Erwerbsarbeit ist kein Ponyhof

Recht auf Faulheit in der Arbeitswelt
Der Arbeitsmarkt wird sich in den nächsten Jahren stark verändern. Der Grossteil der sogenannten Baby Boomer (50er- und 60er-Jahre) wird in Rente gehen und die Generation Z immer mehr das Arbeitsleben bestimmen.
Als Generation Z bezeichnet man gemeinhin all jene Personen, die ab 1995 geboren wurden und sie ist der Nachfolger der Generation Y, auch Millennials genannt, welche die erste Gruppe der „Digitalen Eingeborenen“ (Digital Natives) verkörpert.
Generationen sind immer das Produkt aus den Umständen, die in ihrer Zeit herrschten und der damit verbundenen Prioritäten, Werte und Verbindlichkeiten. Es ist klar erkennbar, dass in Sachen Beziehungen und Bindungen die Generation Z lieber unverbindlich bleibt und da die Kommunikation größtenteils über das Internet und den sozialen Medien läuft, verändert sich in dieser Altersgruppe die Art und Weise wie man miteinander in Kontakt tritt und wo man sich Informationen beschafft.
Das hat zur Folge, dass das reale Leben zunehmend mit dem digitalen Dasein verschmilzt und lediglich die eigene Familie und enge Freunde oberste Priorität haben, anderweitige Kontakte werden vorwiegend digital gepflegt und sind oft nur von kurzer Dauer.
Die Arbeit steht bei der Generation Z nicht an oberster Stelle. Eine steile Karriere und ein gutes Gehalt sind bei diesen Personen längst nicht so wichtig, wie Freiheit und Spass am Leben. Im Job suchen sie nach klaren Strukturen und geregelten Arbeitszeiten. Überstunden sind für die Generation Z ein No-Go, denn ihre Freizeit hat jederzeit höchste Priorität.
Es liegen Welten zwischen den jungen Menschen und den ab 1946 geborenen »Babyboomern«, zu deren Lebenszielen – neben Gründung einer Familie und Bau eines Eigenheims – fast immer auch die Karriere gehörte. Viele Personalchefs aus dieser Generation beklagen, dass die Jungen nur wenig Verantwortung übernehmen, nicht fünf Tage am Stück arbeiten wollen und sich weigerten Überstunden zu machen.
So besteht die Gefahr, dass der Arbeitswelt ein Generationenkonflikt droht und es immer schwieriger werden wird, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
„Das Recht auf Faulheit“, welches als Widerlegung des „Rechts auf Arbeit“ beruht, erfährt heute eine Renaissance des vom anarchistischen Marxismus geprägten Industrieproletariats, welches Ende des 19. Jahrhunderts verlangte, dass niemand mehr zum Arbeiten gezwungen wird und buckeln muss, um sein materielles Überleben zu sichern.
Ein übermässiger Arbeitsdrang ist suspekt geworden und Zitate wie, „Proletarier arbeitet, arbeitet, vermehrt den gesellschaftlichen Reichtum und damit euer persönliches Elend. Arbeitet, arbeitet, um, immer ärmer geworden, noch mehr Ursache zu haben, zu arbeiten und elend zu sein. Dies ist das unerbittliche Gesetz der kapitalistischen Produktion“, sind Relikte aus längst vergangenen Zeiten.
Christentum und Kapitalismus haben sich verschworen und dem Proletariat die Arbeitssucht eingeimpft. Die Arbeiter schuften sich willig zugrunde und lösen dadurch Überproduktionskrisen aus, da sie sich ihre eigenen Produkte nicht leisten können und die Bourgeoisie mit dem Konsumieren nicht nachkommt.
Diese überaus polemisch und sarkastisch anmutenden Thesen sollen nun in einer abgeschwächten, weniger radikalen Form, dazu dienen, dass der Trend im Arbeitsleben zur Entschleunigung, zur Gleitzeit, zum Sabbatical gehen soll und intensiv über ein bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert wird.
Eine bürgerliche Freizeitgesellschaft soll jetzt, wo Maschinen und fortschrittliche Technologien dem Menschen die Arbeit erleichtern, realisiert und die Gelegenheit zur Verkürzung der Arbeitszeit gegeben werden, anstatt unter Zwang mehr und mehr zu arbeiten und sich zum Komplizen der durch Überproduktion verursachten Verschwendungssucht zu machen, wobei Rohstoffe verknappt, die Umwelt zerstört und der Klimawandel forciert wird.
