Triage als Impf-Druckmittel – Sind wir von allen guten Geistern verlassen?

Triage als Impf-Druckmittel – Sind wir von allen guten Geistern verlassen?

Wie im Magazin „Der Spiegel“ zu lesen war, hat der Verhaltensökonom Marcus Schreiber, der Vorstandsvorsitzender einer Beratungsfirma ist, allen Ernstes verlauten lassen, dass ab Dezember 2021 für Krankenhäuser eine Triage Regelung für Corona-Ungeimpfte gelten sollte.

Er sieht dies als geeignete Massnahme an, damit die Impfquoten gesteigert werden können.

Er möchte, da anscheinend einzelne, positive Anreize und Lockangebote der Wirtschaft und des Staates die Impfbereitschaft nicht steigern, zwischen Geimpften und Ungeimpften einen Diskriminierungskeil implementieren.

Laut dem deutschen Ärzteblatt bezeichnet Triage (Auswahl, Sichtung) in der Notaufnahme die Methodik, den Schweregrad der Erkrankung beziehungsweise der Verletzung von Notfallpatienten innerhalb kurzer Zeit zu identifizieren, eine Kategorisierung und Priorisierung vorzunehmen und die Patienten dem geeigneten Behandlungsort zuzuweisen. Es werden in einigen angelsächsischen Ländern mehrstufige Triage-Systeme durch besonders geschulte Pflegekräfte erfolgreich durchgeführt, die auch in Deutschland Anwendung finden und die meist subjektiv praktizierten Einschätzungen verbessern könnten.

Dies würde eine moderne, evidenzbasierte Ersteinschätzung einer Behandlungsdringlichkeit bedeuten, doch setzt die Implementierung eines strukturierten Triage-Instruments in einer Notaufnahme eine sorgfältige Planung unter Berücksichtigung der beteiligten Schnittstellen einschließlich des eigenen pflegerischen und ärztlichen Personals voraus, was mit einer Phase des Übergangs verbunden sein müsste.

Die Einschätzung der Behandlungsdringlichkeit muss bei der Hospitalisierung für alle Patienten nach gleichen Regeln erfolgen. Es kann und darf nicht sein, dass wenn in Krankenhäuser die Intensivbettenkapazität an die Auslastungsgrenze gelangt, es eine °Vorfahrt“ für Geimpfte geben muss und diese sollen vorrangig vor Ungeimpften aufgenommen und behandelt werden. So möchte Marcus Schreiber erreichen, dass viele Zögerer zu einer Corona-Impfentscheidung gezwungen werden und die Impfquote erhöht wird.

Menschen einzig aufgrund einer Impfung als mehr oder weniger lebenswert zu taxieren, widerspricht sämtlichen humanitären Traditionen und Gepflogenheiten und darf unter keinen Umständen in unserem gesellschaftlichen System Einzug halten.

Gott schütze mich vor solchen irrwitzigen Beratern, die sich anmassen, aus niedrigen Beweggründen über Leben und Tod entscheiden zu können. Solche Vorschläge kommen einer Volksverhetzung nahe und das Strafgesetzbuch sieht hierfür Strafen vor, wenn die Menschenwürde anderer angegriffen wird und dabei Teile der Bevölkerung böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden.

Es gibt allerdings auch Stimmen die fordern, dass die Impfgegner eine Patientenverfügung ausfüllen sollten, in der steht, dass im Fall einer COVID-19 Erkrankung im Krankenhaus keine Intensivbehandlung erfolgen darf. Hört sich nach Eigenverantwortung an, wird aber eine Fiktion bleiben, auch wenn man argumentieren kann, dass Menschen, die sich bewusst nicht impfen lassen wollen, eine wohl überlegte Entscheidung treffen und dafür die Konsequenzen tragen müssen, auch wenn es den eigene Tod nach einem schweren Krankheitsverlauf bedeutet.   

Nachdem die 3 G – Regel im August bundesweit umgesetzt wurde, was heisst, dass nur noch geimpfte, genesene und (negativ) getestete Personen in verschiedenen Einrichtungen, wie Restaurants, Pflegeheimen, Hotels, Museen, Friseurläden, Reisetransportmittel etc., zusammenkommen dürfen, sind die Diskussionen über einen verordneten, indirekten Impfzwang und/oder einem Impfzwang durch die Hintertür wieder in den Vordergrund gerückt.

Besondere Nahrung erhielt dies, da viele Betreiber aus den Bereichen Kultur, Sport, Reisen und Gastronomie auf der Grundlage des Hausrechts, eine verschärfte 2 G – Regel einführten, die nur noch Geimpften und Genesenen Zutritt zu bestimmten Bereichen erlauben. Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass verschiedene Bundesländer bereits anklingen liessen, die 2 G – Regel auf lange Sicht auch als angeordnet zu betrachten.

Alle, die sich gefreut hatten, dass endlich einmal eine bundesweit verpflichtende Regelung zur Corona Pandemiebekämpfung in Kraft getreten ist, wurden jäh eines Besseren belehrt.

Der Flickenteppich von unterschiedlichen Restriktionen wird eher grösser, als kleiner und kein Mensch weiss, was wo und wie für ihn zutreffend ist und wir haben wieder eine willkürlich festgelegte Mehrklassengesellschaft.

Bezüglich eines Corona-Virus bedingten Impfzwanges, gibt es in der BRD keine Rechtsgrundlage und das Infektionsschutzgesetz (IfSG) sieht eine Impfpflicht nur gegen Masern vor. Eine Impfpflicht gegen Corona könnte sich nicht auf das IfSG berufen, weil es Impfungen nur für „bedrohte Teile der Bevölkerung“ anordnen könnte. Eine allgemeine Impfpflicht zur Herstellung einer Herdenimmunität müsste vom Bundestag beschlossen werden, wofür es im Moment sicherlich keine ausreichende Mehrheit gibt.

