der Gesellschaft erfüllen muss, was vom Innern des Donuts versinnbildlicht wird.

Die Donut-Ökonomie folgt dem Leitgedanken, dass man sich von dem aktuellen Wirtschaftssystem, das die Götzen Wachstum, Materialismus und Kapitalismus als Basis hat, welche keine Rücksicht auf Krisen wie den Klimawandel nimmt.

Dabei müssen die Ziele der Wirtschaft neu definiert werden und die Natur und Ihre Ressourcen müssen mehr in den Fokus rücken und die Wirtschaft soll nicht mehr als abgekapseltes System betrachtet werden, sondern im Einklang mit der Umwelt.

Das Streben nach Gewinn darf nicht im Vordergrund stehen und die Verantwortung einen positiven Beitrag für eine lebenswerte Welt zu leisten muss Priorität haben. Gemeint damit ist in erster Linie eine gerechtere Umverteilung von Ressourcen und die Schere zwischen reich und arm muss vermindert werden.

Allen Menschen müssen die wesentlichen Lebensgrundlagen zur Verfügung stehen und gleichzeitig muss die Wirtschaft sicherstellen, dass sie dabei die lebenserhaltenden Systeme der Erde nicht überstrapaziert.

Die Donut-Ökonomie lehnt sich an die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen an, die in der Agenda 2030 niedergelegt sind. Sie ist mit ihrer Wachstumskritik jedoch nicht allein, da mehrere alternative Wirtschaftstheorien die These des fortwährenden Wachstums als Motor für Wohlstand in Frage stellen. Dazu gehören unter anderem die Gemeinwohl-Ökonomie nach Christian Felber oder die Postwachstumsökonomie nach Niko Peach, die ohne Konsumzwang auskommen.

Die einen sprechen von einem menschlichen Wohlergehen in einem blühenden Netz des Lebens, die anderen von einem Gemeinwohl, das alles Leben einschliesst und dieses demokratisch definiert, was assoziiert, dass ein erfülltes Leben, das auf permanentem Wachstum basiert, nur durch Staatsschulden erkauft werden kann, was sicherlich nicht von der Hand zu weisen ist.

Diese ganzheitlichen Theorien wurden bis vor dem Ausbrechen der Pandemie und des Ukraine-Krieges von vielen Staaten und Kommunen als eine erstrebenswerte Vorgehensweise angesehen, da man noch über ausreichend monetäre Mittel verfügte, die es ermöglichten, einige der genannten Projektziele in Angriff zu nehmen und auch entsprechend finanzieren zu können.

Die Bemühungen, sich von energiepolitischen Abhängigkeiten zu befreien, die Nahrungsmittelversorgung durch angepasste landwirtschaftlichen Strukturen und Lieferketten zu gewährleisten und vor allem der hohe Investitionsbedarf für die innere und äussere Sicherheit sowie die permanent steigende Inflation, haben zu immensen Verschiebungen in den Haushalten geführt.

Die Schuldenbremsen wurden signifikant gelockert, es wurden Schattenhaushalte und Sondervermögen ins Leben gerufen, was eine hohe Überschuldung ohne Wachstum zur Folge hat und es unmöglich macht, die ursprünglich geplanten Zielsetzungen für eine von Nachhaltigkeit geprägte Zukunftsgestaltung umzusetzen.

Der Haushalt wird sich, da die ungeplanten Ausgaben zunehmen und sich die Inflation nur langsam abschwächen wird, zu einem Budget-Verschiebebahnhof erster Klasse entwickeln und viele Resorts werden eklatante Streichungen bei ihren geplanten Finanzierungsmitteln hinnehmen müssen.

Deshalb ist ein realitätsbezogener Kassensturz unvermeidlich, ebenso wie eine Korrektur der ursprünglichen Zielsetzungen unter Berücksichtigung der zukünftig zu erwartenden globalen Gemengelage.

Heile Welt Szenarien der unerfüllbaren Art

Für die meisten Länder ist die in Europa ausgerufene öko-soziale „Zeitenwende“ abstrakt und fern, da Anspruch und Wirklichkeit meilenweit voneinander entfernt sind und die Umsetzbarkeit der 17 Nachhaltigkeitsziele eine reine Utopie darstellen, ebenso wie die These „Gutes Leben für Alle“.

Aus den Erfahrungen der vergangen Wirtschaftskrisen ist anzunehmen, dass die neue Wirklichkeit einen dynamischen Kettenreaktionsprozess bewirken wird und dieser sich prognostisch nicht in absoluten Zahlen ausdrücken lässt.

Niemand kann wirklich vorhersagen, was an Verzicht und Entbehrungen auf uns zukommt, wie lange dieser Zustand anhalten wird und/oder ob wir uns auf ein strukturell nachhaltiges Absenken des Lebensstandards und der Altersvorsorge einrichten müssen.

Was für uns „Wohlstandsbürger“ als wenig akzeptabel und unzumutbar angesehen wird, droht sich für die Länder der Dritten Welt, allen voran die meisten afrikanischen Staaten, zur puren Katastrophe zu entwickeln.