Der Traum, dass die Arbeitnehmer endlich Zeit haben, die von ihnen hergestellten Waren selbst verbrauchen und ihnen die Arbeitgeber dafür Kredite geben sollen, damit sie sich die Produkte auch leisten können, soll verwirklicht werden, damit die Bedürfnisse der Menschen nicht länger unterdrückt werden.
Viele der jüngeren Mitbürger wollen der Arbeit im Leben einfach nicht zu viel Platz einräumen und deshalb sind 58 Prozent der 18- bis 24-Jährigen bereit, einen Job zu kündigen, der sie daran hindert, ihr Leben zu geniessen.
Mehr als ein Drittel haben das bereits mindestens einmal getan, wie eine internationale Befragung unter jungen Frauen und Männern ergab.
Bedenklich ist, dass viele Karriere-Berater raten einen unliebsamen Job nicht zu kündigen und „einfach nur faul zu sein“. Der Trend „Dienst nach Vorschrift“, oder auch als stille Kündigung verstanden, wird in den sozialen Medien geradezu kultisch propagiert und sehr viele junge Menschen stimmen dieser Entwicklung begeistert zu und die Lust auf „freie Faulheit“ ist riesengross.
Aktuelle Tendenzen
Es ist durchaus verständlich, dass sich einige Arbeitnehmergruppierungen ausgebeutet, nicht anerkannt fühlen und immer unzufriedener werden.
Das war während und nach der Pandemie besonders in den Sozialberufen, im Gesundheitswesen, der Pflege und bei den Erziehern der Fall, was zu psychisch starken Belastungen führte. Hier war die Politik nicht in der Lage korrigierend einzugreifen und dafür zu sorgen, dass sich die Arbeitsverhältnisse besserten und viele deshalb diesen Berufen den Rücken kehrten und weniger „stressige“ Beschäftigungen bevorzugten.
Deshalb war es erstaunlich und für viele direkt und indirekt betroffenen Beschäftigungsgruppen, Parteien und Organisationen nicht besonders hilfreich, dass Andrea Nahles, die abservierte ehemalige Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD, die seit 2022 Vorstandsvorsitzende der Agentur für Arbeit ist, mit ihrem markigen populistischen Zitat „Arbeit ist kein Ponyhof“ aufwartete.
Sie fiel damit auch der Generation Z irgendwie in den Rücken, deren Einstellungen, Wünsche und Ängste sich während der letzten Krisenjahre verändert haben und sie erkennen musste, dass das Privatleben so ziemlich das einzige ist, dessen Gestaltung sie weitgehend selbst in der Hand hat.
Nur im Beruf funktionieren zu müssen ist zu wenig, bringt keine Lebenszufriedenheit bzw. Lebensqualität und man versucht die Arbeit weitgehend aus dem Privatleben herauszuhalten.
Aus der Tatsache, dass wenn zwei Baby-Boomer in Rente gehen, nur ein Jüngerer zu Nachrücken bereit steht wird bewirkt, dass die jungen Generationen demografisch am längeren Hebel sitzen und sich die Politik und die Wirtschaft auf diese veränderte Situation des Arbeitnehmer Arbeitsmarktes einstellen müssen.
Das verlangt, dass die Fragen zur Work-Life-Balance zwischen Mann und Frau und den Arbeitsbedingungen zwischen Familien und den Arbeitgebern neu ausgehandelt werden müssen, um die kommenden Probleme nicht nur im Bereich des Fachkräftemangels deutlich mildern zu können, wenn schon eine zufriedenstelle Lösung durch Zuzug von qualifizierten Ausländern kaum möglich sein wird.
Das beinhaltet auch, dass sich intensiver um die Langzeitarbeitslosen gekümmert werden muss, damit diese, trotz aller schlechter Prognosen bezüglich ihrer Bildungsaffinität wieder einer Beschäftigung zugeführt werden können und nicht das erhöhte Bürgergeld dafür sorgt, dass Motivationen in Richtung Qualifizierung unterbleiben und die Leistungen des Sozialstaates als ausreichend für eine akzeptable Lebensgestaltung angesehen werden.
Weiterhin muss älteren Menschen die Möglichkeit eingeräumt werden, länger und ohne grossen bürokratischen Aufwand über die gesetzliche Altersgrenze hinaus, arbeiten zu dürfen, falls sie es wollen.
