Ist Klimawandel und Erderwärmung noch ein zeitgerechter Begriff?
In der Stuttgarter
Zeitung vom 23. 08. 2021 befand sich ein Leitartikel, der sich mit den Begriffen Klimawandel und Erderwärmung explizit auseinandersetzte. Darin hegte die Redakteurin Zweifel, ob diese Bezeichnungen den tatsächlichen Gefahren gerecht und nicht zu verharmlosend wirken würden.
Beide Termini würden die, aufgrund der tatsächlich zu erwartenden, katastrophalen Klimaveränderungen durch Extremwetter und Naturkatastrophen und deren Auswirkungen auf die Menschheit, Tier- und Pflanzenarten, nicht ausreichend genug beschrieben.
In diesem Sommer der Extreme brennen die Wälder nicht nur in unseren Urlaubsländern, sondern auf fast jedem Kontinent. Viele Menschen ertrinken in Überschwemmungsfluten oder Stehen vor dem Hungertod. Diese verheerenden Katastrophen wären ohne den menschlichen Einfluss auf das Klimasystem wesentlich weniger ausgeprägt und werden in Zukunft noch viel schlimmer werden, wenn es nicht gelingt, die vom Weltklimarat vorgegebenen Abhilfemassnahmen zeitnah zu realisieren.
Die Erde erwärmt sich nicht wie eine alte Heizung, die langsam auf Touren kommt. Sie erhitzt sich, sie brodelt wie ein Kochtopf. Ein, zwei, drei Grad Celsius, das klingt zunächst harmlos – wenn es in diesem Frühjahr zwei Grad wärmer ist als im vergangenen, empfinden wir das als schön angenehm. Doch global betrachtet wirkt sich dieser vermeintlich leichte Anstieg äusserst verhängnisvoll aus.
Wen dies auch in einigen Bereichen zutreffend sein wird, sind mir diese recht populistischen Aussagen zu apokalyptisch.
Die die angemahnten Begrifflichkeiten anbelangt, ist die deutsche Sprache sehr vielschichtig und das Wort Wandel hat folgende Synonyme wie, Revolution, Ausnahme, Änderung, Übergang, Wende, Verbesserung, Wechsel, Reform, Revision, Korrektur, Umgestaltung, Modifikation, Umbruch, Neuerung, Wendung, Neuregelung, Umkehr und Neubeginn die, je nach Eignung und Gusto, frei benutzt werden können.
Wer beschäftigt sich schon mit dem griechischen Philosophen Heraklit und seinem Zitat, dass nichts so beständig wie der Wandel ist und folgert daraus, dass der Wandel der Normalzustand ist. Das ist grosses Kopfkino und passt mehr zu unserem TV-Schmalspur-Philosophen Richard David Precht, als in die SZ. Ähnlich verhält es sich mit der Erderwärmung und ihrer Begrifflichkeit in Bezug auf Erhitzung.
Sprache schafft Realität und die Redakteurin fordert mehr Radikalität bei der Umwälzung unserer Lebensbedingungen. Ich glaube kaum, dass man dies erreichen kann, indem man Wandel aus unserem Klimasprachschatz streicht und durch „klimatische Veränderung“ ersetzt und aus einer Erderwärmung eine Erhitzung macht.
Der Artikel stellt für mich mehr eine intellektuelle Selbstbefriedigung dar, als ein Beitrag, der für den Grossteil der Bevölkerung umgangssprachlich nachvollziehbar ist. Siehe auch die Gender Sprache und das neues Buchstabier-Alphabet.
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