Was aber durchaus akzeptabel erscheint, ist die Einführung einer begrenzten Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, wie z.B. Mitarbeiter im Gesundheitswesen, dem Pflegepersonal in Pflegeheimen, im Erziehungswesen und im Zivilschutz, wie es bereits in einigen Ländern Europas der Fall ist. Wie der Ethikrat verlauten liess, wäre dies auch für Deutschland grundsätzlich denkbar, falls die Auswirkungen der Pandemie dies erforderlich machen würde.

Es ist ein Grundprinzip unseres Gesundheitssystems, dass jeder so gut wie nur möglich zu behandeln ist und dies auch bei Bürgern, die sich unvernünftig verhalten haben. Dem ärztlichen Eid entsprechend, ist das egal ob es sich um Raucher, Übergewichtige, Alkoholiker, Drogenabhängige, Extremsportler, Straftäter oder Ungeimpfte etc. handelt und dies zumindest so lange, wie es die vorhandenen Kapazitäten in den Krankenhäusern zulassen.

Falls aber diese Kapazitäten durch Extremsituationen ausgeschöpft sein sollten, liegt eine neue, völlig andere, ethische Fragestellung vor, die es durch die Leopoldina, dem Ethikrat und den Gremien und Institutionen des Gesundheitswesen zu bewerten gilt und die hoffentlich bei uns niemals eintreten wird. Nichtsdestotrotz darf diese hypothetische Sichtweise nicht dazu führen, dass man populistischen Druck auf Ungeimpfte ausübt und mit Triage Drohungen Angst verbreitet. 

Wer solche Überlegungen anstellt, hat sich moralisch und ethisch als sogenannter Verhaltensökonom disqualifiziert und muss sich nicht wundern, wenn er mit diesen verhaltensgestörten Denkmustern der rechtsextremen Szene zugeordnet wird.

Mit solchen Aktionen wird versucht, unsere schon ziemlich bröckelige Solidargemeinschaft weiter aufzuweichen und unter dem Deckmantel der Virushygenie einem gelebten Darwinismus zu frönen.

Es ist aber zu befürchten, dass diese Ansichten in den sozialen Medien einigen Zuspruch erfahren werden und weiteren Corona Hasstiraden Vorschub leistet, welche uns die Abgründe der menschlichen Zivilisation in widerlicher Weise vergegenwärtigt.

Zum Abschluss gilt es noch zu bemerken, dass die Beratungsfirma, in welcher der Triage Schreiberling der Vorstand ist, laut eigenen Angaben für die Pharmaindustrie arbeitet und sich somit alle weiteren Kommentare zu diesem semantischen Dünnschiss von selbst erledigen. Deshalb ist es auch von besonderer Traurigkeit, dass eigentlich renommierte Magazine, wie der Spiegel, so etwas nicht im Vorfeld abklären und wenn ja, sich für eine solche tendenziöse Berichterstattung hergeben. Holzauge sei wachsam, was versteckten Lobbyismus in den Medien anbelangt.

Allen Kontroversen zum Trotze, muss eine Impfpflicht für alle Ultima Ratio bleiben und lässt sich durch die pandemisch bedingte Sterblichkeitsquote nicht rechtfertigen. Erst wenn eine dramatisch bedrohliche Überbelastung des Gesundheitssystems sich abzeichnet und eine klassische Gefahrenabwehr unmöglich machen würde, müsste man den Schutz der Allgemeinheit vor das Recht der körperlichen Unversehrtheit des Einzelnen stellen und weiterführende Schutzmassnahmen ergreifen.

Es bleibt für den Moment nur, den AHA + L Hygienemassnahmen höchste Priorität einzuräumen, positiv zu denken und zu hoffen, dass wir solche schlimmen Zustände nicht bekommen werden.

„Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion“.

Voltaire

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1 Comment

  1. Das ist in der Tat ein dummer Vorschlag, um mehr Menschen zum Impfen zu bringen. Er könnte auch von Jens Spahn & Co kommen. Wir müssen die restlichen Skeptiker durch Fakten überzeugen. Die Verweigerer erreichen wir ohnehin nicht mehr – aber nicht alle Ungeimpften sind Verschwörungstheoretiker. Die Fakten sind: COVID-19 ist eine schwerwiegende Erkrankung, ohne dass man vorher weiß, wer genau schwer erkrankt. Die Krankheit ist total unberechenbar. Ihre Folgen können sehr langfristig oder dauerhaft sein (Long-Covid). Es handelt sich um eine Pandemie, da die gesamte Welt betroffen ist. Andere Länder nehmen sie ernst, was die höheren Impfquoten zeigen. Zur Impfung: bisher wurden mehr al 6 Milliarden Dosen verabreicht. Mehr als 2 Milliarden Menschen sind 2 x geimpft, was einer Quote von ca. 30% entspricht und zu niedrig ist. Wir haben Impfstoff im Überfluss, während Menschen, die sich gerne impfen lassen würden (Afrika, Asien, Südamerika) keine ausreichenden Mengen haben. Den Geimpften sind weder zwei neue Ohren gewachsen, noch wurden deren Daten an Bill Gates gemeldet, noch sind wir durch die Impfung fernsteuerbar. Impfen beendet die Pandemie – und nicht plakativer Populismus in welche Richtung auch immer.

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