Weltweit waren in den letzten Wochen Millionen von Menschen von Hilfsgüter-Kürzungen betroffen und konnten sich den Kauf von Lebensmitteln kaum mehr leisten, da der Ukraine-Krieg ist zu einem Brandbeschleuniger des Hungers auf der Welt geworden ist.

Er macht deutlich, wie fragil die globale Energie- und Nahrungsmittelversorgung ist. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP – World Food Program) rechnet damit, dass die Zahl der Hungernden im laufenden Jahr weltweit um bis zu 47 Millionen steigen wird. Damit könnten Ende dieses Jahres 323 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein, mehr als jemals zuvor und Gefahr einer „Hunger-Pandemie“ nimmt drastisch zu.

Für diese Länder geht es um das reine Überleben und dieses kann nur einigermassen gesichert werden, wenn sie von den (noch) „reichen“ Ländern die dringend benötigte Unterstützung bekommen, um eine Infrastruktur der eigenständigen Versorgung schaffen zu können. Inwieweit diese mit einigen der von uns propagierten Nachhaltigkeitszielen vereinbar sind, dürfte für diese Länder von untergeordneter Bedeutung sein, falls wir beckmesserisch in Erwägung ziehen, dass der Erhalt des Klimas grösser und wichtiger als die Gesamtentwicklung im Land sein muss.

Dies würde eine neue Form des Kolonialismus darstellen und bedeuten, dass wir den Staaten vorschreiben wollen, wie sie ihre Energieprobleme zu lösen haben. In der Tat ein sehr zweischneidiges Schwert, da viele Staaten in die Hände und Abhängigkeiten von autoritären Geldgebern und Ausbeutern getrieben werden, was genau das Gegenteil bewirken würde.

Gutes Beispiel ist die Absicht von Uganda und Tansania unbedingt die 1.445 Kilometer lange und beheizte East African Crude Oil Pipeline (EACOP) zu bauen, die vom französischen Ölkonzern Total und der China National Offshore Oil Corporation sowie verschiedenen Banken vorangetrieben wird und die grosse grenzüberschreitende, umwelttechnische Schäden verursachen könnte.

Sollte, trotz der berechtigten Proteste vieler Umweltorganisationen, diese Pipeline verwirklicht werden, dann wäre dies ein herber Schlag gegen eine nachhaltige Energiezukunft für Ostafrika und könnte als schlechtes Vorbild für andere Staaten gelten, welche sich mit ähnlich umweltschutzgefährdenden Vorhaben beschäftigen und aus purem Eigennutz beabsichtigen die Nachhaltigkeit zu ignorieren.

Wenig hilfreich ist deshalb besonders der Instagram-Video-Kommentar der, immer idiotischer werdenden Umweltamazone Luisa Neubauer, die darüber nachdenkt diese Pipeline in die Luft jagen zu wollen (to blow up), was nicht mit „Ironie oder schlechtem Scherz“ entschuldigt werden darf.

Bei aller berechtigter Kritik darf man nicht ausser Acht lassen, dass Uganda als eines der ärmsten Länder der Welt gilt und bezahlbare Energie ein Sprungbrett für die Region werden soll. Der Pipeline-Bau würde 15.000 Menschen Arbeit geben und nach der Fertigstellung soll das Projekt 1.000 bis 2.000 permanente Jobs bieten.

Der ugandische Bürger produziert lediglich 0,13 Tonnen CO2 pro Jahr im Gegensatz zu den ca. 9,5 Tonnen des deutschen Bundesbürgers. Will man, dass der schwarze Mann weiterhin in seinem klimaneutralen Kraal haust und seine klimaneutralen Ziegen züchtet und ihm der Zugang zu internationalen Märkten mit fairen Bedingungen verwehrt bleibt?  

Anstatt sich mit solchen polemischen und ökoterroristischen Aussagen zu prostituieren, wäre es wesentlich sinnvoller mit machbaren und ähnlich effizienten Alternativvorschlägen, um die Ecke zu kommen, um den Staaten zu zeigen, dass man ihre Anliegen als sehr wichtig ansieht und bereit ist möglichst umweltgerechte und vor allem auch kurzfristig realisierbare Ersatzlösungen zu bieten.

Die mangelnden Nahrungsmittel- und Energieversorgung der Entwicklungsländer kann auf Dauer nur gemildert und behoben werden, wenn der immer noch zunehmenden Überbevölkerung Einhalt geboten werden kann und in den betreffenden Ländern eine effiziente Geburtenkontrolle erfolgt.

Fakt ist und bleibt, wer nicht für sich selbst ausreichend sorgen kann, wird sich am Ende immer auf der Verliererseite wiederfinden, egal ob gewollt oder ungewollt.  

Die „egoistischen Gene“ der Marktführer sorgen, gepaart mit den Elementen eines sozial-ökonomischen Darwinismus dafür, dass Unternehmen und auch Staaten, die nicht bereit sind, sich diesem erwerbswirtschaftlichen Prinzip auf Dauer zu unterwerfen, entweder vom Wettbewerb geschluckt oder ganz von der Landkarte verschwinden werden.

Die unsichtbare Hand des Marktes wählt sich die besten und anpassungsfähigsten Teilnehmer aus und schlechtesten werden aussortiert.