Viele wollen dies nicht mehr in Vollzeit tun und die Arbeitgeber sind gut beraten hier umzudenken und auf die Bedürfnisse der älteren Mitarbeitenden einzugehen, damit für beide Seiten zufriedenstellende Arbeitsbedingungen zu fairen Konditionen ermöglicht werden können.
Der Traum der Vier-Tage-Woche
Vier Tage arbeiten, drei Tage frei und dies bei vollem Gehalt, ist für viele Beschäftigte ein schöner Traum und es wird zunehmend über dieses Thema gesprochen und öffentlich diskutiert.
Eine Studie in Grossbritannien hat gezeigt, wer seine Arbeitszeit um einen Tag verringert, ist häufig produktiver, weniger gestresst und seltener krank.
In Deutschland haben wir die Situation, dass von den 38,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten schon jetzt gut jeder Drittel in Teilzeit arbeitet
Das sind immerhin 10,2 Millionen Menschen und davon ist die große Mehrheit mit 77,2 Prozent Frauen und laut statistischem Bundesamt arbeiten nur 33,2 Prozent aller Frauen in einem Vollzeitjob.
Durch den Mangel an Arbeitskräften haben gut qualifizierte Arbeitnehmer tendenziell mehr Verhandlungsmacht auf dem Arbeitsmarkt und es dürfte für sie leichter werden, eine Vier-Tage-Woche bei angemessenem Gehalt durchzusetzen.
Das haben auch die Linkspartei und die Gewerkschaften Verdi für den öffentlichen Dienst, die IG Metall für die Stahlindustrie erkannt und ihnen schwebt die Senkung der Wochenarbeitszeit auf 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich vor.
Es würde also weniger gearbeitet und Arbeitgeber müssten zur Einkommenssicherung rund 20 Prozent höhere Stundenlöhne zahlen. In einzelnen Unternehmen und Berufen mag das auch ganz oder teilweise möglich sein, aber im überwiegenden Teil der Dienstleistungsbranchen ist das nicht realisierbar.
Bei dieser Forderung steckt allerdings der Teufel im Detail und eine konkrete Umsetzung einer Arbeitszeitverkürzung von rund 20 Prozent könnten sich nur Besserverdienende leisten, falls die Lohnausgleichsforderung nicht erfüllt werden könnte und dies nicht erst, seit die Inflation so hoch ist und die Kosten für Energie und Wohnen extrem gestiegen sind.
Was die rechtlichen Rahmenbedingungen anbelangt, können unter Umständen die Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit haben und sich Arbeitgeber in Deutschland mit ihren Arbeitnehmern darauf einigen, dass sie nur vier Tage pro Woche in Teilzeit arbeiten.
Doch für die Mehrzahl der Unternehmen bietet sich dies von sich aus nicht an bzw. wird eine Zustimmung verweigert.
Ob der Arbeitnehmer Anspruch auf unbefristete Teilzeit hat, regelt im Zweifel das Teilzeit- und Befristungsgesetz und ein Anspruch besteht, wenn der Arbeitnehmer bereits sechs Monate im Unternehmen ist und das Unternehmen mehr als 15 Mitarbeiter hat.
Dann muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber seinen Teilzeitwunsch in Textform mindestens drei Monate vor Beginn der Reduzierung mitteilen.
Der Arbeitgeber kann den Teilzeitantrag nur ablehnen, wenn betriebliche Gründe dagegen sprechen, was der Fall wäre, wenn Organisation und Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt wird.
Der Nachweis liegt hierbei aber beim Arbeitgeber und in der Regel bestehen dazu gute Chancen zur Not das Recht vor dem Arbeitsgericht einzuklagen.
Wenn der Beschäftigte nur eine Verschnaufpause braucht, gibt es Möglichkeit befristet in Teilzeit zu gehen und die Voraussetzungen sind hier ähnlich wie bei der unbefristeten Teilzeit. Allerdings ist vorher festgelegt, dass der Arbeitnehmer zwischen einem und höchstens fünf Jahren die Arbeitszeit reduzieren kann. Im Anschluss besteht die Möglichkeit im gleichen Job die Zeit wieder aufstocken.
Bei einer Vier-Tage-Woche verringert sich die Arbeitszeit in der Regel von 40 Stunden auf 32 Stunden, also auf 80 Prozent. Entsprechend sinkt auch das Gehalt und der Urlaubsanspruch verringert sich.
