Angst essen Seele auf – oder das Leben zwischen Parallelwelten

Angst essen Seele auf – oder das Leben zwischen Parallelwelten

Dieser Titel des Films von Rainer Werner Fassbinder aus den 70er Jahren kam mir in den Sinn, als ich die Negativ-Schlagzeilen der letzten Wochen vor meinem geistigen Auge Revue passieren liess, die sich wie ein langer, roter Faden durch die Medienlandschaft ziehen.

Bisher hatte ich mich immer für einen moralisch gefestigten Zeitgenossen gehalten, der mit einem gewissen Stolz auf seine Lebensleistung zurückblicken kann und dem die politischen Entgleisungen der Neuzeit und der in Unordnung geratenen Welt nicht wirklich etwas anhaben können.

Zu meinem Leidwesen muss ich feststellen, nachdem das Trommelfeuer der Pandemie- und Klimahysteriker ungeahnte Ausmasse angenommen hat und zusätzlich noch Inflationsängste das Tagesgeschehen beherrschen, dass meine geistige Existenzschmerzunempfindlichkeit anfängt sich leicht abzuschwächen. Besonders irritierend ist dies, weil sie mit einer diffusen Ratlosigkeit einhergeht, was die Überlegungen zu der geordneten Gestaltung meines Restlebens anbelangt.

Das fortschreitende Versagen des Staates, bei der Bewältigung der anstehenden Krisen, verursacht eine ausufernde Aggression zwischen den einzelnen Blöcken der unterschiedlich denkenden Bürger, von denen recht viele nicht blind ergeben den vorgegebenen Ideologien der Politik folgen wollen und somit auf der „falschen“ Seite stehen. Nein zum Mainstream zu sagen, ist für viele keine gangbare Lösung und die Veränderungen der Gesellschaft werden mit einer individuell unterschiedlichen Angst und Furcht begleitet, die zunehmend Überhand gewinnt und sich negativ auf das Seelenleben auswirkt.

Die zu lange andauernde Pandemie bestimmt das Leben und besonders schlimm dabei ist, dass die Impfproblematik aus dem Ruder läuft und nun auch bei den Geimpften unter uns grosse Zweifel herrschen, weil der erzielte Schutz bei weitem nicht die Sicherheit vermittelt, die man sich davon erhofft hat und man fast die gleichen Infizierungs-Probleme, wie die Ungeimpften hat.  

Ausgerechnet zur Weihnachtszeit, befindet sich die allgemeine Stimmungslage wieder an einem Tiefpunkt und viele Menschen bewegen sich im Tal der seelischen Finsternis. Sie haben die Hoffnung aufgegeben ein besinnliches Weihnachtsfest im Kreis der gesamten Familie feiern zu können, ebenso was das Veranstalten von unbeschwerten, geselligen Festivitäten zum Jahreswechsel, egal ob mit oder ohne Feuerwerk, anbelangt. Es sollen nach wie vor unnötige Kontakte und Reisen vermieden werden und diese persönlichen Einschränkungen führen zu einer allgemeine Trostlosigkeit und lässt das Licht der Hoffnung auf bessere Zeiten nur schwach aufflackern.

Zusätzlich zu den Sorgen um die Gesundheit und der körperlichen Unversehrtheit machen sich bei vielen Menschen existentielle Ängste persönlicher und gesellschaftlicher Natur breit. Hauptauslöser sind in erster Linie die Verteuerungen bei den Produkten zur Grundversorgung, die Kostentreiberei bei den Bau- und Kraftstoffen, beim Wohnen und der Energie, was den Lebensstandard permanent verschlechtert und zusätzlich die Rücklagen für die Altersversorgung schmälert.

Hinzu kommen noch die gesellschaftspolitischen Ängste, da einem tagtäglich vor Augen geführt wird, wie die rechtsstaatlichen und wirtschaftlichen Fundamente unserer Republik durch radikale, extremistische Kräfte, aber auch durch die Unzulänglichkeiten der Regierenden, einer partiellen Zerstörung ausgesetzt sind und weit und breit niemand in Sicht ist, der diesem schändlichen Tun nachhaltig Einhalt gebieten hönnte.