Um überleben zu können, muss dem darwinistischen Paradigma der Industriestaaten, das Entwicklungsland einen individuell opportunistische Verhaltenskodex entgegenstellen, der ihm auch Vorteile zugesteht, welche es mittelfristig in die Lage versetzt, eigenständig sein Schicksal meistern zu können und seinen Platz in einem fairen Markt zu finden.

Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes hat für diese Art von wettbewerbsintensiver Realität, die mit geringerer wechselseitiger Loyalität gekoppelt ist und daraus keine Stammplatzgarantie abgeleitet werden kann, das Kunstwort „Darwiportunismus“ erfunden, welches je nach Gewichtung konkret beobachtbare Situationen schafft, bei denen die Tendenzen des Darwinismus und der Opportunität unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Der Kampf der Entwicklungsländer um ein lebenswertes Dasein wird sich deswegen mit dem freien Spiel der wirtschaftlich gesteuerten Kräfte von demokratischen Geberländern nur schwer gewinnbringend realisieren lassen, weil er einen grossen Aufwand erfordert und deswegen nur wenig Begeisterung erfahren wird.

Was die Länder weiterhin benötigen sind offene Märkte und keinen staatlichen „Multilateralismus“.   Die Verbesserungen der Ernährungssituation der letzten Jahrzehnte ging auf mehr Marktwirtschaft und weltweiten Handel zurück, nicht auf UNO-Gremien und „globale Bündnisse“.

Die Landwirtschaften müssen sich von der selbstversorgenden Bedarfswirtschaft und den ineffizienten kleinstbäuerlichen Strukturen befreien und unternehmerisch tätig werden, wo der erhöhte Einsatz von Maschinen, modernem Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmittel gefragt ist.

Man muss aber die Bereitschaft zeigen sich von einer übertriebenen „Klimaschutzkompatibilität“ zu verabschieden, da dies für eine leistungsfähige Landwirtschaft illusorisch und kontraproduktiv ist. Es darf aber auch keine „Biopiraterie“ betrieben werden, welche der klein bäuerlichen Landwirtschaft den Garaus macht, aber bei einer gerechteren Land- und Ressourcenverteilung in der Lage wäre, in genügendem Masse Lebensmittel in naturverträglicher Qualität für die nachbarschaftlichen Regionen zu erzeugen.

Die westlichen Demokratien müssen dies schnell erkennen und Perspektiven bieten, oder China wird sich in Afrika mit der Politik der „Neuen Seidenstrasse“ immer breiter machen, was nicht selbstlos und zu unserem Nachteil sein wird. China nutzt die Schwächen, Probleme und EU-interne Konflikte aus, macht attraktive Angebote, wobei man Abhängigkeiten schafft und politischen Einfluss gewinnt.

Es ist weiterhin zu befürchten, dass die Chinesen den Öffnungskurs von Deng Xiaoping nicht weiter fortsetzen und Wege beschreiten werden, bei denen zwar eine Versorgung mit Waren und Dienstleistungen erfolgt, aber gleichzeitig auch die Beschädigung von demokratischen Grundwerten und deren Unterwanderung angestrebt wird.

Der Ökonomie wird nach wie vor eine grosse, aber keine allseits dominante Bedeutung mehr eingeräumt werden und der Krieg wird für China, ebenso wie es bei Putin der Fall ist, kein Desaster, sondern die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln darstellen.

Die Handelspartner werden gleichzeitig als Rivalen angesehen und der Weltfrieden wird als nicht endgültiger Zustand eingestuft.

Deshalb dürfte es auch illusorisch sein anzunehmen, dass China eine neutrale Vermittlungsrolle bei dem Ukraine-Krieg einnehmen wird, da man ideologisch klar auf der Seite Russlands ist und darüber hinaus eine Annektierung Taiwans zum Ziel hat.

Wenn wir in Europa nicht willig sind, rechtzeitig vorausschauend zu handeln, werden illegale Massenmigrationen weit über die Staaten des Maghreb hinaus, in Form von gigantischen Völkerwanderungen, stark zunehmen und unsere zu grosszügige Migrations- und Asylpolitik unweigerlich zum Scheitern bringen.

Da werden keine Abschiebungen in die Herkunftsländer helfen und die Aufforderungen an die afrikanischen Staaten, die Kontrolle ihrer Aussengrenzen zu verstärken, nur einen symbolischen Akt darstellen, ebenso wie die Überwachung der Seewege mit modernen Überwachungsgeräten.

Die Integrationspolitik wird sich zu einer eklatanten Bedrohung der inneren und äusseren Sicherheit in den Einwanderungsländern entwickeln und es ist zu befürchten, dass die bedrohten Bürger zunehmend zur Selbsthilfe sprich Selbstjustiz tendieren und mit Bürgerwehren Übergriffe gewalttätig randalierender Immigranten verhindern wollen.

Eine daraus resultierende zu starke ethnisch-kulturelle Diversität würde den sozialen Zusammenhalt der Zivilgesellschaft bedrohen und zusätzlich die Grundlagen des Wohlstands/Wohlergehens zerstören.