In der Regel umfasst die Arbeitswoche 40 Stunden, wobei an fünf Tagen je acht Stunden gearbeitet werden. Nach sechs Stunden muss spätestens eine Pause von 30 Minuten eingelegt werden. Für eine Vier-Tage-Woche reduzieren Beschäftigte in der heutigen Praxis ihre Arbeitszeit meistens auf 80 Prozent und müssten einen entsprechenden Gehaltsverzicht in Kauf nehmen.
In Deutschland darf die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten und in Ausnahmen kann sie auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, „wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.“
Im Vergleich sind unsere deutschsprachigen Nachbarländer wesentlich flexibler und in Österreich sind täglich zwölf Arbeitsstunden und in der Schweiz sogar 14 Stunden erlaubt.
Für eine Verteilung der Wochenarbeitszeit von 40 Stunden auf vier Tage – also zehn Stunden täglich – müssten die Ausnahmen des Arbeitszeitgesetzes genutzt werden.
Sebastian Dullien, Direktor des arbeitnehmernahen Instituts IMK der Böckler-Stiftung, ist der Meinung, dass längere Arbeitstage von 10 Stunden für viele Mitarbeiter zu anstrengend sein könnten und falls ein vollständiger Lohnausgleich ausbleiben sollte, wäre eine Verkürzung der Arbeitszeit insbesondere für Geringverdiener problematisch.
Unternehmen müssen die freien Tage ihrer Mitarbeiter möglicherweise mit neuem Personal ausgleichen. Wird kein neues Personal eingestellt, könnte dies zu Überstunden führen, die wiederum die Produktivität bremsen.
Er bemerkte weiterhin, dass „eine plötzliche Reduktion der Arbeitszeit in der Gesamtwirtschaft um ein Fünftel bei sofortigem vollen Lohnausgleich viele Unternehmen überfordern würde und auch zu steigender Inflation führen könnte“
Eine Vier-Tage-Woche dürfte auch nicht direkt den Fachkräftemangel beheben. Sinnvoller wäre an dieser Stelle, den Beschäftigten mehr Flexibilität in der Wahl ihrer Arbeitszeitmodelle einzuräumen.
Einen Rechtsanspruch für eine Vier-Tag- Woche zu postulieren ist sicherlich nicht der richtige Weg, um eine zukunftsweisende Neuorganisation von Arbeit durchzusetzen.
Man sollte sich davor hüten, eine Vier-Tage-Woche für alle mit dann sehr langen Arbeitszeiten pauschal zu verordnen, da nicht für jedes Lebensmodell und alle familiären Bedürfnisse diese Regelung eine ideale Lösung darstellt.
Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, ist der gleichen Meinung, da ein allgemein formulierter Rechtsanspruch niemandem helfen und für die Betriebe nur zusätzliche Bürokratie bedeuten würde.
Jeder Betrieb müsse für sich entscheiden, wie er seine Arbeit organisiert und die Möglichkeiten für flexible Arbeitszeiten durch Teilzeit, Gleitzeit und Home Office abwägen, um die Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft der Beschäftigten zu steigern und flexibler auf Marktschwankungen reagieren zu können.
Das Arbeitsministerium teilte mit, dass die Einführung einer gesetzlichen Vier-Tage-Woche in Deutschland nicht geplant ist. Die Gestaltung der Arbeitszeit überlässt das Grundgesetz den Tarifvertrags- und den jeweiligen Arbeitsvertragsparteien. Diese sind unter Beachtung der Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes frei in ihren diesbezüglichen Entscheidungen.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die öko-sozialen Bemühungen der Weltrettungsfraktion nicht versuchen wird, auch hier Einfluss zu nehmen und das Recht auf Faulheit verbriefen will, um die Millenials, die Generation Z und künftigen Generationen für ihre realitätsfremde Politik vor den Karren spannen und eine heile Welt vorgaukeln zu können.
Fazit
Die Reanimierung der alten Gewerkschafts-Forderung, die Wochenarbeitszeit zu reduzieren, wird naturgemäss bei vielen Arbeitnehmern positiv aufgenommen und selbst Arbeitsminister Heil kann sich vorstellen bei teilweisem Lohnausgleich der steigenden Produktivität zugunsten der Arbeitnehmer Rechnung zu tragen.