Durch kollektive Schwarzseherei werden die Menschen zunehmen dünnhäutiger und labiler und selbst das Flüchten Einzelner in den Glauben wird durch unwürdige Verfehlungen der Kirche und derer Organisationen erschwert und die Bindungskräfte zu den Glaubensgemeinschaften schwinden ebenfalls zusehend.

Furcht vor materieller Armut oder Sorge um den Arbeitsplatz, darf man durchaus haben, aber wir dürfen diese menschlichen Ängste und negative Emotionen nicht die Überhand gewinnen lassen, damit irrationale Handlungsweisen nicht unser tägliches Leben beinträchtigen. Ein Geist der Furcht und Angst ist das, was wir fürchten sollten. Besonders schlimm ist, dass ein politisches Klima herrscht, das nichts dagegen unternimmt und die Regierenden bewusst, z. T. aus perfiden, machterhaltenden Gründen, die allgemeinen Ängste schüren, was kaum noch zu ertragen ist.

Von der Konsumgüterindustrie werden diese Bedrohungsszenarien noch zusätzlich unterstützt, da das Geschäft mit der Angst äusserst lukrativ ist, da man damit hohe Umsätze generiert und die moralischen Wertevorstellungen dem Götzen Profit geopfert werden.

Viele Bürger sehen deshalb die Veränderungen in unserer Gesellschaft nur mit Nachteilen und Befürchtungen verbunden. Sie erkennen nicht, dass viele der potenziellen Gefahren oft nur diffuser Art sind und es deshalb geboten ist, sich diesen Ängsten und Befürchtungen zu stellen und damit explizit auseinanderzusetzen. Nur durch gezieltes Hinterfragen und ein über den Tellerrand schauen wird eine Plausibilität erreicht, welche zur mehr Besonnenheit und Gelassenheit führt, die das persönliche Selbstbewusstsein aufpoliert und eine positive Grundstimmung fördert, die wir bitter nötig haben.

Leider ist unsere Medienlandschaft noch weit entfernt von dieser notwendigen Attitüde Gebrauch zu machen und berichtet lieber über Fehlleistungen, Sensationen und Katastrophen, anstatt als Anwalt der Bürger zu fungieren, der die politischen Kräfte unter Druck setzt, damit bürgernahe Entscheidungen und Massnahmen getroffen werden und nicht dem Machterhalt dienende Aktivitäten und Handlungsweisen prioritär unser Leben bestimmen.

Teile der Politik erpressen bzw. nötigen uns mit dem drohendem Verlust des Lebens und der Existenz, um die gewünschten, ideologischen Ziele durchsetzen zu können. Hier beinhaltet schon der Versuch eine moralische Rechtswidrigkeit, wenn die Anwendung der Staatsgewalt oder die Androhung des Übels zum angestrebten Zweck, den Verdacht einer Manipulation oder Indoktrination aufweist

Besonders schwer wiegt hierbei, dass dieses zum Teil schändliche Tun gewerbsmässig erfolgt und es sich bei den Tätern um Mitglieder von bandenähnlichen Vereinigungen, sprich Parteien handelt, woraus sich eine organisierte, eskalationssteigernde Rücksichts- und Hemmungslosigkeit zum Schaden des Volkes ableiten lässt.

Was nützt einem die körperliche Gesundheit, wenn der Geist von Angst und Zweifel zerfressen ist, da man sich ungerecht behandelt fühlt und eine Verbesserung der Symptomatik nicht in Sichtweite ist.

Vor Selbstmitleid triefende und endlos lamentierende Angsthasen sind nur schwer zu ertragen und riskieren permanent, dass sich der rational denkende Teil der Gemeinschaft von ihnen abwendet und sich Blöcke bilden, welche die Gesellschaft spalten und unser Gemeinwohl in Gefahr bringen.

Angst zu haben ist grundsätzlich wichtig, da sie ein gutes Alarmsystem darstellt und der Gefahrenkontrolle dient. Sie ist ein Signal für Gefahr und muss zu überlegten Reaktionen führen, die unsere Gesundheit und das Überleben sichern. Deshalb sollte man keine panischer Angst vor der Angst haben und diese als wertvolles Instrumentarium ansehen.   