Die zwischenstaatlichen Beziehungen der EU-Mitgliedsstaaten würden über Gebühr strapaziert und zu grossen Unstimmigkeiten führen, die ja heute schon in abgeschwächter Form zu verzeichnen sind, wenn man sich die Situationen am Süd- und Nordrand des Mittelmeers und den miserablen und menschenunwürdigen Zustand der Flüchtlingsauffanglager vor Augen führt.

Realistische Quintessenz

Wie in diesem Blogbeitrag zu ersehen ist, verfügen wir über viele theoretische Konzepte, die uns aufzeigen, dass wir Menschen die existenziellen und planetarischen Grenzen auf unserer Erde selbst gestalten können und der wirtschaftliche Wohlstand zu einem sozialen Wohlergehen der Gleichheit mutieren kann, bei dem die Kluft zwischen Arm und Reich weitestgehend geschlossen wird. 

Diese Wirtschaftstheorien werden allerdings nicht realisiert werden können, da der Ukraine-Krieg aufgezeigt hat, dass sich die Staatsgewaltachsen der Welt in wirtschaftlicher, machtpolitischer und gesellschaftlicher Hinsicht eklatant verschoben haben.

Die westliche Welt kann nicht mehr davon ausgehen, dass grosse und kleine Mächte ausserhalb der demokratischen Ordnung ihre Politik vorrangig am Schutz der Menschenrechte ausrichtet und dem Selbstbestimmungsrechts der Völker, der Stabilität der bestehenden territorialen Gefüge sowie einem freien, unverfälschten Freihandel bzw. dem Klimaschutz besondere Priorität einräumen.

Eine kosmopolitische Ordnung unter dem Schutz einer reformierten UNO mit einer Weltgerichtsbarkeit nach Massgabe der Menschenrechtserklärung ist eine unrealistisches Vision, bei der nicht einmal klar ist, ob diese wünschenswert wäre.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben diese Entwicklung der Achsenverschiebung vorhergesehen, sich deshalb aus dem Nahen Osten und Afghanistan verabschiedet und Zeichen gegeben, dass man auch gewillt war, die militärische Präsenz in Europa zu reduzieren, was allerdings durch den Ukraine-Krieg vereitelt bzw. aufgeschoben wurde.

Man hat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion unbestritten die globale Ordnung dominiert, was aber durch das imperialistische Verhalten von Wladimir Putin wieder in Frage gestellt wird, da sich China nicht vom ihm distanziert und vermutlich sich Taiwan einverleiben will.

Es ist deshalb sehr fraglich, wie der neue, daraus resultierende Weltordnungsrahmen aussehen wird und ob überhaupt noch gemeinsame Krisenbekämpfungen möglich ist, wie es die G20-Staaten bei der Finanzkrise im November 2008 schnell und effizient getan haben. 

Eines muss aber jedem klar sein, dass keine der globalen Herausforderungen, ob Klimawandel, Massenvernichtungswaffen, Frieden oder Terrorismus, ohne oder gar gegen China gut zu meistern sind.

Obwohl die Aufgaben zunehmen werden, die durch die Pandemie, den Klimawandel und das Zerstören von Lieferketten ausgelöst wurden und die eigentlich nur im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit gelöst werden können, scheint es offensichtlich, dass die Fähigkeiten eines gemeinsamen Handelns immer unwahrscheinlicher werden.

Fatal wäre es für Europa, wenn die Suche nach Handlungsmustern der neuen Balance, welche Konfrontation, Wettbewerb und Kooperation umfassen, auf dem unausgesprochenen Konsens beruhte, dass China, deren abhängigen Sympathisanten und die USA dabei jeweils nur ihre eigene Interessenssphäre im Blick hätten und die globalen Auswirkungen vernachlässigten.

Die EU liefe dann Gefahr, ins Abseits zu geraten. Die Verschiebung der Lieferketten würden grosse Nachteile mit sich bringen und Produkte aus der EU tendenziell an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, woran auch die bestehenden oder beabsichtigten Freihandelsabkommen nichts ändern könnten.

 Europa muss zusätzlich auch davon Abstand nehmen, speziell die Entwicklungsländer permanent „europäisieren“ zu wollen und muss mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der indigenen Bevölkerungen nehmen sowie ihre Kulturen respektieren.

Es wird in allen permanent von Transparenz und Mitentscheidung gesprochen, doch welche dafür notwendigen Indikatoren Priorität haben sollen und wie eine konkrete Umsetzung erfolgen soll, ist in einem nebulösen Raum angesiedelt, der für den Normalbürger nur schwer zu durchschauen ist.

Wir werden in dem Medien mit den abstrusesten Informationen und Meinungen zugemüllt und in den TV- Talkshows findet nach dem Krieg der Virologen nun ein Krieg der Ökonomen und Waffenexperten statt, der sich zu einem unappetitlichen Überbietungswettbewerb entwickelt, bei dem uns jede Menge Statistiken um die Ohren gehauen werden, welche von den unterschiedlichsten Betrachtungsperspektiven ausgehen und zum Teil von diametraler Diskrepanz sind.