Da ein Grossteil der Beschäftigten in den Niedriglohnjobs des zeitlich befristeten und flexiblen Auftragsmarkts nicht im Interesse einer besseren Work-Life-Balance auf Einkommen verzichten können, hat Heil unter dem Motto „Arbeit muss sich lohnen“ populistisch angekündigt, dass es im Jahr 2024 eine deutliche Mindestlohnerhöhung geben wird, die sich allerdings als kontraproduktiv für die angestrebten Arbeitszeitverkürzungen auswirken kann.
Besonders pikant ist, dass der Minister nicht für die Erhöhung des Mindestlohns zuständig ist, denn dafür gibt es seit Ende 2014 eine Mindestlohnkommission, die unabhängig ist. In einer sozialen Marktwirtschaft darf der Mindestlohn nicht vom Staat geplant und vorgegeben werden, sondern wird dem Spiel der Marktkräfte oder der Tarifautonomie überlassen.
Die Politik hat sich bei der Lohnfindung herauszuhalten und ein behutsames Vorgehen ist in diesem Bereich besonders angebracht. In Frankreich hat der Mindestlohn zu struktureller Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten geführt, bei gleichzeitigem Arbeitskräftemangel in einigen Branchen.
Darüber hinaus sollte aber für alle Bürger klar sein, dass es ein für alle gleichermassen „perfektes“ Arbeitszeitmodell nicht geben kann. Am Ende geht es darum, wie die gesellschaftlich notwendige Arbeit sichergestellt wird, die Beschäftigten gut mit ihrer Arbeit klarkommen, dabei gesund bleiben und ein Einkommen erzielen, von dem sie gut leben können.
Est ist ein Trugschluss, dass sich die 4-Tage-Woche als „One Size Fits All“-Modell, sprich als eine „Lösung für Alle“ herausstellen kann, da dies in der Praxis Ungleichbehandlungen fördern, den sozialen Neid vor programmieren könnte und das Prinzip der Verhältnismässigkeit nicht einhaltbar wäre .
Arbeiten bis zum Umfallen, wie es einst eine preussische Tugend war, wird und kann als Lebensmodell heute nicht mehr funktionieren und sollte auch nicht erstrebenswert sein.
Frauen sind inzwischen in der Arbeitswelt gleichberechtigt geworden, weil sie es wollen und heutzutage ist ein „normaler Lebensstandard“, wie der auch immer gestaltet wird, in der Regel nur noch mit zwei Gehältern machbar, welcher allerdings nur noch selten ein eigenes Haus oder einen Neuwagen, wie es noch vor dreissig Jahren der Fall war, beinhaltet.
Viele junge Menschen sind aufgrund der Erfahrungen ihrer Eltern zu der Erkenntnis gelangt, dass Fleiss und Loyalität im Arbeitsleben nur selten gedankt wird und ein Job eben nur ein Job und keine Berufung ist, die besondere Vorteile bietet.
Die erwählte Beschäftigung kann im besten Fall Spass machen, muss ausreichend Geld zum Leben einbringen, wird aber nicht mehr zwingend als Statussymbol oder Lebensinhalt betrachtet und soll schon gar nicht als Daseinsberechtigung dienen.
Das heisst nicht, dass junge Menschen von sich aus faul sind oder nicht mehr arbeiten wollen. Sie sind bloss nicht mehr bereit, Arbeit als mehr zu sehen als das, was es ist, der Tausch von Lebenszeit und Arbeitskraft gegen Geld.
Von „innerer Kündigung der Jungen“ wurde in letzter Zeit vermehrt gesprochen, und dass immer mehr Menschen nur noch Dienst nach Vorschrift machen wollen.
Wobei dieser „Dienst nach Vorschrift“ als etwas Negatives dargestellt und verlangt wird, dass man mehr tun muss als das, wofür man eingestellt und bezahlt wird, was nicht heissen darf, dass man nicht die Flexibilität aufbringt, um auf berechtigte Wünsche des Arbeitgebers einzugehen.
Für viele dieser klarsichtigen, zielstrebigen und selbstbewussten junge Leute, die unter den richtigen Bedingungen absolut leistungsbereit sind und ihren Wert kennen, ist dafür das Leben einfach nur zu kurz und zu wertvoll, um permanent Überstunden zu machen.