Deshalb geht es bei der Überwindung von Angst auch nicht darum, sie unbedingt loszuwerden. Hätten wir keine Angst, dann würden wir in wirklich bedrohlichen Situationen nicht adäquat reagieren können. Angst auf einem mittleren Niveau angesiedelt, kann sogar die Konzentration steigern, welcher der Leistungsförderung dienlich ist und dabei hilft fokussiert zu bleiben. Erst ein Zuviel davon wirkt sich aber negativ und nachhaltig auf unser Seelenleben aus.

Heutzutage gibt es viele Situationen die Angst auslösen können und trotzdem nicht lebensbedrohlich sind. Dabei handelt es sich überwiegend, um die Angst zu scheitern, peinlich zu sein, die Angst vor Bindungsnähe, Einsamkeit, vor Prüfungen und Konflikten und die Angst mit anderen Menschen zu kommunizieren und Kontakte zu knüpfen.

Viele dieser Ängste lösen Selbstzweifel aus, weil eine soziale Ablehnung befürchtet wird, doch sollten sie niemals zu Flucht- oder überzogenen Schreckreaktionen führen, die dauerhafter Natur sind.

Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung – niemand sehnt diese Gefühle herbei. Sie führen zu Ohnmacht und Hilfslosigkeit und vermitteln das Gefühl, dass man nicht mehr in der Lage ist, schwierige und herausfordernde Situationen selbst zu meistern.

Wenn die Angst allerdings unser Leben dominiert, müssen wir dafür sorgen, dass wir uns von den Angst und Furcht auslösenden politisch-polemischen Oberflächlichkeiten befreien, die unsere Seele zerfrisst und das Dasein unerträglich macht.  

Anstatt sich selbst zu bemitleiden und sich widerspruchslos den staatlichen Autoritäten zu unterwerfen, welche die quasi Ungehorsamen mit allen Mitteln zermürben und willenlos machen wollen, sollte mehr Zivilcourage an den Tag gelegt werden. Diese zeigt man am besten. indem man sich gegen alles wehrt, was gemeinwohlartig nicht hinnehmbar ist, auch wenn dabei anfänglich keine Fröhlichkeit aufkommen sollte. 

Für einen Umschwung ist es zu spät, wenn es den devoten Schafen dämmert, dass sie zu einer dogmatischen Schlachtbank geführt werden sollen, welche das Recht auf Selbstbestimmung schmälert und eine sozialistische Umverteilung sowie kollektive Gleichmacherei anstrebt, die uns die Lebensfreude nimmt.

Das alles erinnert mich an das Lied von Bertold Brecht „Hinter den Trommeln her“, welches auch der Kälbermarsch genannt wird und er damit zum Ausdruck bringen will, dass nur die allerdümmsten Kälber ihren Schlächter selbst wählen und das Fell liefern, was für die Herstellung der Trommeln zur politischen Verheissung benötigt wird.

Ein, wie in Stein gemeisseltes, katastrophierendes, Gedankengut, das den Körper in einen dauernden Alarmzustand versetzt, muss zu einer grundlegenden Neuorientierung und Bewertung der eigenen Lebenssituation führen. Es muss unbedingt dafür gesorgt werden, dass genügend Platz für notwendige, abschwächende Interpretationen geschaffen wird, die der seelischen Brunnenvergiftung entgegenwirken.

Erster Schritt zur Verbesserung ist, einen unbedingten Willen an den Tag zu legen und durch eine Art Psychohygiene die Gesundheit der Seele zu verbessern und deren Immunsystem zu stärken. Die dadurch gewonnene Resilienz, sprich Widerstandsfähigkeit, sorgt dafür, dass die Katastrophen-Bunkermentalität abnimmt und Freiraum für rationale Entscheidungen und Verhaltensmuster geschaffen wird.

Resiliente Menschen verfügen über bestimmte Eigenschaften, welche die seelische Resistenz bestimmen. Sie akzeptieren und können positiv denken, sie verströmen Optimismus, sind selbstwirksam tätig, besitzen ein gerüttelt Mass an Eigenverantwortung. Sie bevorzugen eine gesunde Netzwerks- und Lösungsorientierung, die es auch in schweren Krisenzeiten ermöglicht, mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen zu stehen und einen sinnvollen Beitrag zu den notwendigen Problembewältigungen zu leisten.

Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und die Stärke zu haben den inneren Schweinehund zu überwinden sowie sinnvolle Entscheidungen treffen zu können, müssen die negativen Begleiterscheinungen der Katastrophenhysterie ad absurdum führen und einen gesunden Zeitgeist im persönlichen Umfeld bewirken. Jeder sollte lernen mit seinen psychischen Ressourcen sorgsam und eigenverantwortlich umzugehen, auch einmal nein zu sagen, wenn eine Überbelastung droht und nicht vorwiegend Verzicht zu üben. Sich zu schämen, dass man sich etwas leisten kann sowie die schönen Seiten des Lebens durch Genuss und Reisen auskosten zu wollen, ist falsch und kontraproduktiv.

Wer bewusst zu seinen Neigungen und Bedürfnissen steht, wird eine gewisse Entschleunigung in seinem Lebensrhythmus feststellen, die dem Stressabbau dienlich ist und hilft sich wieder besser im Alltag zurechtzufinden. Zusätzlich seelisch gewinnbringend ist eine partielle Art der digitalen Entgiftung, in Form einer virtuellen Informationsflut-Entsagung, wo man sich automatisch dagegen feit, den extremistischen Rattenfängern auf den Leim zu gehen, um sich nicht im Lager der Gewaltbereitschaft und der Verschwörungsmystiker wiederzufinden.  

In unserer Gesellschaft verbergen sich hinter der sichtbaren Welt, besonders in der Politik und der Wirtschaft mehr oder minder verdeckte Parallelwelten mit konstruierten Lebensräumen, welche erhebliche Auswirkungen auf unser Dasein haben. Sie existieren zunehmend auch in gesellschaftlichen Subkulturen und Institutionen, in den virtuellen Sozialräumen des Internets und bei Individuen, denen es an charakterlichem Halt fehlt und die von einem zerstörerischen Egoismus und Anarchismus beherrscht werden.  

Deshalb ist es besonders wichtig, sich diesen destruktiven Parallelwelten zu entsagen und eine klar strukturierte Daseinsform zu präferieren, die einem gesunden, leistungsbereiten Individualismus den Vorrang gibt. Den zunehmenden Fehlentwicklungen der Politik und derer wilden Achterbahnfahrten muss Einhalt geboten werden, ebenso wie den immer noch zu ausgeprägten Vollkasko-Sozialschmarotzertum, damit ein friedlich ausgewogenes, generationenübergreifendes Miteinander für die Zukunft gewährleistet werden kann.  

Was sich so schlüssig und einfach anhört, kann nur verwirklicht werden, wenn der Bürger, die Politik und die Medien bereit sind, die Grundregeln einer demokratischen Staatsordnung mit der notwendigen Disziplin anzuerkennen und zu befolgen. Dazu bedarf es eines wechselseitig notwendigen Respekts, der die Ansichten der Anderen toleriert und gleichzeitig einen offenen, gewaltfreien Dialog akzeptiert. Dieser Gedankenaustausch muss befreit sein von sich selbst erhöhenden Ideologien und die rationale, realitätsbezogene Vernunft als Mittel zum Zweck zu befürworten.

Die Adaptionen zum verfilmten Sozialdrama von Rainer Werner Fassbinder, mit dem Kernsatz „Nix weinen. Nix Angst. Angst essen Seele auf!“ gelten leider auch noch heute, weil überall immer noch die Angst in allen und in allem lauert und die Spiegelungen sich im Kleinen wie im Grossen ähneln, egal um welche Themenkreise und Krisen es sich handelt.

Auch wenn das Licht am Ende des Tunnels nur spärlich glimmert, müssen wir alle versuchen unsere Ängste und Bedenken zu überwinden und daran mitarbeiten, dass wir uns nicht weiter in Richtung Dunkeldeutschland bewegen. Wir müssen erkennen, dass wir in erster Linie uns selbst helfen müssen und nicht darauf vertrauen dürfen, dass der Staat von sich aus unsere mannigfaltigen Probleme zur allgemeinen Zufriedenheit lösen wird.

Unser zutiefst langweiliger Bundespräsident bemerkte allerdings nicht zu Unrecht, dass wir im besten Deutschland leben, das es jemals gegeben hat; nur schade, dass so viele dies nicht erkennen und/oder dies unbedingt ändern wollen.  

Ich habe gelernt, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst ist, sondern der Triumph über sie. Der mutige Mensch ist nicht der, der keine Angst hat, sondern der, der diese Angst überwindet.

Nelson Mandela

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