Wenn dieses ökonomische „Expertentum“ des fehlenden Konsenses, dazu taugen soll, die Legitimation der aktuellen und zukunftsorientierten Politik zu manifestieren und eine bestimmte Schule der modernen Wirtschaftswissenschaft auf Linie zu bringen, werden wir eine Epoche der genau gegensätzlichen Ideen zur Ordnung der globalen Wirtschaft erleben, die auf Konfusion basiert und internationale Grabenkriege befeuert.

Es macht sich deshalb der Eindruck breit, dass die Wirtschaftswissenschaften und ihre sozial-ökonomischen Konzepte in Krisenzeiten, so wie es bereits in der Vergangenheit der Fall war, versagen und man sich nicht auf ihre Prognosen und Abhilfemassnahmen verlassen kann.

Das hat zur Folge, dass der Kampf um die Vorherrschaft eher konservativer oder eher progressiver Weltdeutungen heute in besonderem Maße auf dem Feld der visionären Wirtschaftstheorien ausgefochten und dabei der Klimawandel als fadenscheiniges Alibi missbraucht wird.

Konsequenzen für Deutschland

Grünes Wachstum kann und darf nicht bedeuten, dass sich ein nationaler „Sozial Veganismus“, ohne einer kontrollierten und integrierten Viehbewirtschaftung etabliert und uns der natürlichen Lebensgrundlagen beraubt.

Dem Bürger Verzicht näher zu bringen, indem man die Preise der Konsumgüter so in die Höhe treibt und die Kaufkraft so schwächt, dass sich die Mehrzahl diese nicht mehr leisten können, ist ein Verbrechen an der Bevölkerung.

Nationale Schutzmassnahmen und ein brutaler Verdrängungswettbewerb werden das wirtschaftliche Szenarium beherrschen, bei dem nur das eigene Wohl im Vordergrund steht und die internationale Solidarität nur ein Schattendasein führen wird.

Die Konzepte der Postwachstumsökonomie und die Agenden der Nachhaltigkeit jenseits des Wachstums, haben durch die Unwucht des globalen politischen Räderwerkes einen dramatischen Dämpfer bekommen. Sie müssen einen Rückschritt erfahren, der neue, angepasste Überlegungen notwendig macht, die wenigstens einigermassen in dem ursprünglich geplanten Umfang umsetzbar sind.

Nicht nur in Deutschland, sondern auf der gesamten Erde macht sich zunehmend Unzufriedenheit breit und es herrscht jede Menge Angst vor einer Zukunft mit Inflation und sozialem Abstieg, vor Depression, gesellschaftlicher Bedrohung und Krieg. Zusammen mit der Angst vor Knappheit und Verzicht, dem Verlust von Sicherheit, Arbeit und Wohlstand, spielt die Kontemplation der OECD, der UNO und ihrer ideologischen Ableger nur eine untergeordnete Rolle in den Zukunftsplanungen zur Existenzsicherung.     

Sie konvertieren somit zu nationalen und kommunalen Nischenlösungen, die auf die globale Entwicklung im Bereich der Wirtschaft und des Umweltschutzes nur eine minimale Auswirkung haben und nur wenige Nachahmer finden werden.

Wir müssen erkennen, dass der weltweite Energieverbrauch stetig steigt und ein Ende nur abzusehen ist, wenn die Energie für viele unbezahlbar geworden ist.

Erfreulich ist, dass der Ausbau der sogenannten Erneuerbaren Energien sich ebenfalls im Steigen befindet, aber trotzdem nur einen sehr kleinen Teil des globalen Bedarfs abdeckt und dies auch für Deutschland zutrifft.

Ihr Anteil am Verbrauch stagniert, wenn man dem Statusbericht des Netzwerks REN21 (Renewable Energy Policy Network for the 21st Century – Netzwerk für erneuerbare Energien des 21. Jahrhunderts) Glauben schenken darf.

Wir befinden uns auf dem Stand von 2009 und es besteht eine beängstigende Kluft zwischen ideologischem Wollen und tatsächlichen Handeln.

Trotz des starken Ausbaus von Windkraft- und Solaranlagen mit allen dazugehörigen Kollateralschäden, schaffen es die „Erneuerbaren“ nicht im Ansatz den weltweiten Stromhunger zu stillen. REN21 ist der Meinung, dass „Eine Energiewende bei uns nicht stattfindet“, da der Energiebedarf schneller wächst als die Produktion der Wind- und Solarparks und damit rückt der geforderte Abschied der fossilen Brennstoffe weiter in die Ferne.

Zwar stieg der Anteil der „Öko-Energien“ im vergangenen Jahr auf 12,6 Prozent, doch sei das größtenteils auf das Verbrennen von Biomasse zurückzuführen, eine Energieerzeugung, die vielfach in der Kritik steht.

Der zweitgrößten Anteil, mit popeligen 3,9 Prozent, stammt aus Wasserkraftanlagen. Die in Deutschland penetrant propagierten Solar- und Windkraftanlagen fallen zusammen mit der Geothermie mit einem weltweiten Anteil von mageren 2,8 Prozent und somit in die Sparte „Sonstiges“.

Wie die Autoren von REN 21 weiterhin bilanzierten, war die Nutzung der erneuerbarer Energien im Stromsektor zwar am höchsten, doch der Elektrizitätssektor macht nur 17 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs aus.