Das besagt nicht, dass die jungen Generationen keine Lust auf Arbeit haben, sondern vom Arbeitgeber fordern, dass sie entsprechend motiviert werden und flache Hierarchien dafür sorgen, dass mehr Verständnis für ihre Lebenssituation aufgebracht wird, was die Vereinbarkeit mit den Belangen der Familie anbelangt.
Einigen Unternehmen wird, wenn sie auch weiterhin gutes Personal haben wollen, nichts anderes übrig bleiben als langfristig auf diese Wünsche und Forderungen einzugehen, sich mit den Beschäftigten entsprechend auszutauschen und sie motiviert halten, besonders wenn es sich um relativ langweilige Tätigkeiten handelt, die unattraktiv aber von Wichtigkeit für den Arbeitgeber sind.
Der Nahles Spruch mit dem Ponyhof zeigt, wie engstirnig und eindimensional bei den Behörden in diese Richtung gedacht wird, wo die Belange des nachwaschsenden Human-Kapitals nicht die notwendige Anerkennung erfahren, ein sachlicher Dialog Fehlanzeige ist und man nicht in der Lage ist Sinninhalte zu kommunizieren und Strukturen zu schaffen, die den Genrationen helfen sich entsprechend zu organisieren.
Phrasen zu dreschen, anstatt mit klaren Fakten und Argumenten darauf hinzuweisen, dass die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich nicht realisierbar ist und das Arbeitszeitmodell zum Beruf passen muss.
Bei allen Jobs, bei denen körperliche Arbeit notwendig ist (Handwerk, Pflege, etc.) oder der Arbeitsalltag per se zeitlich durchterminiert ist (im Mehrschichtbetrieb, Call Center, bei Richtern oder ggf. auch bei der Arbeitsbeschaffung), funktioniert eine Reduktion bei gleichbleibender oder höherer Produktivität nicht oder ist durch zusätzliche Innovationen nur schwer vorstellbar.
Arbeitszeitverkürzungen müssen zu den Bedürfnissen und Arbeitsweisen der Beschäftigten passen und deshalb sind individuelle Lösungen zu bevorzugen, die dem Alter und der Leistungsfähigkeit entsprechend gestaltet sind und wo der Arbeitsplatz als sozialen Ort wahrgenommen wird, bei dem man idealerweise auf Menschen trifft, mit denen man gerne Zeit verbringt.
Das Recht auf Faulheit kann in Teilbereichen durchaus beibehalten werden, da der Arbeitnehmer seine gewünschte Arbeitszeit individuell mit dem Arbeitgeber verhandelt und eine entsprechende Entlohnung festgelegt wird.
Den Leuten vorzuschreiben, wie viel sie zu arbeiten haben, ist nicht mehr zeitgemäss und dies können die Betroffenen gut selbst für sich entscheiden, müssen aber damit rechnen, dass ihnen besser motivierte Kollegen den Arbeitsplatz streitig machen können, wenn der Arbeitgeber Bedarf an einer höheren Arbeitsleistung hat.
Sinnvoll wäre, wenn die Gewerkschaften als Tarifparteien den Gesetzgeber drängen würden das Arbeitszeitgesetz zu aktualisieren, um mehr Arbeitszeitflexibilität zu ermöglichen, damit den Bedürfnissen der Arbeitnehmerschaft entgegengekommen werden kann und der betriebliche Arbeitsfrieden nicht in Gefahr gerät.
Die verfehlte Politik der kulturfremdem Massenmigration, der klimahysterischen Dekarbonisierung und Deindustrialisierung mit zu hohen Steuerlasten für Leistungsträger, hat u. a. dazu geführt, dass der Industriestandort Deutschland im internationalen Ranking extrem abgerutscht ist und massiv an Attraktivität verloren hat.
Dieser Trend muss unbedingt gestoppt, die Qualität der Infrastruktur verbessert werden, ebenso wie das kollabierenden Bildungssystem und die endlosen Diskussionen über gleichmachende Verteilungsfragen müssen ein Ende haben.
Wenn dies nicht gelingt, wird der Zuzug von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland niemals in der benötigten Personenanzahl realisierbar sein und die jungen, gut ausgebildeten und ehrgeizigen deutschen Arbeitnehmer werden sich fragen, ob es überhaupt noch Sinn macht in Deutschland zu bleiben und es nicht erstrebenswerter ist, die Zukunft in attraktiveren Standorten zu gestalten und auszuwandern.
„Faulheit ist der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit“
Immanuel Kant
No Comment