Die in Deutschland geführten Energiedebatten, die von interessengeleiteten Auslegungen („Framing“) und Statistiken nachhaltig verzerrt werden, führen zu total ernüchternden Erkenntnissen, weil die eigentlich bittere Wahrheit verschwiegen wird.

Die von einigen Naturschutzorganisatoren als zerstörerisch angesehene Windkraft deckte im vergangenen Jahr lediglich 3,4 Prozent des deutschen Primärenergiebedarfs und die Fotovoltaik nur bescheidene 1,4 Prozent.

Wenn die Entwicklungen auf dem globalen Energiemarkt so weiter gehen und sich das Festhalten an der Windenergie für uns schlussendlich als teuren Flop erweisen sollte, dann werden wir auch als Konkursmassenverwalter der grünen Wasserstofftechnologie in die Geschichte eingehen. Sie wird sich schlicht und ergreifend als unbezahlbar erweisen, weil wir als selbsternannter Weltmarktführer nicht in der Lage sind, die dafür notwendigen Investitionssummen aufbringen können, ohne dabei andere wichtige Problemfelder total zu vernachlässigen. 

Selbst 100 Prozent Erneuerbare Energie wird uns nicht retten und durch exzessiven Landschaftsverbrauch möglicherweise sogar grosse Probleme verursachen, wenn nicht parallel zum Technologiewechsel auch der Konsumwechsel stattfindet.

So ist es mehr als angebracht dafür zu sorgen, dass wir nicht als Opfer von Gesellschaftsexperimenten einer falsch verstandenen Klimawandel-Ideologie und einem geopolitischen Tunnelblick werden und uns, was speziell das Verhältnis zur Ukraine und Russland anbelangt, Nachteile einhandeln, die nur schwer korrigierbar sind und die BRD zu einem gescheiterten Staat werden lassen.

Wir müssen höllisch aufpassen, dass das drohende kommunikative Totalversagen, das stoisches Aussitzen von Problemen und die mangelnde Führungsstärke unserer Regierung, was in besonderem Masse auf das Endloszaudern unseres Papiertiger-Kanzler zutrifft, uns nicht in ein europäisches und somit auch globales Hintertreffen führt und mit Glaubensverlusten einhergeht, die unsere moralisch-ethische Kreditwürdigkeit zusätzlich nachhaltig beschädigt.

Wer nicht in der Lage ist, die unterschiedlichen Ansichten der Minister für Wirtschaft und Finanzen unter einen Hut zu bringen und deshalb die gegenseitigen Schuldzuweisungen für falsch gepolte Massnahmen der „Schlimmbesserung“ permanent zunehmen, wird es nicht schaffen, den vorherrschenden organisierten Dissens einzudämmen und dies hauptsächlich. weil sich zu viele Zivilversager als Ökonomen berufen fühlen. 

Es ist und bleibt illusorisch und weltfremd, den modernen Wirtschaftskonzepten das hohe Lied der Nachhaltigkeit zu singen, die das BIP-Wachstum (Bruttoinlandsprodukt) als irrelevant ansehen und dieses nur als Bezugsgrösse für Steuern und der Geldmenge betrachten. Ein Irrglaube ist ebenso eine 20 Stunden Arbeitswoche anzustreben, um mehr Zeit für eine Umverteilung in Richtung Selbstversorgung und der musischen Beziehungspflege des Gemeinwesens zu haben, um damit ein gutes Leben für Alle zu erreichen.

Wenn wir erlauben, dass Einkommen, Eigentum, Unternehmensgrösse und Erbschaften („demokratisches Mitgift“) als negative Rückkopplung betrachtet wird, welche die Ungleichheit der Gesellschaft fördert und ausweitet, dann hat dies mit einer Gestaltung von souveräner Demokratie nichts mehr zu tun und ist autokratischer Sozialismus in Reinkultur.  

Unser Staatsquote, welche das Verhältnis zwischen den Staatsausgaben und dem BIP beschreibt, hat in den beiden letzten Jahren einen Wert von über 50 Prozent erreicht. Das ist ein klares Zeichen für die Inkompetenz der „ausführenden Regierungsorgane“, die einen Mangel an Realitätssinn, welcher leider auch in einem grossen Teile der gesinnungsgeformten Bürgertums zu verzeichnen ist, aufweist und vermutlich weiter voranschreiten wird. Die DDR 2.0 lässt bald grüssen.

Der Staatsapparat ist zu einem fetten Moloch im Nest des Bürgertums geworden, der Wasser predigt und Wein trinkt und von den Steuerzahlern durchgefüttert werden muss. Die Regierungen, Behörden und Beamte werden immer mehr ausgeben und riesige Schuldenberge anhäufen, welche die Bürger durch Arbeit und Mehrwertschöpfung erwirtschaften und abbauen müssen.

Schönwettertheorien jenseits des Wachstum zu verwirklichen, die auf einer Mangelwirtschaft und Zwangsumverteilung von Vermögen aufgebaut sind, werden alles andere als ein Wohlergehen bewirken und in einer Zivilgesellschaft der kollektiven Armut enden. Dies wird gut fürs Klima erweisen und das schrumpfende Wirtschaftswachstum der unfreiwilligen Art, wird dann automatisch zu einem verringerten Ausstoss von Treibhausgasen führen.

Die „für jeden etwas“ Philosophie der Ampel-Regierung birgt deshalb grosse Gefahren in sich. Faule Kompromisse, die aus ideologischen Erwägungen geschlossen werden, um das Stammklientel der einzelnen Parteien nicht zu verbrämen, werden sich als absolut kontraproduktiv erweisen, für soziale Unzufriedenheit sorgen und uns zu einem Volk der Schnäppchenjäger verkommen lassen.

Geopolitische Konklusion

Eine Tatsache wird sein, dass es nicht gelingen wird, die Grenzen, die uns die Erde aufzeigt und welche besonders von den totalitären Staaten nicht respektiert und oft sogar noch vorsätzlich ignoriert werden, zu einer freiwilligen Reduktion des Wirtschaftswachstums führen wird, egal wie die globalen Klimadiskussionen auch verlaufen werden

Die Politik der meisten Staaten ist und bleibt auf die Ökonomie ausgerichtet, sie wird von ihr begrenzt und nicht von der Schonung der Umwelt, sodass eine Ökologisierung der Steuereinnahmen eine Fiktion bleiben wird.

Die Aufrufe zur Verringerung des Bevölkerungswachstum, die Ermutigung der Menschen weniger zu arbeiten, die Bemühungen zum Abbau der Unterschiede im Wohlstand abzubauen, damit stabilere volkswirtschaftliche und sozial-ökologische Verhältnisse erlangt werden, dürften auch weiterhin in der grossen Bereichen der Weltgemeinschaft kaum Gehör finden.

Die Konzepte einer nachhaltigen Entwicklung werden von demokratischen Gesellschaften getragen, die sich leider mehr und mehr zu diffusen „Post- oder auch Scheindemokratien“ verwandeln, bei denen die eigentliche politische Gestaltung längst in den Händen weniger Interessenvertreter und Kapitalinvestoren liegt.

Drastisch abnehmende Wahlbeteiligungen, zunehmende Politikverdrossenheit, das Erstarken antidemokratischer Parteien belegen dies und sind eine deutlichen Zeichen dafür, dass nicht nur die totalitären Staaten mit ihren immensen Umweltbelastungen dafür sorgen, dass die Hoffnung für eine Welt, in der gleiche Entfaltungsmöglichkeiten für alle Menschen, das moralische Fundament einer humanen Weltgemeinschaft bilden, zu einer reinen Fiktion geworden ist.

Wenn zusätzlich „America first“ siegt und durch ein „China first“, „Ungarn und Polen first“, „Brasilien first“ und „Kapital first“ flankiert wird, dann stellt dies auch eine Absage an die Idee einer nachhaltigen Entwicklung und einen Verrat an den demokratischen Prinzipien dar.

Die sich dadurch neu entwickelnden Interessenlagen der unterschiedlichsten Art, erschweren die Umsetzung der grossen Transformation und den notwendigen ökonomischen, ökologischen, technologischen und sozialen Wandel in einer nicht berechenbaren Form, die alle bisherigen Prognosen zur Schaffung einer neuen Weltordnung ad absurdum führen.

Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass es sich bei diesen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen um eine moralische Revolution handelt, für deren Entwicklung und Verlauf der Philosoph und Historiker Kwame Anthony Appiah fünf Phasen beschrieben, die er ursprünglich für die Abschaffung der Sklaverei beispielhaft aufgeführt hatte.

Phase I: Ignoranz – Problem wird nicht gesehen

Phase II: Anerkennung, aber kein persönlicher Bezug

Phase III: Anerkennung des persönlichen Bezuges, aber Nennung von Gründen, warum kein Handeln    möglich ist

Phase IV: Handeln

Phase V: Im Rückblick: Unverständnis, dass die alte Praxis je bestehen konnte

Wenn man dieses Phasenschemata zum Beispiel nimmt, befinden wir uns momentan zwischen Phase zwei und drei und es ist zu befürchten, dass die Phase IV, wenn überhaupt, erst in vielen Jahren eintreten wird.

Ambitionierte, fortschrittswillige Staaten können sich in der langen Übergangszeit zu einer „Pionier-Allianz“ zusammenschliessen, müssen aber bedenken, dass alle Massnahmen zur Implementierung der nachhaltigen Wirtschafts- und Umweltschutzkonzepte mit hohen Investitionskosten verbunden sind. Die erzeugten Produkte werden teurer, was zu eklatanten Handelshemmnissen und Wettbewerbsnachteilen führen wird, deren Risiken speziell die global agierenden, multinationalen Konzerne nicht oder nur sehr zögerlich eingehen werden.   

Die unsichtbare Hand der Märkte wird, je nach politisch autoritärem Gusto, sich die besten und anpassungsfähigsten Teilnehmer aussuchen und schlechtesten werden aussortiert.

Fakt wird bleiben, wer nicht für sich selbst ausreichend sorgen kann, wird sich am Ende immer auf der Verliererseite wiederfinden, egal ob gewollt, ungewollt oder gezwungen.  

Konsum wird nur dann halbwegs zukunftsfähig bleiben, wenn das Einweg- und Wegwerfdenken im demokratischen Kosmos weiterhin konsequent durchbrochen wird und die natürlichen Ressourcen im Kreislauf gefahren werden. Ein zukunftsfähiger Lebensstil muss den Kauf der dafür „richtigen“ Produkte, einen „anderen“ Konsum und den bewussten „Nicht-Konsum“, umfassen.

Wenn dieser Neo-Konsumismus wohlbalanciert erfolgt, werden wir nicht in der drohenden Wachstumsfalle feststecken bleiben. Die Zukunftsängste werden sich entsprechend verringern und das Schreckgespenst der Ausgrenzung, der Gewalt und der Verteilungskonflikte wird nicht vorwiegend unser Leben bestimmen.

Für mich wird, aufgrund der immer komplizierter werdenden geopolitischen Entwicklung und demagogischen Blockbildungen, immer klarer, dass wir nur über einen bewussten und von ideologischen Verzichtszwängen befreiten Konsum, den Spagat hin zum transformativen Bürgertum schaffen können.

Die ökologische und soziale Ausrichtung des Konsums, würde die Unternehmen und staatlichen Institutionen veranlassen, die lokal angepassten Produkte mit einer geringeren Umweltbelastung, in den notwendigen Mengen zu produzieren und es würde sich zumindest in Teilbereichen eine nachhaltige Welt quasi von selbst einstellen und eine Wende zum „Guten“ bewirken.

Voraussetzung für diese Vorgehensweise muss aber sein, dass die Politik sich nicht aus ihrer Verantwortung stiehlt und dafür sorgt, dass die entsprechenden gesetzlichen Rahmen-Bedingungen dafür geschaffen werden.

Die Regierungsverantwortlichen müssen in erster Linie selbst lernen, wirtschaftlich und seriös mit den zur Verfügung stehenden Haushaltmitteln umzugehen und die populistische Politik der „bazookahaften Giesskanne“ und der inflationären Sondervermögen muss schnellstens ein Ende finden.

Dazu gehört aber auch die Erkenntnis, dass materialintensive, langfristige Kriege die grössten Ressourcenfresser sind und deren schädliche Umweltfolgen durch nicht mehr bewohnbare Regionen, verschmutzte Gewässer, ungeniessbares Trinkwasser, verseuchte Böden und brennende Wälder, dauerhaft negative Konsequenzen für Wasser, Land und Luft haben, welche auch noch Jahrzehnte nach Kriegsende deutlich spürbar sind.

Hinzu kommt, dass viele dieser Schädigungen nicht nur die Kriegsparteien betreffen, sondern auch die Nachbarstaaten und im Falle von Flüchtlingskrisen sich auch auf andere Länder auswirken, abgesehen von den finanziellen Mitteln, die für die Beschaffung von Kriegsgerät und anderen militärischen Einrichtungen aufgebracht werden müssen und nicht mehr für Nachhaltigkeitsprojekte zur Verfügung stehen und unweigerlich verloren sind.

Die Menschen sind Zukunftsatheisten, sie glaubten nicht an das, was sie wissen

Peter Sloterdijk, Philosoph

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2 Comments

  1. Das hast Du gut gemacht. Du hast die Optionen sehr gut und sher neutral und realistisch dargestellt. Deine eigenene Konklusionen sind nachvollziehbar, wenn auch nicht ohne Vorbehalte zu „unterscheiben“. Du hast bist auf wenige Ausnahmen auf den Dir sonst eigenen Duktus von Polemik verzichtet, was der Qualität des Artikels sehr gut tut. Die fünf Stern kommen von Herzen und sind sehr ehrlich so gemeint, egalob ich jetzt alles, was Du schreibst, teile oder nicht

    • Das ist mehr als ich zu erwarten hoffte. Ich bin der Letzte, der bei seinen Konklusionen den Anspruch erhebt, dass diese durchweg geteilt werden sollten. Mein Duktus der ureigenen Polemik, ist in dem Zorn begründet, dass unsere Politiker, durch die Bank weg, ein Sammelsurium von ideologisch verstrahlten Egoisten sind. Sie sind nur auf ihren Machterhalt fixiert und tragen ihre perfiden Spielchen zur Weltrettung weitestgehend auf dem Rücken des Bürgers aus. Sie ignorieren die Tatsache, dass überwiegend all ihre Massnahmen auf Kosten des Allgemeinwohls gehen und nehmen billigend in Kauf, dass sich die Situationen in den einzelnen Problem-Feldern kontinuierlich verschlechterten. Trotzdem ist man nicht bereit, die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen und die notwendigen Kurskorrekturen durchzuführen. Man beharrt apodiktisch auf den Standpunkten einer fehlgeleiteten Ideenlehre und verscherbelt lieber das staatliche Tafelsilber, als Bereitschaft für einen parteienübergreifenden Diskurs zu zeigen, der die Gesellschaft eint, anstatt sie permanent weiter zu spalten. Deshalb sehe ich es als meine Pflicht an, auf diese Missstände hinzuweisen und gebe gerne zu, dass mir dabei manchmal der Gaul durchgeht und ich meine Kritik über pointiere. Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.

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